Korschenbroich: Die zwei Pläne für das Neubaugebiet "Raderbroich Nord"

Umstrittenes Neubaugebiet : Zwei Pläne für „Raderbroich Nord“

Der Charakter des Ortes soll trotz Neubaugebiet erhalten bleiben. Über den endgültigen Entwurf wird wohl im Januar entschieden.

Raderbroich ist ein kleiner Ort. Die Menschen, die hier leben, schätzen den ländlichen Charakter. Und so mancher sieht ihn gefährdet. Durch das Neubaugebiet „Raderbroich Nord“, das im vergangenen Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften sollen entstehen. Umstritten ist, in welcher Ausprägung das geschehen soll. Im Planungsausschuss stellte Dieter Hoffmanns, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Planung und Bauordnung, den aktuellen Stand vor.

„Durch die bisherigen Rückmeldungen war klar, dass der Plan reduziert wird“, sagte Hoffmanns. Insgesamt seien im Zuge der frühzeitigen Bürgerbeteiligung elf Anregungen eingegangen. Ein häufiger Einwand: Die vorhandenen Grundstücke seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die „erhebliche städtebauliche Verdichtung“ der ersten Planungen sei daher entschärft worden. Auf dieser Grundlage stellte Hoffmanns den Ausschussmitgliedern zwei überarbeitete Entwürfe vor.

Der erste Plan steht für das, was die Verwaltung nach derzeitigem Sachstand als sinnvoll erachtet. Die potentielle Neubebauung wird reduziert, die beiden zentralen Hofanlagen sollen erhalten bleiben. Wie genau mit dem Fluitbach umgegangen wird, soll in weiteren Gesprächen mit den Wasserbehörden geklärt werden.

Ein zweiter Plan soll zeigen, was möglich wäre, wenn alle derzeitigen Grundstücke beibehalten würden. Ziel sei es auch, in den weiteren Gesprächen beide Pläne zusammenzuführen und somit einen endgültigen Entwurf zu entwickeln. Die Entscheidung soll im Januar im Planungsausschuss fallen.

Dieser Ansatz fand im Ausschuss große Zustimmung. „Wir sind sehr froh, dass wir darauf weiter aufbauen können“, sagte Wolfgang Lieser (CDU). Karin Gruyters (Grüne) regte zudem an, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den „dörflichen Charakter“ Raderbroichs zu erhalten. Beispielsweise durch eine weitere Prüfung des Denkmalschutzes bestehender Gebäude. Der Denkmalschutzbeauftragte Günter Thoren verwies zudem auf die Möglichkeit, Kuratur und Maßstab der Gebäude festschreiben zu lassen. So könne zu stark abweichende Bebauung vermieden werden.

SPD-Fraktionschef Albert Richter setzte hingegen andere Akzente. „In diesem Bereich werden auch kleinere Grundstücke benötigt“, sagt er. Und wandte sich direkt an Gruyters: „Wer den Klimanotstand ausruft, der sollte auch Grundstücke verkleinern können.“ Auch die SPD wolle nicht „unendlich verdichten“, aber auch diese Möglichkeiten müssten geschaffen werden. Für ihn sei die Frage entscheidend, ob sich jemand, der weniger als „A11“ verdiene, die derzeitigen Grundstücksgrößen leisten könne. Es dürfte ein erster Vorgeschmack auf den SPD-Wahlkampf gewesen sein, in dem die Partei den Fokus auf bezahlbaren Wohnraum legen möchte.

Am Beispiel Raderbroich werden sich Verwaltung und SPD allerdings wohl nicht einig. „Wir wollen ja gerade verhindern, was sie hier vorgestellt haben“, sagte der Beigeordnete Georg Onkelbach. Richters Ideen seien im Ortskern besser aufgehoben, nicht in einer Außenlage. „Man kann das eine tun und muss das andere deswegen nicht lassen“, sagte Onkelbach.