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Korschenbroich: Herrenshoff ist Ort mit großem Zusammenhalt

Serie Mein Korschenbroich : Herrenshoff – ein Ortsteil mit starkem Zusammenhalt

Geschäfte und Gaststätten sind weitestgehend aus Herrenshoff verschwunden, doch die Gemeinschaft im Ort ist gut. Zudem gibt es einige besondere Gebäude.

Die Wege sind kurz in Herrenshoff. Kirche, Grundschule, Ehrenmal und Feuerwehr liegen weniger als einen Steinwurf voneinander entfernt. „Der Zusammenhalt hier ist gut, da wir klein sind. Auch Zugezogene sind gut integriert. Als die Pfarrgemeinden zusammengelegt wurden, galten wir als die Gemeinde, die besonders gerne feiert“, erzählt der Herrenshoffer Ansgar Barbers. Für ihn steht fest: Trotz Veränderungen hat sich Herrenshoff eine gewisse ländliche Idylle bewahrt. Es gibt Felder, Natur und ein paar Bauernhöfe.

Zentrum des Orts ist die Kirche Herz-Jesu. Sie wurde zunächst als neugotische Kapelle gebaut, 1913 geweiht und 1956 erweitert. Damals wurde das Kirchenschiff quer zur Kapelle angebaut und diese zur kleinen Basilika erweitert. „Die Verbindung der Baustile ist eine Besonderheit, wie auch die Gestaltung der Fenster“, betont Barbers. So hat der Künstler Johannes Beeck für die Seitenfenster das durchlaufende Band einer symbolisierten Dornenkrone entworfen.

Im Parkareal von Schloss Myllendonk liegt einer der schönsten Golfplätze Deutschlands. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Eine Besonderheit ist ebenso der vierte König, der vom Neersbroicher Hermann-Josef Kronen für die Krippenlandschaft der Kirche geschnitzt wurde. Agnes Hoppenkamps nähte dem Begleiter der heiligen drei Könige eine schmucke Schützenuniform. Die kleidet ihn gut, wenn er zum Dreikönigstag auf Reisen zu den Krippen in Korschenbroich und Pesch ist oder in der heimischen Kirche weilt.

„Mein Mann und ich waren das zweite Brautpaar, das hier nach der Erweiterung der Kirche geheiratet hat“, erzählt Käthe Fooßen. Sie erinnert sich, schon als Kind auf den Wiesen Margeriten, Kornblumen und Fingerhüte gesammelt zu haben, um ihren Teil beizutragen, wenn die Straßen zur Fronleichnamsprozession mit wunderschönen Ornamenten geschmückt wurden. „Das wird auch heute noch gemacht, aber nicht mehr mit gefärbtem Sägemehl wie das früher üblich war“, erzählt die 84-Jährige. Sie wirkt seit vielen Jahren bei den Karnevalsaufführungen der im Ort verwurzelten Kfd mit. Für die kommende Sitzung hat sie mit Freundin Agnes Hoppenkamps ein närrisches Zwiegespräch zum lokalen Geschehen vorbereitet. Dabei monieren beide, dass nach Schließung der Sparkassenfiliale vor langer Zeit nun auch der Geldautomat abgeschafft wurde.

„Von einst sieben Gaststätten hat sich keine erhalten. Auch viele Geschäfte sind verschwunden. Zu den Festen sieht man sich, doch im Alltag weniger“, kommentiert Barbers bedauernd diese Entwicklung. Von älterer Zeit könnte das Alte Zollhaus erzählen. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde eine Zollstätte von der Engbrück nach Herrenshoff verlegt und dort vom Sturm niedergerissen. 1750 wurde sie als Fachwerkhaus mit Walmdach wieder erbaut.

Inmitten des Landschaftsschutzgebietes liegt Schloss Myllendonk. Einst war die Burg Sitz der Herren von Myllendonk, die 1166 erstmals erwähnt wurden. Nach mehreren Wechseln gelangte die Anlage 1832 in den Besitz der Familie der Freiherren von Wüllenweber. Hier wurde die Ordensschwester Maria von den Aposteln als Freifrau Therese von Wüllenweber geboren. Die Mitgründerin des Ordens der Salvatorianerinnen wurde 1968 durch Papst Paul VI. selig gesprochen.