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Korschenbroich: Händler verkaufen kein Kaminholz mehr an Neukunden

Händler in Korschenbroich : Kein Kaminholz mehr für Neukunden

Die Nachfrage nach Brennholz steigt. Auch weil die Energiepreise für Gas und Öl steigen, haben sich immer mehr Menschen einen Kaminofen angeschafft. Inzwischen werden sogar Baumstämme als Rohware knapp.

Holz ist knapp und wird immer knapper. Wer in Korschenbroich Nachschub für seinen Kaminofen braucht und kein Stammkunde bei einem festen Lieferanten ist, dürfte große Probleme bekommen. Denn Brennholz, das trocken genug zum Heizen ist, gibt es immer weniger.

Bereits seit November 2021 nimmt Landwirt Paul Tillmanns daher keine Neukunden mehr an. „Wir merken eigentlich schon seit Februar 2021 eine verstärkte Nachfrage nach Brennholz“, sagt Tillmanns, der seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Sohn Christian in Kleinenbroich führt. Die steigenden Energiepreise seien ein wesentlicher Grund dafür, dass Kaminholz so stark nachgefragt wird. „Und seitdem immer mehr über die Gasknappheit bekannt wird, kaufen die Leute geradezu panisch Holz“, berichtet Tillmanns. Zudem hätten sich während der Lockdowns offenbar viele Menschen Kaminöfen angeschafft. Auch das verstärkte Arbeiten im Homeoffice habe seinen Anteil daran, dass Brennholz so begehrt ist.

„Aufgrund unserer aktuellen Auftragslage können wir im Moment keine Neukunden mehr aufnehmen. Wir bitten dies zu entschuldigen und hoffen auf Ihr Verständnis.“ Dieses Fenster ploppt bereits seit ein paar Monaten auf seiner Internetseite automatisch auf. Tillmanns hat zwar noch reichlich trockenes Brennholz. Doch das sei reserviert für seine Stammkundschaft. „Allen anderen sagen wir ab“, bedauert er.

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So sieht es offenbar auch bei Kaminholz Hülser in Korschenbroich aus. Auch auf deren Webseite steht bereits seit längerer Zeit: „Liebe Kunden, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir restlos ausverkauft sind. Es werden aktuell keine Bestellungen oder Holzreservierungen entgegengenommen.“

Wer hofft, noch bei Ramrath Holz, Brennholz erhalten zu können, wird auch enttäuscht. „Wir haben den Verkauf von Kaminholz zwar nie besonders groß betrieben“, sagt Mitarbeiter Christoph Türks. Aber regelmäßig hätten er und seine Kollegen damit zu tun, Anfragen von Kunden absagen zu müssen.

„Wir haben noch versucht, Kaminholz zu bekommen, das klappte aber nicht. Die Nachfrage war zu groß“, so Türks. Auch er vermutet, dass die steigenden Energiepreise von Gas und Öl viele Menschen bewogen hat, sich Kaminöfen anzuschaffen und zumindest teilweise auf Holz umzusteigen.

Aktuell habe sich die Situation laut Tillmanns sogar noch verschlimmert. „Inzwischen wird Rohware knapp.“ Die Baumstämme würden zudem wesentlich teurer. Er führt das auch darauf zurück, dass viele Forstbetriebe zunächst die vom Borkenkäfer befallenen Nadelbäume verarbeiten. Auch nach diesem Holz, das in Öfen genutzt werden kann, sei die Nachfrage groß, so Tillmanns. Allerdings habe Nadelholz einen deutlich geringeren Brennwert. Charakteristisch für Nadelholz ist, dass es knistert und prasselt im Kaminofen. Ohne Funkenspritzer, dafür mit einem eher gleichmäßigen Flammenbild, verbrennt dagegen Buche und erzeugt gleichmäßige, langandauernde Wärme.

Egal ob Laub- oder Nadelholz:  Genutzt werden kann es erst dann, wenn es trocken genug ist. „Die Restfeuchte sollte unter 25 Prozent liegen“, erklärt Tillmanns. „Wenn das Holz zu feucht ist, verrußt nicht nur der Kamin, zudem wird die Umwelt verpestet.“ Kunden rät er daher, die Feuchtigkeit auch mal nachzumessen. Dafür sei nur der Scheit in der Mitte durch zu hacken und dann mit einem – in jedem Baumarkt erhältlichen – Thermometer zu messen. Habe das Holz innen noch 35 oder gar 40 Prozent Feuchtigkeit, verbrenne es regelrecht schaumig und sei sehr teerhaltig, warnt Tillmanns.

Auf seinem Hof wird das Holz in ganzen Stämmen vor allem aus dem Westerwald geliefert. Gespalten wird es in seinem Betrieb in Kleinenbroich, der seit fünf Generationen in Familienbesitz ist.

Aufgrund der Verknappung des Brennholzes sei auch der Holzpreis gestiegen. „Um etwa fünf Euro pro Schüttraummeter“, erklärt Tillmanns. Er befürchtet, dass er Ende Januar erneut die Preise erhöhen muss, weil die Rohware Holz immer teurer wird.