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Korschenbroich: Die neue Orgel in St. Andreas im Vorabtest

Das neue Instrument in St. Andreas Korschenbroich im Test : Der Sound einer englischen Kathedral-Orgel

Das neue Instrument in St. Andreas zu Korschenbroich ist ein beeindruckender Zauberkasten. Unser Musikredakteur Wolfram Goertz hat sie bereits vor der Einweihung gespielt. Sein Urteil: Der Umbau ist grandios gelungen.

„Mit dir, das war so groß, das kann man gar nicht beschreiben.“

Dieser Herzensjubel, den Udo Lindenberg in seinem berühmten Lied „Cello“ an die angebetete Cellistin richtete, fiel mir ein, als ich die Orgelempore der Pfarrkirche St. Andreas verließ. Dort hatte ich 45 Minuten Zeit, die neue, umgebaute, kolossal erweiterte, famos bestückte und trotzdem immer noch wohltönende Orgel zu spielen. Sie wird am Samstag eingeweiht, am Sonntag gibt es ein international besetztes Festkonzert, im März die nächste „Internationale Orgelwoche“. Da war die Einladung von Kantor Martin Sonnen eine Ehre, das kostbare Stück mit seinen vielen alten und vielen neuen Registern vorab zu prüfen. Eines davon heißt tatsächlich: Cello.

Aus der Vorgänger-Orgel hat die Hellenthaler Firma Weimbs einen wahren Zauberkasten gemacht, der imperial tönt, sich in seinen Klangfarben nicht lumpen lässt und mitunter wirkt, als habe sich „Q“, der Bastler der James-Bond-Filme, wieder einige Tricks ausgedacht. Das Cello ist aber kein Trick, sondern eine edel streichende Pfeifenreihe, die im Hauptwerk den Chor der dunkel gerundeten Töne um eine aparte Nuance bereichert. Neu ist auch eine Harmonieflöte, die aber nicht so trompetenhaft obertonreich wie in manchen französisch-romantischen Orgeln tutet, sondern ein lieblich-bukolisches Timbre aufweist.

Überhaupt – und das freut Kantor Sonnen besonders – ist das eine Orgel, die schon sehr gern ihre Muskeln spielen lässt, aber sie entwickelt keine Sekunde jene Form schreiender Wucht, die einen anderswo von der Orgelempore direkt zum HNO-Arzt führt. Selbst die Trompeten-Batterie ist ein Fanfarencorps, das bei aller herrischen Macht ihres Klangs den Hörer nicht plagend heimsucht.

Ja, es macht gewaltigen Spaß, in Korschenbroich auf Entdeckerreise ins Wunderland der Klänge zu gehen. Und wer neben sich Martin Sonnen hat, der sich für seinen Besucher hilfreich vom Organisten zum Registranten verwandelt, der hat sowieso keine Zeit, sich Registerkombinationen auszudenken – Sonnen schaltet sie einfach von sich aus zu. Er reguliert den Sound, während ich die Tasten bediene. „Hier, die Klarinette, ist sie nicht wunderbar jetzt?“, ruft Sonnen, und da ich die Orgel noch aus dem alten Zustand kenne, muss ich sagen: Ja, vieles ist erhalten geblieben, doch neu intoniert, verfeinert, runder und ausgeglichener in der Ansprache.

Summa summarum darf man die klangliche Ausrichtung der Orgel luxuriös, sogar ein bisschen „sophisticated“ nennen. Und in der Tat wirkt sie in ihrer royalen Vornehmheit eher wie eine englische Kathedral-Orgel als wie ein Sturmgeschütz.

Alles steht übrigens auf der dunkel rumorenden Basis mehrerer sogenannter 32-Füße, den tiefsten Herrschaften im Pedal. Die 400.000 Euro Umbau- und Erweiterungskosten haben sich mehr als gelohnt, jetzt ist die Korschenbroicher Orgel international konkurrenzfähig. Diesen Eindruck werden die Stars des Einweihungskonzerts und der Orgelwoche in alle Welt tragen. Es sind: Hayo Boerema, Rotterdam; Stefan Schmidt, Würzburg; Barbara Dennerlein, München; Stephen Tharp, New York; Christoph Schoener, Hamburg.

Was übrigens die Gadgets, also die kleinen „Q“-Spielereien, anlangt, so ist das Register „Vibraphon“ mit 49 Klanglatten sicherlich eine köstliche Bizarrerei nach dem Motto: Braucht man nicht zwingend, macht aber himmlisch und höllisch Spaß. Und bei meinem nächsten Besuch in St. Andreas werde ich mich ausgiebig mit den Sonderfunktionen namens „Floating Division“ und „Pizzicato“ beschäftigen. Schon jetzt kann man mit Meister Lindenberg sagen: Das mit der neuen Weimbs-Orgel ist so groß, das kann man zwar andeutungsweise beschreiben. Besser, man hört sie selbst.