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Korschenbroich: „Die Natur hat sich vom trockenen Sommer noch nicht ganz erholt“

Theo Verjans von der Stadt Korschenbroich : „Die Natur hat sich vom trockenen Sommer noch nicht ganz erholt“

Gespräch mit Theo Verjans über die Natur in der Stadt und die Vorgärten der Korschenbroicher. Statt exotische Pflanzen lieber Samenkörner vom Niederrhein.

„In Zukunft werden wir noch öfter solche Sommer bekommen.“ Theo Verjans, bei der Stadt Korschenbroich zuständig für Natur- und Landschaftsschutz, sagt, dass auch jetzt noch das Wasserdefizit, das im langen und trockenen Sommer entstand, noch nicht ausgeglichen sei. Nicht nur der Mensch, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt müsse sich auf den kommenden Klimawandel einstellen. Bei den Bäumen habe insbesondere die Fichte ein ungünstiges Anpassungspotenzial, weil sie viel Wasser benötige. Der Baum des Jahres 2017 sei nicht trockenheitsresistent. „Wir müssen in unseren Wäldern in der Stadt darauf achten, dass wir Bäume haben, die auch Trockenheiten gut überstehen können.“ Was die Tiere angehe, so hat Verjans festgestellt, dass die Zecke aus dem Mittelmeerraum bis zum Niederrhein wandere. Das Insekt kann die gefährliche Krankheit Borreliose übertragen. Ein Neubürger in Korschenbroich ist auch ein Biber, den Verjans im Pferdsbroich und im Großenbroich beobachtet hat. „Er kommt auch in stehenden Gewässern zurecht, baut Dämme, um das Wasser aufzustauen.“

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Was den Naturschützer stört, sind die exotischen Pflanzen in einigen Korschenbroicher Vorgärten. Er wirbt dafür, heimische Pflanzen zu verwenden. Daher bietet die Stadt jedem Neubürger Samentütchen an, die er im heimischen Vorgarten öffnen und aussäen kann. „Ich brauche doch hier nichts von anderen Kontinenten.“ Wer das Tütchen der Stadt im Garten wachsen lässt, bekommt eine bunte Blumenwiese aus heimischen Kräutern. „Das sind Samen aus dem niederrheinischen Tiefland, alles hiesiges Saatgut.“ Denn bei den Pflanzen, die sich derzeit in Europa verbreiten, sind durchaus gefährliche Exemplare dabei. Aggressiv ist etwa die Ambrosia-Pflanze. „Sie ist gefährlich für Allergiker.“ Der Same dieser Pflanze wird vor allem durch Vogelfutter verbreitet, weil er gerne neben Sonnenblumen reift und geerntet wird. Ebenso wie die Ambrosia wird Korschenbroich auch hin und wieder vom Eichenprozessionsspinner heimgesucht, der nicht nur in Wäldern sondern auch in Parks und Grünanlagen vorkommt und Menschen durchaus gefährlich werden kann. Zwar werden für den Menschen gefährliche Pflanzen und Tiere bekämpft, aber „wir werden sie nicht alle zurückhalten können“, sagt Theo Verjans. „Die Natur verändert sich, das Ökosystem verändert sich.“ Aber das geschehe, seit es die Globalisierung gebe.

Die Veränderung komme auch durch starke Bebauung. „In der Folge von neuen Gebäuden gehen Biotope verloren. Die Fläche, die uns zur Verfügung steht, ist endlich.“ Verjans setzt sich dafür ein, bestimmte Brachflächen aufzuwerten, indem man dort Feldgehölze pflanzt, wie zum Beispiel auf der Hochzeitswiese in Korschenbroich. Die Diskussion um den Einsatz von Glyphosat kann der Naturschützer nachvollziehen. Es sei doch vor aller Augen zu sehen, dass Insekten weniger geworden sind. „Wir werden mit unserer Blumenwiese das Insektensterben nicht aufhalten können, aber wir können eventuell die Korschenbroicher überzeugen, dass sie selbst es sind, die einen Wandel herbeiführen können. „Wir haben aber eine Absperrmentalität, wir bauen in den Neubaugebieten Zäune um unser Grundstück, legen Rollrasen aus und pflanzen gedrehte Koniferen oder tragen Schotter auf.“ An der Niers-Aue seien 50 Prozent der Vorgartenfläche gärtnerisch nutzbar. „Warum nicht ein paar Feldgehölze und eine Blumenwiese?“