Korschenbroich: Endabnahme an saniertem Kirchturm von St. Andreas

St. Andreas Korschenbroich : Nach Sanierung läuten Glocken für ersten Test

Am Mittwoch sollen letzte Messungen ergeben, wie der Turm von St. Andreas auf die Schwingungen beim Läuten aller Glocken reagiert. Es ist der Abschluss umfangreicher Sanierungsmaßnahmen.

Am morgigen Mittwoch dürften die Glocken von St. Andreas für etwas Verwirrung im Korschenbroicher Ortskern sorgen. Denn sie werden zu ungewöhnlichen Uhrzeiten und Abfolgen läuten. Das etwas seltsame Geläut hat aber einen konkreten Grund: Hoch oben im Glockenturm findet dann die Endabnahme des umfangreich sanierten Turms statt. In den vergangenen Monaten war das Mauerwerk verstärkt worden, nachdem die Kirchengemeinde erkannt hatte, dass sich der Turm bei vollem Geläut bewegt. Nun sollen Messungen ergeben, ob die Sanierungsmaßnahmen ausreichend Abhilfe geschaffen haben und der Turm die Schwingungen der Glocken besser verkraftet.

„Es handelt sich um eine Untersuchung der dynamischen Eigenschaften des Turms. Wir müssen nun feststellen, sie sehr der Turm noch durch die Schwingungen der Glocken angeregt wird“, sagt Karl-Heinz Göris. Der Kirchenvorstand hat die Arbeiten der vergangenen Monate begleitet und als gelernter Ingenieur auch ein gewisses Basiswissen in dem Bereich. Die Messungen werden indes die Fachleute  der Firma Kempen Krause Ingenieure übernehmen, die auf den Bereich Baudynamik spezialisiert sind.

Oben im Glockenturm werden sie am Mittwoch Sensoren an den Turmwänden anbringen, die mittels entsprechenden Verstärkern die Resonanzfrequenz beim Läuten der Glocken ermitteln und die Werte direkt an die angeschlossenen Computer übertragen. „Da es klare Grenzwerte gibt, werden wir schnell wissen, ob die Ausschläge im erlaubten Rahmen bleiben“, sagt Göris.

Die Fachleute werden dabei die Schwingungen sowohl bei jeder einzelnen Glocke als auch beim gemeinsamen Geläut aller vier Glocken messen. „Jede Glocke hat ihre eigene Charakteristik und ist in Geometrie, Gewicht und Masse verschieden. Somit schwingt auch jede Glocke in ihrer eigenen Frequenz und regt den Turm anders an“, erklärt Göris. So hatte vor der Sanierung in der Marienglocke die kleinste der vier Glocken für die stärksten Schwingungen gesorgt. „Es kann sein, dass diese Glocke jetzt völlig unproblematisch ist, dafür aber eine andere Schwierigkeiten bereitet“, sagt Göris.

Interessant wird dann aber vor allem die Messung bei vollem Geläut. „Durch die verschiedenen Schwingungen der unterschiedlichen Glocken entsteht da ein chaotisches Theater. Doch es gibt eben auch Momente, in denen die Glocken in dieselbe Richtung schwingen und die höchste Gesamtbelastung vermutet werden muss“, erklärt Göris. Zwar gebe es durch die direkte Übertragung der Daten eine schnelle erste Rückmeldung, doch erst die umfangreiche Analyse der Diagramme werde aufzeigen, was eventuell noch unternommen werden könne.

Zunächst einmal geht Göris aber gelassen und optimistisch in die Untersuchung. „Denn ich weiß, dass wir alles für die Statik des Turms getan und einiges investiert haben. Wir waren sicherlich nicht zimperlich.“ Als klar war, dass sowohl der erste Zeitplan nicht eingehalten werden kann – zunächst hätten die Arbeiten vor Weihnachten abgeschlossen sein sollen – als auch die Sanierung umfangreicher ausfallen wird, war sich die Kirchengemeinde mit dem Bistum Aachen schnell einig, dass keine Maßnahmen verschoben werden. So stiegen die Kosten von zunächst 220.000 auf etwa 450.000 Euro. 30 Prozent trägt die Gemeinde, der Rest das Bistum. Die abschließenden Untersuchungen nun gehören schon zum Gesamtpaket und sind eine Pflichtaufgabe. Sie sollen Klarheit bringen, wie erfolgreich die Arbeit war – auch wenn sie am Mittwoch durch das Geläut zunächst für Verwunderung sorgen sollten.

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