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Korschenbroich: Experten halten Vortrag über Geschichte Korschenbroichs

Start in der Altsteinzeit : Mit Archäologen auf Zeitreise

Interessante Einblicke in die Vergangenheit Korschenbroichs gaben zwei Experten im Ratssaal. Der Rundgang durch die Jahrtausende startete in der Altsteinzeit und bei einem Faustkeil.

Während man in der Kölner Innenstadt „mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“ fahren kann, reicht in Korschenbroich eine Treppe für einen Blick auf Relikte der Vergangenheit – seinerzeit freigelegt bei den Grabungen am Kirchplatz. Eine Reihe historischer Bauwerke verteilt auf die Ortsteile, vermittelt zwar einen Eindruck der Geschichte. Dass es aber auch archäologische Funde gibt, die von einer noch viel älteren Besiedlung berichten, dürfte weniger bekannt sein. Licht ins Dunkel brachte nun ein Vortrag von Johannes Englert und dem Mittelalterarchäologen Jens Berthold vom Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland.

Der Ratssaal der Stadt war beim Vortrag gut besucht. Auch Günter Thoren, ehrenamtlicher Denkmal-Beauftragter der Stadt, und Mitglieder der Heimatvereine waren im Publikum. Jens Berthold bot nicht nur einen Einblick in Ausgrabungen und Aufsammlungen, sondern lieferte auch Erkenntnisse aus Auswertungen von Altkarten sowie weiterer historischer Quellen.

Die ältesten Funde stammen aus der Altsteinzeit (Paläolithikum, bis 10.000 vor Christus). Dazu zählt ein Faustkeil, der bei Ausgrabungen rund um den Liedberg gefunden wurde. Diese erste und zugleich längste Periode der Urgeschichte der Menschheit war geprägt von Jägern und Sammlern. Sie waren noch nicht sesshaft, sondern folgten den Tierherden. In die Mittelsteinzeit (Mesolithikum, bis 5500 vor Christus) passen Steinartefakte aus dem Bereich Niersaue. In diese nacheiszeitliche Epoche fiel die Wiederbewaldung Mitteleuropas. Eine erste Besiedlung des Rheinlandes setzte dann ein in der Jungsteinzeit (Neolithikum, bis 2.000 vor Christus). Der fruchtbare Boden wurde bewirtschaftet, und es entstanden erste Häuser aus Flechtwerk und Lehm.

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Aus dieser Zeit wurden im Pescher Feld und am Golfplatz Myllendonk Keramikfunde und geschliffene Steine entdeckt. Die Bronzezeit (bis 900 vor Christus) war gekennzeichnet durch weilerartige Siedlungen. Davon zeugen Scherben und Feuersteine aus dem Bereich des Windparks. Weitere Fundstellen entlang der Trasse für die „Zeelink“-Gaspipeline weisen zurück auf die Eisenzeit (bis Christi Geburt).

Viele Metallfunde, insbesondere Münzen, konnten auf das erste bis vierte Jahrhundert datiert werden, die römische Kaiserzeit. Grabungen im südlichen Teil des Plangebiets An der Niersaue ließen ein fränkisches Gräberfeld vermuten. Im nördlichen, noch nicht zur Bebauung frei gegebenen Teil, werden Untersuchungen folgen. Am Kirchplatz von St. Andreas wurden Besiedlungen vom Hochmittelalter (ab 11. Jahrhundert) bis in die Neuzeit (ab 1500) nachgewiesen und Räume für Lagerung und Backen, sowie Systeme zur Wasserver- und -entsorgung nachempfunden.

Beim Abriss der Kleinenbroicher Gaststätte „Zur Traube“ (1386 erstmals erwähnt) wurde ein alter Brunnen entdeckt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Korschenbroich im Jahr 1127 bei einer Schenkung eines Hofes in „Crismeke“ an das Stift St. Kunibert in Köln. Im selben Jahrhundert werden auch Kleinenbroich, Steinhausen und Steinforth genannt. Ab 1263 ist die Grundherrschaft Pesch als Myllendonker Lehen nachweisbar. Noch immer rätseln Forscher über die Geschichte der Liedberger „Römerwacht“. War es bereits eine Kultstätte der Kelten? Oder doch eher ein Gelände, das erst vor 150 Jahren in eine Gartengestaltung eingebunden wurde? Viel Stoff also für einen neuen Vortrag von Experten.