Korschenbroich: Heimatfreunde erinnern an Uhrmacher

Ausstellung im Glehner Museum : Heimatfreunde erinnern an Uhrmacher

Bis zum Ende des vorigen Jahrtausends war Matthias Birkmann in Glehn eine richtige Institution. Jeder kannte den Juwelier und Uhrmacher. Jetzt präsentieren die Glehner Heimatfreunde ihn in ihrer neuesten Ausstellung.

Als die Eheleute Wilfried und Christel Bruyers im Jahr 2011 das Haus des 1998 verstorbenen Uhrmachers und Juweliers Matthias Birkmann an der Bachstraße 2 mit sämtlichem Inventar übernommen hatten, freuten sich die Glehner Heimatfreunde. Denn für ihre Präsentationen im Heimatmuseum erhielten sie Birkmanns gut erhaltene und gepflegte Werkzeuge. Nun stellen Mitglieder des Vereins schon seit zwei Wochen eine entsprechende Ausstellung über den Laden und die Werkstatt zusammen.

Stephen Hendy ist Archivar bei den Glehner Heimatfreunden und kümmert sich gemeinsam mit Gerhard Tumma, Marion Künne und Heinz Weckopp um diese Präsentationen. Er erinnert sich noch gut: „Matthias Birkmann war früher die erste Anlaufstelle für Gravuren, aber auch für die Reparatur von Uhren oder Armbändern – er hatte alle notwendigen Ersatzteile und es gelang ihm alles.“ Hendy hatte ersten Kontakt zu dem 1928 geborenen Juwelier und Uhrmacher, als sein Jägerzug „Mer halde Pohl“ das erste Schützensilber anschaffte. „Das war 1974 – später ging es regelmäßig um Orden und um die Gravuren auf unserer Königskette“, berichtet er.

Stephen Hendy, Heinz Weckopp und Gerhard Tumma wissen noch gut: „Wenn man in den Laden reinkam, kam Matthias Birkmann einem mit der aufgeklappten Lupe auf der Stirn über seiner Brille entgegen. Und wenn er arbeitete, hatte er das Lupenglas auf seine Brille verschoben.“ Und wenn zur Glehner Kirmes der Schützenzug an Birkmanns Haus vorbeikam, saß der gemeinsam mit Ehefrau Helga im Fenster und winkte. Der Archivar schmunzelt: „Dann hatte unser Uhrmacher seine höchst persönliche Parade. Er kannte alle Leute und das war dann im wahrsten Sinn des Wortes ein Vorbeimarsch.“

Die Glehner Heimatfreunde präsentieren am kommenden Sonntag in ihrer neuen Ausstellung nicht nur eine schon wieder völlig neu konzipierte Ausstellung über die frühere Marmeladenfabrik Titz, sondern auch ganz besonders viel Wissenswertes über den Glehner Uhrmacher. Da gibt es zum Beispiel ein altes Uhrwerk-Reinigungsgerät, von dem Gerhard Tumma weiß: „Das ist ein Gerät, wie es noch heute aufgrund ihrer rotierenden und damit schonenderen Reinigung den Ultraschallgeräten vorgezogen wird.“ Er erklärt weiter: „Das gilt vor allem für die Miniaturfedern, die in manuelle Armbanduhren eingesetzt werden.“ Denn durch Ultraschall könne die Spannkraft der Federn nachlassen. Auch ist ein Entmagnetisierungs-Gerät aus den 1930er Jahren zu sehen, ebenso Werkzeuge wie ein manueller Press-Stock als Gehäuseschließer für Armbanduhren oder eine manuelle Drei-Backen-Futterdrehmaschine, die zum Ausrichten und Auswuchten von Zahnrädern eingesetzt wurde.

Nun sind die Glehner Heimatfreunde gespannt auf viele interessante Gespräche und Diskussionen. Sie selbst hatten in letzter Zeit immer während der Ausstellungszeiten bei Kaffee und Gebäck im Gespräch mit Besuchern sehr viel Neues zu ihren Ausstellungsthemen und über Glehn erfahren, und sogar ergänzendes Material von Besuchern bekommen. Allerdings könnte den Heimatfreunden bei ihrer neuesten Aktion die hochsommerliche Wetterlage einen Strich durch all ihre Rechnungen machen. Gerhard Tumma sagt: „Wenn es am Sonntag unerträglich heiß wird, bleibt unser Museum leider geschlossen.“

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