Korschenbroich: Doppelausstellung im Kulturbahnhof

Kunst in Korschenbroich : Ausstellung im Kulturbahnhof zum Thema „Tiefe“

„Tiefe“ heißt die Ausstellung, die jetzt im Kulturbahnhof Korschenbroich eröffnet wurde. Die beiden Künstlerinnen, Renate Patt aus Neuss-Rosellerheide und Petra Emmerich aus Grevenbroich-Neukirchen, zeigen Arbeiten, die sich in hohem Maße voneinander unterscheiden: Die Neusserin ist mit abstrakten Impressionen vertreten, die ein hohes Maß an Plastizität aufweisen, Bilder, die Aufbrüche aufweisen und somit dem Titel der Ausstellung „Tiefe“ gerecht werden.

Petra Emmerich hingehen sorgt allein mittels Farbe für eine Tiefenwirkung.

„Es geht bei mir immer um Spuren der Zeit“, sagt Renate Patt (67) und fügt hinzu: „Zeit vergeht mit der Konsequenz, dass nichts bleibt, wie es ist.“ Um diesen Prozess zu verdeutlichen, verwendet sie neben Farben unter anderem Marmormehl, Fundstücke aus Holz, die sie im Wald findet beziehungsweise finden lässt, aber auch Maiskolben. Nur mit Acrylfarben zu arbeiten, war ihr sehr schnell nicht mehr genug. Die pensionierte Lehrerin verwendet überwiegend erdige Farbtöne, sie spricht in diesem Zusammenhang von „milden Farben“. Aber auch die Farbe Blau spielt eine Rolle.

Der Zahn der Zeit ist das beherrschende Thema – und wie der nagt, macht am besten das Marmormehl deutlich: Je dicker aufgetragen, umso größer sind die Risse. Renate Patt hat unter anderem bereits mit dem Neusser Künstlerkreis und in der Alten Post ausgestellt, aber auch in der Niederrhein-Klinik – das war vor drei Jahren, und damals hatte sie wie jetzt gemeinsam mit Petra Emmerich ausgestellt.

Die 60-jährige Architektin hat von 2016 bis 2018 die Freie Kunstschule besucht und mit der Note „Sehr gut“ abgeschlossen. Einige der Exponate sind im Rahmen dieses Studiums entstanden. Architektur und Menschen sind ihre großen Themen, mit Farben schafft sie Stimmungen. Die „Six-Parts-Story“ im Panoramaformat ist die Geschichte eines Mannes, dem die Zwänge des Alltags zu viel wurden, der sich Hilfe suchte und die Balance wieder fand. Die Acrylfarbe trägt Petra Emmerich hauchdünn auf, ihre Menschen sind gesichtslos, ihre Bilder, von Linien geprägt, sind überraschend stimmungsvoll. Eine Hochhausfassade mit einem einsamen Mann auf dem Balkon stimmt nachdenklich, heimeliger wirkt da schon die Gasse in einer südländisch anmutenden Stadt. Die Ausstellung ist bis 23. Juni sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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