Korschenbroich: Für Leukämiekranken Reiner Stappen aus Glehn geht es wieder bergauf

Kampf gegen den Blutkrebs : Für Reiner Stappen geht es wieder bergauf

Nach einer Stammzellen-Transplantation geht es dem Leukämie-Kranken viel besser. 4000 Menschen ließen sich für ihn typisieren.

Es gibt sehr gute Nachrichten: Mit dem vor einem Jahr an AML – akuter myeloische Leukämie –  erkrankten Glehner Reiner Stappen geht es gesundheitlich immer weiter bergauf. „All dies fühlt sich nach wie vor wie ein Märchen an. Es sieht so aus, als bekomme ich eine zweite Chance“, sagt er dankbar.

Leicht eingeschränkt, aber viel schneller als erwartet war Anfang August schon wieder der erste richtige Familienurlaub in Österreich möglich. Der große Check in der Essener Uniklinik bestätigte nun, dass alles gut verläuft. „Was soll ich sagen – es läuft. Alle Ampeln stehen auf Grün. Ich lebe wieder fast normal“, sagt der jetzt 57-jährige: „Vor allen Dingen bedurfte es eines Menschen, der bereit war, mir Stammzellen zu spenden. Dafür bin ich jeden Tag dankbar.“

Reiner Stappen leidet an Blutkrebs, neun Monate nach der Stammzellen-Transplantation geht es dem Glehner viel besser. Foto: Karin Verhoeven-Meurer/Karin Verhoeven-meurer

Vor einem Jahr löste der Aufruf zur Typisierung zwecks Stammzellen- Transplantation eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft aus. Alleine im Raum Glehn und Umgebung ließen sich etwa 1000 Menschen typisieren, bundesweit waren es 4000. Zahlreiche Menschen hofften mit Reiner Stappen, seiner Frau Hiltrud und den Kindern Thilo, Manuel und Franca.

Die Situation im Juni 2018: Reiner Stappen fühlte sich beim Joggen nicht so recht in Form. Er berichtet: „Die Leukozytenzahl meines Blutbildes bestätigte die Diagnose ,akute myeloische Leukämie’“. Er ging sofort ins Franziskus-Krankenhaus in Mönchengladbach, begann dort mit der Chemotherapie. Stappen lag in einem Quarantäne-Zimmer. „Ich habe trotzdem versucht, Struktur in mein Leben zu bringen. Je normaler man versucht zu leben, umso besser kommt man klar. Ich habe im Krankenzimmer mein Büro eingerichtet und von dort aus gearbeitet“, berichtet der diplomierte Chemiker, der normalerweise in seiner Zuständigkeit für den globalen Service von Deutschlands größtem Medizintechnik-Unternehmen in aller Welt unterwegs ist.

Bald war abzusehen, dass die Chemo zwar wirkt, aber dass es drei weitere dieser Behandlungen geben müsse – und auch eine Stammzellen-Transplantation. „Mein Bruder kam leider nicht in  Frrage“, erklärt Stappen. Im August beteiligten sich etliche Menschen an einer Stammzellen-Registrierung in der Glehner Feuerwache. Stappen dankt allen, die sich registrieren ließen. „Das war eine Glanztat.“

Am 19. Dezember wurden Reiner Stappen Stammzellen eines Spenders aus den USA transplantiert. „Damals war ich ganz tief unten.“ Am 19. Januar durfte Stappen die Uniklinik Essen verlassen. „Am 11. Februar folgte die freudige Mitteilung: Die neuen Zellen hatten schon ganze Arbeit geleistet. Tumorzellen waren nicht mehr feststellbar. Meine Blutgruppe war nicht mehr AB positiv, sondern O negativ.“

Die nächsten drei Monate machte seine Gesundheit stetig Fortschritte. Mitte Mai startete er, nur fünf Monate nach der Transplantation, wieder voll ins Berufsleben. „Was mich am meisten freut, ist die Tatsache, dass zwei an Leukämie erkrankte Patienten Stammzellen von Glehner Bürgern erhalten, die sich ursprünglich für mich typisieren ließen.“ Für ihn selbst waren insgesamt drei mögliche Spender gefunden worden – alle leben in den USA. „Von meinem Spender weiß ich bisher nur, dass er in Kalifornien wohnt und 26 alt ist. Aber wenn er es will, erfahre ich im Dezember 2020 seinen Namen.“ Und dann soll es 2021 eine Reise nach Kalifornien geben.

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