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Korschenbroich: Festnetzleitung seit Tagen tot - auch Menschen mit Hausnotruf betroffen

Kabelstörung in Korschenbroich : Allein und hilflos ohne Festnetz

In einigen Haushalten an der Pescher Straße sind die Telefone tot. Vor allem für Ältere ist das dramatisch. Die Telekom äußert sich widersprüchlich.

Nach überstandener Hüftoperation und anschließendem Aufenthalt in der Geriatrie ist Anneliese Ruttkowski seit Mittwoch wieder zu Hause. Die 80-Jährige ist weiterhin dringend auf Unterstützung angewiesen. Und dafür braucht sie vor allem ihr Telefon. Doch die Leitung ist tot. Ärzte, Apotheke, Freunde und Verwandte – sie kann niemanden erreichen, und keiner kann die ältere Dame anrufen. So wie ihr ergeht es offenbar auch anderen Anwohnern der Pescher Straße. In den sozialen Medien tauschen sich Menschen über mögliche Ursachen und angebliche Antworten der Telekom aus.

„Seit über einer Woche ist das Telefon nun schon kaputt“, sagt Martina Schlösser. Sie ist die Nichte von Anneliese Ruttkowski und hat in deren Wohnung nach dem Rechten gesehen, als diese im Krankenhaus war. „Als ich von dort aus telefonieren musste, stellte ich fest, dass es keine Leitung gibt“, so Schlösser. Ihr erster Verdacht sei gewesen, dass das Telefon kaputt sei. Doch ihr Schwager konnte diese Vermutung ausräumen. Seitdem versucht er, Hilfe durch die Telekom zu erhalten. Bislang vergeblich.

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Täglich habe er längere Zeit zunächst in der Hotline gehangen und sei dann von Mitarbeiter zu Mitarbeiter weiter verbunden worden. „Was wir inzwischen erfahren haben, ist, dass wohl die Menschen, die ein analoges Telefon haben, betroffen sind“, erklärt Martina Schlösser.

Dass Kunden mit einem analogen Anschluss ohne Router häufiger betroffen sind, kann die Telekom nicht bestätigen. Auch zur Anzahl der betroffenen Kunden liegen der Telekom laut Sprecherin Karina Unruh keine Informationen vor. Wie sie auf Anfrage mitteilt, vermutet der technische Service der Telekom „eine Beschädigung des Hauptkabels, dass den Kabelverteiler betrifft, der die Pescher Straße versorgt. Um die mögliche Fehlerstelle freizulegen und mit der Instandsetzung des Hauptkabels beginnen zu können, wurde bei der Stadt Korschenbroich eine verkehrsrechtliche Anordnung beantragt. Diese ist erforderlich, um die Tiefbauarbeiten durchzuführen“, so Unruh. Zunächst hieß es, diese sei nicht noch nicht erteilt worden. Wie die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion wiederum mitteilte, sei ihr eine Kabelstörung an der Pescher Straße nicht bekannt. Weiter hieß es: „Beim zuständigen Fachamt liegt weder eine Aufbruchanzeige noch ein Antrag auf eine verkehrsrechtliche Anordnung vor.“ Infolgedessen widersprach die Telekom zunächst der eigenen Darstellung, wonach die Anordnung beantragt worden sei. Sobald die Genehmigung der Stadt vorliege, werden „wir direkt mit den Tiefbauarbeiten starten, um die Störung schnellstmöglich zu beheben“, versicherte die Telekom-Sprecherin. Am Freitagabend folgte dann die nächste Wende: „Die verkehrsrechtliche Anordnung liegt seit heute Mittag vor und betrifft einen Bereich an der L381. Der Tiefbau ist bereits vor Ort aktiv, um die vermutlich beschädigte Hauptkabelmuffe freizulegen.“ Die vermutete Fehlerstelle sei aber noch nicht gefunden, die Suche werde fortgeführt. Eine Aussage zur Dauer der Entstörung könne nicht mitgeteilt werden.

Das dürfte nicht nur Martina Schlösser beunruhigen, sondern auch Volker Mews. Seine Mutter, Franziska Mews, wohnt ebenfalls an der Pescher Straße. Auch das Telefon der 84-Jährigen ist tot. Ihr Sohn ist besorgt. „Meine Mutter ist alleinstehend, und ihr Festnetz ist mit dem Hausnotruf der Caritas gekoppelt.“ Weil die Festnetzleitung gestört ist, funktioniere nun auch der Hausnotruf seit über einer Woche nicht. „Meine Mutter ist schon zweimal gestürzt. Ich mache mir rund um die Uhr Sorgen, wenn sie keine Hilfe rufen kann. Das ist dramatisch“, so Mews. „Man kann doch ältere Menschen nicht so lange ohne ihr Telefon lassen.“

Im konkreten Fall von Anneliese Ruttkowski bietet ihr die Telekom eine Anrufweiterleitung auf ein Handy an. „Ich gehe davon aus, dass unser Kundenservice diese Option bei der Störungsmeldung bereits angeboten hat. Wenn unsere Kundin einen Mobilfunkvertrag der Telekom nutzt, können wir für den Zeitraum der Störung Gesprächsguthaben zu buchen“, erklärt Unruh.

Ein Handy sei für ihre Tante keine Lösung, hatte Martina Schlösser bereits zuvor gesagt. Und Volker Mews erklärt: „Ältere Menschen sind mit dieser ganzen Technik nicht aufgewachsen. Das lernen die nicht mal eben so.“