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Korschenbroich/Jüchen: Rhein-Kreis Neuss ist Corona-Risikogebiet

Corona-Krise im Rhein-Kreis : Was der Risikogebiet-Status für Korschenbroich und Jüchen bedeutet

Trotz relativ geringer Fallzahlen vor Ort gelten auch in Korschenbroich und Jüchen seit Montag verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen. Für den Einzelhandel ändert sich dabei zunächst wenig, doch die Angst vor dem Lockdown bleibt.

Im Schuhhaus Kamper ist am Montagmorgen vom Status als Risikogebiet noch nicht viel zu merken. „Ich bin über die Frequenz überrascht, ich dachte nicht, dass heute morgen so viel los ist“, sagt Inhaber Peter Kamper, gleichzeitig Chef des Cityrings in Korschenbroich. Die Kunden seien entspannt. „Hoffen wir, dass es so bleibt.“

Am Wochenende knackte auch im Rhein-Kreis Neuss die berühmt-berüchtigte Sieben-Tage-Inzidenz die 50er-Marke. Innerhalb einer Woche gab es dort Stand Sonntag 51,8 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner. Der Kreis und damit auch Korschenbroich und Jüchen wurden zum Risikogebiet mit verschärften Regeln. In der Öffentlichkeit dürfen sich abgesehen von Familien und Personen zweier Haushalte nur noch fünf Menschen treffen. Zwischen 23 und 6 Uhr gelten eine Sperrstunde und ein Verkaufsverbot für Alkohol. An Feiern dürfen höchstens zehn Personen, an Veranstaltungen nur noch 100 Personen teilnehmen. Mehr Gäste sind nur möglich, wenn drei Tage zuvor ein Hygienekonzept vorliegt. Auch dann sind maximal 500 Besucher im Freien und 250 in Innenräumen zugelassen. Zudem gilt auch für Zuschauer von Sportveranstaltungen oder Konzerten am Platz eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Die Regelungen gelten so lange, bis die Sieben-Tage-Inzidenz wieder an sieben aufeinander folgenden Tagen unter 50 liegt.

Da hilft es auch nicht, dass die Corona-Zahlen in den beiden Kommunen vergleichsweise gering sind. Von den Stand Montag 324 Infizierten im Rhein-Kreis kamen nur 19 aus Korschenbroich und zehn aus Jüchen. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis stieg hingegen weiter auf nun 62,9. „Wir haben im ländlichen Raum niedrigere Zahlen, sind aber dennoch Risikogebiet“, sagt ein Sprecher der Stadt Jüchen. Über die Allgemeinverfügung des Kreises hinaus gab es zunächst weder in Korschenbroich noch in Jüchen weitergehende Regelungen. Während der Jüchener Sprecher auf Anfrage von einem intensiven Kontakt zwischen Bürgermeister Harald Zillikens und den Verantwortlichen im Rhein-Kreis berichtete, gab es aus Korschenbroich bis zum späten Montagnachmittag überhaupt keine Stellungnahme.

Unklar war zunächst auch, auf welchen Straßen im Rhein-Kreis künftig Maskenpflicht herrscht. Laut Kreis gelte diese in allen öffentlichen Außenbereichen, „in denen eine Unterschreitung des Mindestabstands zu erwarten ist“. Dies beziehe sich insbesondere auf Fußgängerzonen und den Bereich der Altstadt Zons. Eine detaillerte Karte zu den betroffenen Straßen gab es am Montag noch nicht. Diese soll erst am Dienstag bei einem Treffen der Kommunen mit dem Kreis festgelegt werden. Ein Jüchener Sprecher erklärte auf Anfrage, dass er mit einem Maskenpflicht-Bereich in Jüchen nicht rechne.

Zumindest für die Einzelhändler ändert sich durch die neuen Bestimmungen zunächst nichts. „Maskenpflicht gibt es bei uns ja schon, zwei Masken aufziehen geht nunmal nicht“, sagt Kamper. Er merke zwar, dass die „Lustkäufe“ mit den steigenden Corona-Zahlen wieder abgenommen hätten, sagt jedoch auch: „Im Geschäft ändert sich wenig.“

Dass die Zahlen in Korschenbroich im Vergleich zum Rhein-Kreis so gering sind, ist für Kamper Fluch und Segen zugleich. Zum einen hilft das nicht gegen den Status als Risikogebiet, zum anderen glaubt er doch, dass die Menschen noch lieber in den kleinen Städten einkaufen gehen. „Es ist tatsächlich so, dass ich den Eindruck habe, dass die Kunden sehr gut informiert sind“, sagt Kamper. „Korschenbroich hat mit den Zahlen in Neuss und Mönchengladbach wenig zu tun.“

Derzeit bringen die höheren Corona-Zahlen eher leichte Einnahmenverluste mit sich. Doch eine Angst schwingt auch bei Kamper immer mit. „Das Schlimmste wäre der Lockdown“, sagt er. Und der sei nach wie vor nicht ausgeschlossen. „Es gibt Dinge, die man nicht beeinflussen kann“, so Kamper. Andere allerdings schon. Und da kommt ein Appell ins Spiel, den Landrat Hans-Jürgen Petrauschke in den vergangenen Wochen schon beinahe mantrahaft vorträgt: „Halten Sie mindestens 1,5 Meter Abstand, achten Sie auf eine ausreichende Handhygiene und tragen Sie eine Alltagsmaske, wenn ein ausreichender Abstand nicht gewährleistet werden kann.“ So steht es auch am Montag wieder in einer Kreis-Pressemitteilung. Damit es besser und nicht noch schlimmer wird.