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Korschenbroich: Erftverband überrascht Stadt mit Wasserwerkplänen

Umweltausschuss in Korschenbroich : Erftverband überrascht Stadt mit Wasserwerkplänen

Holger Diez war eigentlich wie jedes Jahr geladen, um den aktuellen Stand der Grundwasserkappungsmaßnahme in Korschenbroich vorzustellen. Nebenbei verkündete er die Pläne für das Korschenbroicher Feld.

Sein Auftritt im Umweltausschuss war eigentlich Routine. Und doch ließ Holger Diez vom Erftverband am Donnerstagabend einen sichtlich überraschten Beigeordneten Georg Onkelbach zurück. Der Grund: Die Planungen des Erftverbandes für ein neues Wasserwerk im Korschenbroicher Feld.

„Für uns ist das ganz neu, wir sehen das zum ersten Mal“, sagte Onkelbach. Genau dort, zwischen zwei Wasserschutzgebieten sei für die Stadt auch eine gewerbliche Entwicklung möglich. „Das werden wir uns sehr genau ansehen.“ Onkelbach zeigte sich unzufrieden mit der Kommunikationspolitik des Erftverbandes. „Vielen Dank, dass Sie das Thema heute angesprochen haben“, sagte er zu Diez. „Wir sind auch etwas überrascht, dass man uns dazu bislang gar nicht kontaktiert hat.“

Diez hatte die Wasserwerk-Planungen nebenbei in seinem jährlichen Vortrag zur Grundwasserkappungsmaßnahme in Korschenbroich erwähnt. Bei Ausschussfragen zu dem Projekt gab er sich zurückhaltend. Derzeit laufe eine Machbarkeitsstudie, die alle kritischen Fragen klären solle, betonte er. Bis zur Realisierung würde es ohnehin noch einige Jahre dauern. „Es wäre ein weiterer Baustein, um dort die Grundwasserstände weiter abzusenken“, sagte Diez.

Diez und der Erftverband müssen bald wieder für ihre Grundwasserkappung werben. 2021 laufen die Verträge für die derzeitigen Pumpen in Herrenshoff, Kleinenbroich, Pesch und Raderbroich aus. Der Erftverband muss nun wie 2011 möglichst viele Menschen finden, die sich finanziell an der Maßnahme beteiligen. Nur dann kann das Projekt fortgeführt werden.

Für 2021 plant der Erftverband umfassende Sanierungsarbeiten an den Anlagen. Darunter neue Konzepte zur Ableitung am Ponton, eine Instandhaltungsmaßnahme an den Pumpen und eine Erneuerung der Abdichtungen. „Allerdings nur, wenn die Verträge geschlossen sind“, sagte Diez.

Der Erftverband hat in sofern ein Vermarktungsproblem, dass die Kappungsgrenzen selten erreicht werden. So waren seine Brunnen im Jahr 2019 nur im Testbetrieb aktiv. Nach den zahlreichen Niederschlägen der vergangenen Wochen wird seit Donnerstag jedoch zumindest an den Kappungsanlagen in Herrenshoff wieder abgepumpt. In Kleinenbroich, Raderbroich und Pesch sind die Grenzwerte hingegen noch lange nicht erreicht.

Bürger stellten in Gesprächen häufig den Sinn der Maßnahmen infrage, brachte Wolfgang Lieser (CDU) vor. Er hoffe daher auf Informationsveranstaltungen des Erftverbandes. Diez zeigte hierzu seine Bereitschaft. Onkelbach warb für eine Fortführung der Maßnahmen. „Immer dann, wenn sie erforderlich waren, haben sie auch geholfen“, sagte er.