Korschenbroich: Es fehlen noch Betreuungsplätze in Kitas

Angespannte Lage in Korschenbroich : 101 Absagen bei Kita-Betreuungsplätzen

Die Stadt hat eine Lösung für die 40 fehlenden Plätze im Offenen Ganztags-Angebot der Andreas-Schule gefunden. Im Kita-Bereich ist die Lage aber angespannt, für 101 Kinder wird noch nach einer Lösung gesucht.

Kurz vor Weihnachten konnte Familie Fröhlich aufatmen: Sie erhielt die Nachricht von der Stadt, dass es für ihren Sohn Hugo im kommenden Sommer einen Platz in der Offenen Ganztagsschule der Andreas-Schule geben werde. Das hatte in den Wochen zuvor noch anders ausgesehen, als der für die Betreuung zuständige Verein Budenzauber bereits Absagen verschickt hatte. Demnach wären 40 der 56 betroffenen Familien leer ausgegangen. „Ich war schon fast so weit, meinem Chef zu sagen, dass ich ab Sommer nicht mehr arbeiten kommen kann“ sagt Julia Fröhlich, die im Architekten-Büro Otten in Raderbroich arbeitet.

Sie tat sich mit weiteren Müttern zusammen und machte Druck bei der Stadt. Zu dieser Gruppe gehörte auch Julia Seidel. „Uns ist schleierhaft, warum die Stadt in dieser Frage nicht vorausschauender gehandelt hat. Es ist doch klar, dass viele Familien, deren Kinder in der Kita schon einen 45-Stunden-Betreuungsplatz haben, einen solchen auch wieder in der Grundschule benötigen“, sagt Seidel, die vor Weihnachten noch einen Termin bei Bürgermeister Marc Venten hatte. Und der konnte den Eltern eine Lösung präsentieren. So hat die Stadt ein Umsetzungskonzept erarbeitet, bei dem die jetzige Mensa der OGTS-Andreas-Schule als zusätzlicher Betreuungsraum genutzt wird. Die Kinder würden zum Mittagessen in die Mensa des Gymnasiums Korschenbroich gehen.

Deutlich mehr Nachfragen als Plätze hat es auch bei den Kitas gegeben. An einigen Einrichtungen sind so viele Bewerbungen für das Kita-Jahr 2019/20 eingegangen, dass dort noch weitere Gruppen hätten eröffnen können. „Die Lage ist angespannt“, sagt Karl-Heinz Göriss vom katholischen Kirchengemeindeverband, der für die drei katholischen Kitas in Korschenbroich zuständig ist. So viele Bewerbungen um einen Platz habe es noch nicht gegeben. Die Überbelegungsplätze würden wieder ausgeschöpft und trotzdem müssten an einigen Einrichtungen 20 bis 30 Absagen (bisher meist zwölf bis 15) erteilt werden. „Wir sehen das einerseits als Kompliment für unsere Arbeit, andererseits tut es uns leid, wenn Familien eine Absage erhalten, die sich wünschen, dass ihr Kind in der Kita im christlichen Glauben erzogen wird.“

101 Kindern, davon 61 unter drei Jahren und 40 über drei Jahren, kann nach Angaben der Stadt zurzeit kein Platz in einer der 17 Einrichtungen Korschenbroichs zugesichert werden. Bei der jüngeren Altersgruppe sollen auch Angebote für die Betreuung in der Tagespflege gemacht werden. Somit würde die Stadt den Rechtsanspruch erfüllen. Für die Über-Dreijährigen hingegen müssen neue Kindergartenplätze geschaffen werden.

Eigentlich sollten die Bescheide bereits Anfang Dezember ergehen. Doch wegen der noch im Bau befindlichen und nicht rechtzeitig zum Sommer fertig werdenden Kita in der Niers-Aue hatte das Verfahren länger gedauert, weil zunächst eine Lösung gefunden werden musste. Die Kinder sollen in einem Provisorium untergebracht werden. Wie die Stadt jetzt mitteilt, soll der Kita-Neubau dann bis Ende des Jahres fertiggestellt sein. Ende März will die Stadt sich zu den neugeschaffenen Plätzen äußern.

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