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Korschenbroich: Festakt zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit

Festakt und Aktion in Korschenbroich : Korschenbroich hat nun eine „Linde der Einheit“

Mit einem Festakt in der Aula des Gymnasiums erinnerte die Stadt an den 30. Jahrestag der Deutschen Einheit. Am Rathaus gab es eine Pflanzaktion.

Im Song „Sonderzug nach Pankow“ spielt Rockmusiker Udo Lindenberg auf den Berliner Bezirk als Synonym für die DDR an. Den Kontext nutzend lud Bürgermeister Marc Venten beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit zur Zeitreise im Sonderzug ein. Die Veranstaltung in der Aula war geprägt von persönlichen Erfahrungen mit deutsch-deutscher Geschichte. In Talkrunden und Film erzählten Begleiter des Geschehens, politische Entscheider und Vertreter der nachfolgenden Generation.

Passend zu den Blickwinkeln aus privater und offizieller Sicht hatte der Thalia Theater-Verein ein zweiteiliges Bühnenbild mit Wohn- und Amtszimmercharakter aufgebaut. Der Auftaktfilm zeigte Impressionen der friedlichen Revolution. „Jeder weiß, wo er war, als die Mauer fiel“, sagte Moderatorin Birgit Wilms. Thema der ersten Talkrunde waren persönliche Erinnerungen an den Mauerfall.

 Beim Festakt in der Aula berichteten Zeitzeugen.
Beim Festakt in der Aula berichteten Zeitzeugen. Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Bernd Gellrich vom Diakonie-Vorstand empfand beim Mauerfall „eine Massenhysterie der Menschlichkeit in positiver Stimmung“. Katrin Maaß erzählte von ihrer Cousine, die mit Kind im Trabant aus der DDR über Ungarn in den Westen geflohen war. „Bei ihrer Ankunft ist so viel mehr ausgestiegen aus dem Trabbi, Freude und Ungewissheit“, so die Marketing-Expertin. Zur offiziellen Annäherung zwischen Ost und West berichtete der frühere Kämmerer Bernd Dieter Schultze, dass sich Übersiedler – sicherlich auch dank der gemeinsamen Sprache –  meistens schnell integriert hätten. Die Stadt habe einige Wohnungen zur Verfügung gestellt und sei in der Finanzierung von Kreis und Land unterstützt worden.

Die Beziehung zwischen Korschenbroich und Schorfheide habe gleich gepasst, versicherte Uwe Schoknecht, Amtsvorgänger des amtierenden Bürgermeisters der Gemeinde Schorfheide. „Es war ein Austausch auf Augenhöhe“, so Schoknecht zur Unterstützung beim Aufbau der kommunalen Struktur. Er mahnte, das gemeinsam Erreichte schätzen zu lernen und den Austausch weiterhin zu pflegen: „Es ist so wichtig, dass wir uns unsere Geschichten erzählen, das gelebte Leben, damit das nicht in Vergessenheit gerät“, so Schoknecht.

„Ich bin glücklich, zwei Heimaten zu haben“, versicherte die aus Eberswalde stammende Marianne Köhnen, die der Liebe zu Ehemann Josef wegen nach Kleinenbroich zog. Isabel Reugels erlebte den Mauerfall als Elfjährige. Sie betonte Unterschiede zwischen der Wahlheimat Korschenbroich und den ostdeutschen Wurzeln beinahe nur noch in Begriffen zu finden. Aus Westfalen-Lippe kommend, fand Wilhelm Westerkamp 1991 in Thüringen eine neue Heimat. Einen wesentlichen Verhaltensunterschied erkenne er beinahe nur noch in der Ansage der Uhrzeit, so der Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide.

Unter den Besuchern saß Hans-Ulrich Klose, der als Staatsfeind der DDR zu Zuchthaus verurteilt wurde, nach der Flucht aus der DDR in Korschenbroich Fuß fasste. In Birgit Wilms´ Film nennt er den Mauerfall das „größte Glückserlebnis“. „Es darf nie vergessen werden, was eine Diktatur ist“, so Klose.

Am Sonntag pflanzten Marc Venten und der Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling mit Schoknecht und Westerkamp im symbolischen Akt am Korschenbroicher Rathaus die „Linde der Einheit“.  Sie soll auch Zeichen der Freundschaft zwischen Korschenbroich und der Schorfheide sein.