Korschenbroich: Epsendorf ist mehr als der imposante Gehlenhof

Serie Mein Korschenbroich : Epsendorf – kleiner Ort mit imposantem Vierkanthof

Mit etwa 500 Einwohnern ist Epsendorf heute viel größer als früher. Herausragendes Denkmal ist der historische Gehlenhof. Wirtschaftsgebäude und Scheune bieten modernen Wohnkomfort.

Die Scheune des Gehlenhofes soll die höchste und vor allem längste in Nordrhein-Westfalen sein. Der rheinische Vierkanthof ist in Epsendorf beeindruckendes Bindeglied zwischen Historie und Moderne. Scheune und Wirtschaftsgebäude wurden in Abstimmung mit der Denkmalpflege zu modernen Wohnungen umgebaut, während der Charakter der Anlage erhalten ist. Doch der kleine Korschenbroicher Ortsteil besteht nicht nur aus einem imposanten Bauwerk.

Etwa 500 Einwohner sind im Ort zuhause. Neubürger fanden hier ein ruhiges Wohnumfeld. Landwirt Peter Esser erinnert sich an die Zeit, als es im dörflich geprägten Epsendorf sieben bis acht landwirtschaftliche Betriebe gab. Davor dürften es noch mehr gewesen sein. Erhalten haben sich ein Nebenerwerbsbetrieb und zwei Vollzeitbetriebe. Der Epsendorfer ist ein Sohn des legendären „Hefebuurs“ und Kommunalpolitikers Peter Esser. „Der Opa handelte mit Hefe, und mein Vater führte das Geschäft weiter, bis es sich irgendwann nicht mehr lohnte“, erklärt der 58-Jährige den Spitznamen.

Esser bedauert, dass viele der Zugezogenen wenig Anteil am dörflichen Leben nehmen. „Vielleicht mangelt es ihnen an Zeit, vielleicht an Interesse, vielleicht wäre alles anders, wenn Epsendorf eine Kneipe hätte“, mutmaßt er. Ohne Gaststätte und Geschäfte orientieren sich die meisten Epsendorfer schon deswegen in Richtung Glehn. Bereits vor der kommunalen Neugliederung 1975 gehörte der Ort zur damaligen Amtsgemeinde Glehn. Mit Glehn feiert Epsendorf auch Kirmes.

„Jeder Ort hat zu Beginn der Kirmes seine eigene Gefallenenehrung, und dann gehen wir sternförmig nach Glehn“, sagt Esser. Im Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege und die Verstorbenen des Ortes aus einem Jahr wird am Dorfkreuz ein Kranz niedergelegt. Das Kreuz wurde 1956 von der Dorfgemeinschaft errichtet, die bis heute die Pflege verantwortet. Die Stätte steht unweit des rheinischen Vierkanthofes Gehlenhof.

In dessen ältestem Gebäudeteil, dem Herrenhaus, lebt seit 1983 Marie Theres Wenner mit ihrem Mann Franz-Georg. Die Hausherrin schätzt das Herrenhaus aufgrund der unregelmäßigen Feldbrandsteine auf mindestens 250 Jahre. Die lang gezogene Scheune, das angrenzende Wirtschaftsgebäude und der Stall sind mindestens 100 Jahre alt. „Um 1300 wurde der Gehlenhof erstmals urkundlich erwähnt. Er war ursprünglich ein Lehen. Im 14. Jahrhundert gehörte er den Clarissen in Neuss.  Da sah er natürlich noch nicht so aus wie heute“, erzählt Wenner. Um 1800 erwarb ihr Vorfahr Heinrich Weidenfeld, Besitzer des Rittergutes Birkhof, den Gehlenhof. Wenner erbte die Hofanlage von ihrer Großmutter.

Mit ihrem Einzug wurde das bis dahin verpachtete Anwesen erstmals von Eigentümern bewirtschaftet. 1995 verkaufte Wenner zwei Wirtschaftsgebäude und die leerstehende Scheune, die trotz der Größe wegen des Ständerwerks zu eng für moderne Landmaschinen war. In Absprache mit der Denkmalpflege wurden die Gebäude umgebaut. In den denkmalgeschützten Stallungen sollen in umsichtiger Planung Wohnungen entstehen. „Es war mein Bestreben, dass wieder Leben einzieht. Wenn Gebäude leer stehen, verkommen sie“, sagt Wenner.

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