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Korschenbroich: Gebäude mit Geschichte

Historisches aus Korschenbroich : Steine künden von einer langen Geschichte

In Korschenbroich gibt es viele Gebäude mit einer reichen Historie. Sie erzählen von dem Leben in der Gemeinde in früheren Zeiten.

Wer durch die Stadt spaziert, kann einige besondere Gebäude entdecken. Siedlungsspuren lassen sich durch archäologische Funde bis in die Ur- und Frühgeschichte nachweisen. Auch die Römerzeit hat Spuren hinterlassen. Die Franken teilten die römische Provinz Niedergermanien in Gaue, aber deren Zerfall begann schon im 9. Jahrhundert. Unter den Nachfolgern von Karl dem Großen wurde das Rheinland Bestand des lothringischen Zwischenreiches, nach dessen Ende 870 fiel es dem ostfränkischen Reich zu. Daraus entwickelte sich das Deutsche Reich. 1794, während der Französischen Revolution, wurde das Gebiet der Stadt von den Franzosen besetzt und ihnen 1801 zugesprochen. 1815 wurde das heutige Korschenbroich Teil Preußens. Im Mittelalter (9. Jahrhundert) gelang es den Großgrundbesitzern, die Macht an sich zu ziehen. Sie kamen zu Herrschaften, die mit allen Hoheitsrechten ausgestattet waren. Auf dem heutigen Stadtgebiet entwickelten sich zwei dieser Herrschaften: Im Norden die Herrschaft Myllendonk, im Süden war es die Herrschaft Liedberg, deren Spuren mit dem Mühlenturm und dem Schloss erhalten geblieben sind. Wer sich mit der Geschichte der Stadt beschäftigt, sollte sich auf Spurensuche begeben. Denn auch heute noch künden Zeugen der Vergangenheit im Stadtbild von der Historie. Ob Schlösser, Herrenhäuser, Kirchen oder Höfe: Sie alle zeigen, dass es eine lange Geschichte gibt, die sich anhand steinerner Zeugen zu erzählen lohnt.

Alte Schule So zeigt die Bezeichnung „Alte Schule Steinstraße“, dass dieses Gebäude einmal als Schule genutzt wurde. 1835 kaufte die Gemeinde Korschenbroich ein großes ehemaliges Bauernhaus, das als Schule dienen sollte und in dem eine Lehrerwohnung und das Gemeindebüro eingerichtet wurden. 1861 baute man ein drittes Klassenzimmer und eine weitere Lehrerwohnung. 1869 wurde das Haus um einen neuen Saal mit darüber liegendem Gemeindebüro und einem Zimmer für den Bürgermeister und für die Registratur erweitert. Bereits zehn Jahre später richtete man durch einen Aufbau ein fünftes Klassenzimmer ein. Das Gemeindebüro zog 1902 in das neu gebaute Rathaus an der Regentenstraße, so dass seitdem das Gebäude nur noch für schulische Zwecke zur Verfügung stand. Bis 1980 diente das Schulhaus als Grundschule und vorübergehend als Gymnasium, das 1976 in Korschenbroich eingerichtet wurde. Von 1980 bis zum Umbau 1987 nutzte die Stadt die Räume für das Sozialamt sowie das Schul-, Kultur- und Sportamt. Seit der Fertigstellung 1988 steht die „Alte Schule“ als Kommunikations- und Tagungsstätte zur Verfügung.

 Die Alte Schule in Korschenbroich.
Die Alte Schule in Korschenbroich. Foto: Friedhelm Ruf

Alte Vikarie Ein anderes altes Gebäude ist die Alte Vikarie. Das Alter der ehemaligen Vikarie ist nicht feststellbar. Im Vergleich mit dem 1566 erbauten Kuhlenhof wird davon ausgegangen, dass das Pfarrhaus mehrere Jahrzehnte älter sein muss und vielleicht schon im 15. Jahrhundert erbaut wurde. Hinweise dafür sind der noch ungeteilte Herdraum, das binderlose Sparrendach und das Fehlen eines gemauerten Kamins. Bis 1802 waren die Vikarien der Pfarre gegenüber selbstständig und erhielten ihre Zuwendungen von Bruderschaften oder einzelnen Stiftern. Mit der französischen Gesetzgebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Vikare dann jedoch nicht mehr vom Landesherrn, sondern vom Bischof berufen und waren den Pastören unterstellt.

 Eines der ältesten Gebäude der Stadt: die Alte Vikarie.
Eines der ältesten Gebäude der Stadt: die Alte Vikarie. Foto: Friedhelm Ruf

Altes Rathaus Ein weiteres historische Gebäude ist das ehemalige Bürgermeisteramt der früheren Gemeinde Korschenbroich. Es wurde 1902 erbaut. Die Frontseite des Gebäudes ist rechtsseitig vorgezogen und wird in ihrer Ansicht durch einen Erker und den mit schlichtem Zierrat versehenen Giebel geprägt. Bis zur Errichtung der Bürgermeisterei befanden sich die Amtsräume der Gemeinde in einem Schulgebäude. „Die Schaffung eines Raumes für eine neue Schulklasse, sowie der Umstand, dass die Büroräume dem gesteigerten Geschäftsbetrieb der Verwaltung nicht mehr entsprachen, ließen die Frage der Errichtung eines Neubaues des Bürgermeisteramtes, in dem zugleich die Gemeinde- und Sparkasse, sowie die Dienstwohnung des Bürgermeisters untergebracht werden sollte, auftauchen.“ So steht es in einem Verwaltungsbericht für das Jahr 1902 geschrieben. Die Kosten für den Bau in Höhe von 34.000 Mark konnte die Gemeinde bis auf eine Anleihe von 18.000 Mark zum größten Teil aus laufenden Mitteln bestreiten. 1911 waren die Räume für die Gemeinde und die Sparkasse nicht mehr ausreichend, so dass man das Gebäude erweiterte. Bis 1985 diente es als Rathaus der Gemeinde und späteren Stadt Korschenbroich. Seit dem Umzug eines Teils der Verwaltung in das neue Gebäude an der Sebastianusstraße wird es das „Alte Rathaus“ genannt, in dem heute das Standesamt und das Sozialamt ihren Sitz haben.

Hannen-Haus Die Jahreszahl, die mit Ankersplinten auf der Frontseite des Hannen-Stammhauses eingelassen ist, weist darauf hin, dass dieses Gebäude in seiner heutigen Gestalt 1716 erbaut wurde. Ein großer Brand hatte das Weinhaus, das zuvor an dieser Stelle stand, zerstört. Dieses Weinhaus, das 1543 erstmalig erwähnt ist, war das einzige Gasthaus, in dem man Wein trinken, speisen und übernachten konnte. Im Mittelpunkt des Dorfes, am ehemaligen Gerichtsplatz stehend, spielte sich dort auch das öffentliche Leben ab. Im 16. Jahrhundert tagte an dieser Stelle das Gericht bei geringeren Strafsachen und einfachen Rechtsfragen. Nach der Neuerrichtung 1716 wurde das Weinhaus von mehreren Weinwirten gepachtet. Im Jahre 1800 kam es in den Besitz von Johann Hannen, der von nun an das Hannen-Bier braute. Bis 1985 war die Produktionsstätte, die sich an die Rückseite des Hannen-Stammhauses anschloss und auf deren Gelände sich heute ein Einkaufszentrum sowie ein Wohnkomplex befinden, in Betrieb. An der Rückseite des Gebäudes wurde 1990 im Zuge der Baumaßnahme „Hannen-Center“ ein Brunnen ausgegraben, der gemäß einer Inschrift aus dem Jahre 1691 stammt. Er hat einen Durchmesser von etwa einem Meter und ist etwa sechs Meter tief. Auf Initiative des örtlichen Heimatvereins wurde der Brunnen restauriert und mit einem Schutzgitter versehen.