Korschenbroich: Epsendorf wehrt sich gegen geplantes Windrad

Positionspapier des Dorfvorstandes : Epsendorf wehrt sich gegen Windrad

Die geplante Anlage am Ortsrand stößt auf den Widerstand des Dorfvorstands. Die Beteiligten wenden sich nach eigener Aussage nicht generell gegen die Windenergie. Allerdings äußern sie Kritik am Ausmaß des Projekts.

Die geplante Windkraftanlage in Glehn sorgt nicht nur im Koschenbroicher Planungsausschuss für Widerstand (wir berichteten). Auch der Dorfvorstand der hiervon am meisten betroffenen Glehner Ortschaft Epsendorf spricht sich gegen die Genehmigung aus. Die Epsendorfer haben hierzu ein Positionspapier verfasst, das sie in einer Dorfversammlung am Donnerstag zur Diskussion stellen wollen.

„Ich bin prinzipiell für die Windenergie und Windkraftanlagen“, sagt Christoph Schmidt, der das Positionspapier maßgeblich verfasst hat. „Dass da allerdings im letzten Fitzelchen des Windenenergiebereichs eine der größten Anlagen der Welt gebaut werden soll, ist für mich nicht verständlich.“ Schmidt spielt darauf an, dass das geplante Windrad mit 242,5 Metern deutlich höher als die bisher in Korschenbroich errichteten sei. Und dabei nur 584 Meter Abstand zur Wohnbebauung halte.

So klingt dann auch die Positionierung des Dorfvorstands nicht wie ein genereller Protest gegen Windkraft. Es geht um das wie. „Der Dorfvorstand ist sich bewusst, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien auch die Komfortzonen einzelner Bürger berührt, und dass dieser Einschnitt zu akzeptieren ist“, heißt es dort. Für Schmidt persönlich ist nicht mal der Abstand der geplanten Windkraftanlage das Problem, nur deren Ausmaß. Mit Windrädern in der Größe der bisherigen Anlagen wäre er auch dann einverstanden, wenn sie derart nahe an die Wohnbebauung heranrücken, sagt er. Er wisse aber auch, dass es hierzu innerhalb der Dorfgemeinschaft unterschiedliche Meinungen gibt.

Schmidt hat allerdings auch eine generelle Kritik an den Plänen. „Der Infraschall wird in der Diskussion überhaupt nicht berücksichtigt“, sagt er. Als Infraschall bezeichnet man Schall, dessen Frequenz unterhalb der menschlichen Hörfläche liegt. Unterhalb der Grenze von etwa 16 bis 20 Hertz können Menschen die Frequenzen nicht mehr hören. Was nicht bedeutet, dass sie sie überhaupt nicht wahrnehmen. Nach der Einschätzung von Mediziniern reagierten zwischen zehn und 30 Prozent der Bevölkerung empfindlich auf Infraschall, heißt es in dem Positionspapier. Dadurch, dass die neue Anlage die dreifache Leistung der bereits gebauten Windräder erreichen soll, steige auch die Infraschallemission.

Mit ihren Einwänden haben sich die Dorfvorstandsmitglieder bereits an die untere Immissionsschutzbehörde gewandt. Da der Kreis bereits Stellungnahmen zur Genehmigung eingeholt hat, drängt für die Epsendorfer jedoch die Zeit. „Wir haben das Gefühl, dass wir uns jetzt positionieren müssen, bevor es zu spät ist“, sagt Schmidt. Denn der Bau der neuen Anlagen sei in einem vereinfachten Verfahren beantragt worden, eine Öffentlichkeitsbeteiligung nicht vorgesehen. Deswegen auch die Idee mit der Dorfversammlung am Donnerstag, bei der sich der Dorfvorstand das Votum der Gemeinschaft abholen möchte. Und weitere Mitbürger dazu auffordern möchte, sich mit den Planungen auseinanderzusetzen.

Der Standpunkt des Dorfvorstandes ist hingegen klar. Die Interessen der Anwohner müssten berücksichtigt werden. Sonst könne bei einer Anlage dieser Größe die Erteilung der Baugenehmigung „nicht im Sinne der gewählten Volksvertreter“ sein. Sollte sich die Dorfgemeinschaft dieser Ansicht anschließen, hat die Auseinandersetzung um das neue Windrad wohl gerade erst begonnen.