Korschenbroich: Gründerwettbewerb hilft derzeit nicht gegen Leerstand in Ortszentren

Ausschuss in Korschenbroich diskutiert : Wettbewerb hilft nicht gegen Leerstand

Die Aktive beantragte im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, einen Geldpreis für Gründer und Start-ups auszuloben, um die Ortszentren zu beleben. Es gibt aber Gründe, warum der Wettbewerb derzeit nicht das geeignete Mittel ist.

Als Vorbild diente Hanns-Lothar Endell ein Projekt in der Stadt Willich. Der Vorsitzende der Ratsfraktion Die Aktive hatte von einem Gründerwettbewerb erfahren, den die Stadt Willich derzeit durchführt, um die innerstädtischen Bereiche wieder zu beleben. Gründer und Start-ups können sich mit einer kreativen Geschäftsidee bewerben, eine Expertenjury entscheidet dann, welche drei Teilnehmer einen Geldpreis und zudem ein Jahr lang einen Mietzuschuss erhalten. Endell stellte nun im Ausschuss für Wirtschaftsförderung den Antrag, dieses Modell auf Korschenbroich zu übertragen – mit einem Preisträger, der 1500 Euro als Prämie und für ein Jahr monatlich 500 Euro als Mitzuschuss bekommen soll.

„Das Thema Leerstand beschäftigt uns immer wieder, und das nicht nur in Kleinenbroich. Überall ist es schwer, geeignete Mieter zu finden. Patentrezepte gibt es dafür nicht, aber es wäre einen Versuch wert, einen solchen Wettbewerb durchzuführen“, sagte Endell. Die Gegen­argumente ließen indes nicht lange auf sich warten. „Der Kämmerer hat uns bereits mitgeteilt, dass wir diesen freiwilligen Preis in Höhe von 7500 Euro nicht ausloben können, das gibt unser Budget nicht her“, sagte Patrick Gorzelanczyk. Der Referent des Bürgermeisters führte jedoch neben dem finanziellen Aspekt noch andere Punkte auf.

„Wir könnten dem Sieger eines solchen Wettbewerbs gar keine Garantie geben, dass er auch eine Immobilie erhält“, sagte Gorzelanczyk und verdeutlichte dies nochmals am Beispiel des Kleinenbroicher Zentrums „Auf den Kempen“. Dort ist nicht nur der Leerstand besonders frappierend, dort zeigt sich auch, wie komplex mitunter die Probleme sind, mit denen die Wirtschaftsförderung zu kämpfen hat.

„Wir haben unzählige Gespräche mit den Eigentümern geführt, es haben sich auch schon einige Makler versucht. Doch leider haben einige Eigentümer gar kein Interesse, zu vermieten und etwas in die Immobilie zu investieren“, sagte Gorzelanczyk. Zudem gebe es eine große Eigentümergemeinschaft, die bei etwaigen Umgestaltungen zustimmen müsse, um gegen den Leerstand anzugehen. Selbst habe die Stadt dort keine Immobilie. Insofern, konstatierte Bürgermeister Marc Venten, würde ein Gründerwettbewerb zu nichts führen: „Es gab durchaus Interessenten für Lokale in Kleinenbroich, nur konnten wir nichts anbieten.“

Gorzelanczyk verwies jedoch auch auf die Stadtentwicklungsstrategie, die nun bald starten werde. „Da werden wir uns auch mit solchen Fragen beschäftigen und für Kleinenbroich gute Ideen und Ansätze benötigen“, sagte Gorzelanczyk. Im Ausschuss lautete daher der Tenor, diese Entwicklung abzuwarten. Zudem müsse es einen Finanzierungsvorschlag für einen Wettbewerb mit Preisgeld geben, sagte Paul Jahny (SPD). Die Grünen zeigten Sympathie für den Vorschlag, doch auch Martin Kresse wünschte sich noch mehr Klarheit, wie ein solcher Wettbewerb im Detail aussehen könnte. Der Antrag wurde abgelehnt, Endell will sich indes nochmals mit dem Willicher Projekt auseinandersetzen.

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