Korschenbroich: Initative soll Mundart auch jungen Menschen näherbringen

Mundartinitiative der Stadt : Korschenbroicher Platt für Anfänger

Mit ihrer Mundart-Offensive will die Stadt Korschenbroich auch Neubürger und junge Menschen mit den sprachlichen Eigenheiten vor Ort vertraut machen. Helfen sollen Ortsschilder, ein Online-Wörterbuch und ein Imagefilm.

Wenn man die Frage aller Fragen stellt, sagt Michaele Messmann „Ledderkestaat“. Peter-Josef Stefes sagt „Drenk doch eene mött“. Und Bürgermeister Marc Venten überlegt eine Weile und antwortet schließlich „Seekoes“. Sie verstehen nur Bahnhof? Dann sind Sie die richtigen Ansprechpartner für die Mundart-Offensive der Stadt Korschenbroich.

„Wir wollen das Korschenbroicher Platt wieder mehr in den Vordergrund rücken“, sagt Venten. Der Bürgermeister ist selbst ein geübter Mundart-Sprecher. Zum Start der Initiative hat er sich aber die Unterstützung von zwei noch größeren Experten gesichert: von Peter-Josef Stefes und dem zweiten stellvertretenden Bürgermeister Hans-Willi Türks. Beide sind im Verein zur Pflege und Förderung der Mundart im Rhein-Kreis Neuss aktiv. Beiden geht der Dialekt leicht von den Lippen.

„Es gibt eine Renaissance der Mundart“, sagt Stefes. Die alljährlich stattfindende „Ladies Nait“ als Lesung mundartlicher Texte sei bestens besucht. Auch weitere Veranstaltungen der örtlichen Vereine und Theaterbühnen würden auf große Resonanz stoßen. „Dabei war das Platt lange verpönt“, sagt Türks.

Diesen Trend will die Stadt nun aufgreifen. Ein erstes Projekt wurde bereits im September bekannt. Die einzelnen Ortsschilder soll in Zukunft neben dem hochdeutschen auch der jeweils im Dialekt gebräuchliche Name zieren. Weitere Planungen stellte Venten vergangene Woche vor.

Das bereits seit einigen Jahren vergriffene Mundart-Wörterbuch „Unges Platt“ soll neu erscheinen. In überarbeiteter und ergänzter Ausführung. „Wir wollen das nicht nur analog herausgeben“, sagt Venten. Das Buch soll die Grundlage für ein Übersetzungstool auf der offiziellen Internetseite der Stadt Korschenbroich sein. Ergänzt mit Hörproben können die Bürger dann im Internet das mundartliche Äquivalent zu Alltagsbegriffen finden.

„Außerdem planen wir einen Imagefilm auf Platt, der hochdeutsch untertitelt werden soll“, sagt Venten. Die Stadt Korschenbroich wolle das einfach mal anders angehen als andere Kommunen. Das Konzept soll auch dafür sorgen, dass neue Zielgruppen mit der Korschenbroicher Mundart in Berührung kommen. Neubürger beispielsweise. Oder junge Menschen.

„Meine Kinder verstehen Platt, aber sprechen es selten“, sagt Türks. „Meine Enkel brechen sich beim Versuch, Platt zu sprechen, hingegen fast die Zunge ab.“ Damit die Mundart nicht ausstirbt, gelte es also, auch die nächsten Generationen mit dem Thema in Berührung zu bringen. Schon heute gebe es einen engagierten Kinder- und Jugendchor, der auch Lieder auf Platt vorträgt. Fragt man Türks und Stefes nach ihren Wünschen, würden sie es begrüßen, wenn die Mundart auch in den Schulen stärker thematisiert wird.

Michaele Messmann, Leiterin des Amtes Bildung, Kultur und Sport verweist auf das Landesprogramm „Kulturrucksack“, in dessen Rahmen bereits Mundarts-Workshops angeboten wurden. Auch gebe es im Angebot der Offenen Ganztagsschulen sicherlich Möglichkeiten. Damit auch die Jüngsten verstehen, wenn Messmann auf die Frage nach ihrem Lieblings-Mundartbegriff „Ledderkestaat“ (Riemchentorte) antwortet. Und Venten von einer Ameise (“Seekoes“) erzählt.

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