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Korschenbroich: Jugendheime fahren ihre Angebote wieder hoch

Korschenbroicher Einrichtungen : Jugendheim ist live besser als online

Im Probenraum des „Klärwerks“ dürfen wieder bis zu zwei Musiker gemeinsam üben. Auch die übrigen Korschenbroicher Jugendfreizeiteinrichtungen fahren ihre Angebote schrittweise hoch. Bis Pfingsten gab es solche nur online.

Der Band-Probenraum im „Klärwerk“ darf zurzeit von höchstens zwei Musikern gleichzeitig genutzt werden – vorausgesetzt, sie singen nicht. Doch diese Einschränkung wird gerne in Kauf genommen. Nach dem Lockdown sind alle erleichtert, dass das Leben im evangelischen Jugendzentrum an der Freiheitsstraße nicht nur virtuell stattfindet, sondern auch wieder analog auflebt und auch weitere Freizeiteinrichtungen in der Stadt Angebote nach und nach hochfahren – mit Auflagen bezüglich Hygiene und Öffnungszeiten. „Das ,Klärwerk’ hat mir gefehlt. Es ist ganz einfach in meinem Alltag drin“, stellt Tim Dürselen stellvertretend für die Zielgruppe fest. Seit drei Jahren ist der 16-Jährige in „normalen“ Zeiten regelmäßiger Gast im evangelischen Jugendzentrum. Dort trifft er sich bei Billard, Tischtennis und zu Workshops mit Freunden. Beim offenen Treff sind die jungen Leute unter sich, auch jetzt, im Vertrauen auf deren Eigenverantwortung.

„Es macht eine Riesenfreude. Die Jugendlichen haben festgestellt, es ist nicht schön, sich nur online zu treffen. Die soziale Interaktion ist sehr wichtig“, sagt Dirk Kooy, Ansprechpartner für das Jugendzentrum Klärwerk. „Die Online-Angebote wurden gerne angenommen, doch sie ersetzen nicht das Face-To-Face“, ergänzt Georg Westerholz, Einrichtungsleiter des katholischen St. Andy.

Kooy schätzt das Engagement der jungen Ehrenamtler. Er kann auf einen Stamm von 16 Helfern im Alter von 16 bis 25 Jahren vertrauen. Tim zum Beispiel lässt sich zum Jugendleiter ausbilden. Moritz Fragen (15) und Jonas Teut (15) haben gleiche Ambitionen. Die drei mögen das Ambiente des Klärwerks mit der Sitzecke samt Kamin zum Entspannen, dem großzügig geschnittenen Raum mit Sitzmöglichkeiten und der Theke sowie dem Außengelände. Die Palettenmöbel draußen sind selbst gebaut. Der handwerkliche Beitrag zum „Chillfaktor“ erhöht den Bezug zur Einrichtung.

Mit Werkraum, Probenraum und Küche bietet das Ensemble eine Plattform für unterschiedliche Workshops. Beim Kochen geht es auch um die Themen bewusste Ernährung und Nachhaltigkeit. Das Bandcamp gibt Jugendlichen, die ein Instrument spielen, die Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren. Geprobt wird im ebenso im evangelischen Jugendzentrum „Choice“.  Wer mitmachen will, ist willkommen – unabhängig von einer Konfession.

Das gleiche Prinzip gilt im katholischen St. Andy wie auch in der Glehner „Sinnflut“. Die Einrichtungsleiter setzten auf Kooperation, stimmen ihre Programme miteinander ab. Das Jugendamt des Rhein- Kreises Neuss koordiniert – auch und gerade jetzt, wo die Bedingungen erschwert sind und Vorschriften sich ständig ändern.

„Als alles zu war, war der Schock groß. Wir haben uns wöchentlich in Videokonferenzen getroffen und überlegt, wie wir Programme neu entwickeln, strukturieren und digital unterwegs sein können“, sagt Rainhard Giese vom Kreisjugendamt. Er verweist auf die Digitale Pin-Wand, die im digitalen Jugendtreff für Korschenbroich, Jüchen und Rommerskirchen übersichtlich unter „www.padlet.com/Jugendamt-RKN“ informiert, was wo passiert. Der pädagogische Leiter verspricht: „Alle Programme werden kontinuierlich ergänzt. Es ist wichtig, regelmäßige Angebote zu liefern, und es ist schön, dass wir das als Team machen“.

In den nächsten Tagen soll der Ferienkalender veröffentlicht werden. Darin stellen sich die Einrichtungen gemeinsam vor. Alle bedauern, dass geplante Reisen abgesagt werden mussten. Stattdessen gibt es Tagesausflüge zum Thema „Entdecke diene Heimat neu“, Theater Workshops und vieles mehr.