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Korschenbroich: Die Tiere auf dem Waldfriedhof

Tiere in Korschenbroich : Das pralle Leben an der letzten Ruhestätte

Der Waldfriedhof bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Vögel bauen Nester, Spinnen und Insekten in Grabmälern und Mauern.

Einen schöneren Arbeitsort als den Waldfriedhof kann sich Peter Fragen kaum vorstellen. Bei Hitze bieten hohe Laubbäume angenehmen Schatten, bei heftigen Niederschlägen dringen Regentropfen nur sachte durch das Blattwerk. Das konzertante Gezwitscher der Vögel gibt es obendrein.  Nur den typischen Kuckucksruf hat der Friedhofsgärtner in diesem Jahr zum ersten Mal vermisst. Besonders in den frühen Morgenstunden beobachtet er viele Tiere, für die die Ruhestätte wichtiger Lebensraum ist. Eichhörnchen flitzen eifrig hin und her. Kaninchen sind in großer Zahl unterwegs, Hasen – wie anderenorts leider auch - eher selten.

Beim Abbauen von Gräbern hatte Fragen schon oft Kontakt mit Igeln. „Die halten hier Winterquartier. Wenn wir einen Igel sehen, verschieben wir die Arbeiten. Igel sind schöne und nützliche Tiere, mit denen man die Schnecken auf natürliche Weise in den Griff bekommt“, sagt Fragen. Hin und wieder erhält der Gärtner bei seiner Arbeit Besuch von Rehen, die durch das offene Tor hineinhuschen oder Schwachstellen im Zaun finden. Sie mögen Stiefmütterchen, Gänseblümchen und Rosen. Viele Tiere verstecken sich tagsüber, doch das Vogelgezwitscher ist weithin hörbar. „Besonders im Frühjahr geben die Vögel ein richtiges Konzert. Das ist schon beeindruckend“, schwärmt Fragen.

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Claus von Kannen, engagierter Vogelschützer, weiß, dass sich Grünspecht, Rotkehlchen, Waldmeise, Blaumeise und viele andere Vogelarten auf dem Friedhof heimelig fühlen. „Wenn ich vom Lebensraum Friedhof spreche, lachen viele erst. Doch Vögel fühlen sich dort am wohlsten, wo Ruhe ist. Hektik, Stress, Verkehr: Das mögen sie nicht“, sagt von Kannen, der über den Heimatverein vogelkundliche Wanderungen anbietet. Kannen weiß, dass Waldohreulen auf dem Friedhof im Winter Schlafgesellschaften halten, weil sie hier die nötige Ruhe finden. Der Waldkauz, die größte heimische Eule, brütet gerne in Höhlen. Grabmäler werden von Nischenbrütern, wie dem Rotkehlchen, genutzt. „Ich habe schon Nischenbrüter gesehen, die ihr Nest bei einer Christusfigur am Kreuz gebaut haben oder in der Krone einer Muttergottesfigur. Turmfalke und Mäusebussard haben hier ein Jagdrevier. Bussarde sitzen gerne auf den Weidepfählen nahe beim Friedhof“, erzählt von Kannen. Mit Gleichgesinnten betreut er 900 Nistkästen in Korschenbroich, davon auch einige auf dem Waldfriedhof. Nach der Brutzeit werden die Kästen von den Ehrenamtlern gereinigt - es sei denn, dass sich zwischenzeitlich Fledermäuse eingenistet haben. Auch die Fledermäuse profitieren von Nistkästen, wenn sie nicht genügend Totholz finden. Der für den Friedhof charakteristische alte Baumbestand mit Eichen und Buchen bietet auch Kleinstlebewesen wichtigen Wohnraum.

„Der Waldfriedhof hat fast Waldcharakter. Die Beschattung kommt den waldbewohnenden Arten zugute“, sagt der Biologe Theo Verjans, bei der Stadtverwaltung zuständig für Natur- und Umweltfragen. Zu den Biotopen mit vielfältigen Strukturen zählt Verjans zum Beispiel ältere Mauern, wie sie auf dem Friedhof zu finden sind. Denn dort siedeln sich Mauerpflanzen an, die wiederum verschiedene Spinnen- und Insektenarten anlocken.