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Korschenbroich: Die Interessengemeinschaft Herrenshoff löst sich auf und spendet ihr Kapital für Grundwasser-Vertrag

Interessengemeinschaft Herrenshoff : Korschenbroicher Verein löst sich auf und spendet sein Kapital

Die „Kümmerer“ der Interessengemeinschaft Herrenshoff (IGH) finden keinen Nachwuchs. Das Vereinsvermögen geben sie der Stadt für eins ihrer Herzensprojekte.

Mit dem Ärger um den Herrenshoffer Baggersee fing es an: Als dort vor knapp 50 Jahren die Auskiesung durch das Kieswerk am Myllendonker See begonnen hatte, wuchs die Sorge der Anwohner vor Rissen im Mauerwerk ihrer Häuser und auch in der Schule. Einige Bürger fanden sich zusammen und kämpften – zunächst gegen die Auskiesung, später gegen die geplante Verfüllung. Letztlich war es ihnen gelungen, dass der Baggersee mit seinen etwa 16 Hektar auch heute noch Refugium für Angler und Wasservögel ist. Die ersten „Kümmerer“ gründeten 1975 die Interessengemeinschaft Herrenshoff (IGH).

Der Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, die Anliegen der Bürger von Herrenshoff, Herzbroich und Raderbroich zu vertreten. Doch damit ist Ende November Schluss. Der Verein wird aufgelöst. „Wir finden keinen Nachwuchs mehr“, sagt Hubertus Goltsch resigniert. Er und Karl-Heinz Häusler sind die beiden letzten Vorstandsmitglieder der IGH.

Bevor der Verein abgewickelt wird, haben sich die Mitglieder etwas Besonderes überlegt. Das Vereinsvermögen von rund 6000 Euro wollen sie spenden, um mit der Stadt einen Grundwasservertrag abzuschließen, der – wie alle anderen Verträge – über zehn Jahre laufen wird. Ihre Idee hat die IGH bereits der Stadt vorgetragen. Bürgermeister Marc Venten dazu: „Es ist schade, dass sich die Gemeinschaft wegen mangelnder Nachfolge auflösen muss. Umso erfreulicher ist es, dass sie ihr Vereinsvermögen für die Fortführung der Grundwasser-Kappungsmaßnahmen einsetzt und auf diese Weise auch in den kommenden zehn Jahren noch etwas zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger im Norden unserer Stadt leistet.“

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Seit Ende der 90er Jahre war das steigende Grundwasser ein wichtiges Thema der IGH. Walter Schmitz, einer der Gründungsmitglieder der IGH, war es, der dem damaligen Bürgermeister Heinz Josef Dick vorgeschlagen hatte, den Baggersee durch ein Pumpenfloß so weit abzupumpen, dass der größte Teil der Herrenshoffer Häuser wieder trockene Keller hatte. Daraus entwickelten sich die seit 2011 laufenden Maßnahmen zur Kappung der Grundwasserspitzen und Verträge mit dem Erftverband, die nun fortgeführt werden können. Die verbliebenen IGH-Mitglieder beruhigt das. „Das Grundwasser wird wieder ansteigen“, ist Häusler überzeugt. Spätestens durch die Einstellung des Braunkohletagebaus im Süden von Korschenbroich. Wie viele betroffene Häuser es in der Stadt tatsächlich gibt, wisse keiner. „Es redet niemand öffentlich darüber, weil das ja dem Wert des Hauses schaden würde.“

Stolz klingt mit, wenn der 82-Jährige und Goltsch (67) von ihren ausgefochtenen Kämpfen erzählen. Insbesondere von jenen gegen den Fluglärm. Zum Hintergrund: 1974/75 wurde am Mönchengladbacher Verkehrslandeplatz die neue Start- und Landebahn gebaut. Dadurch stieg die Zahl der Sportflugzeuge und Schulflüge an. Flugschüler absolvierten ihre sogenannten Platzrunden – hauptsächlich über Kleinenbroich, Raderbroich und Herrenshoff. „In 300 Metern Höhe mussten die fliegen“, so Goltsch. „Doch das hatte nie jemand geprüft.“ Das sollte sich mit der IGH ändern.

„Das ist einfacher Strahlensatz“, sagt Goltsch, der inzwischen zwar pensioniert ist, früher aber als Physiker tätig war. Mit Hilfe von Kamerafotos wurde zurückgerechnet, in welcher Höhe die Maschinen tatsächlich flogen. 1990 gründete die IGH mit anderen Organisationen die Fluglärminitiative Airpeace. Ihren größten Erfolg verbuchte sie, als im Jahr 2005 der Ausbau des Gladbacher Flugplatzes nicht genehmigt wurde. Goltsch weiß, dass die IGH mit ihren Aktionen so manchen auf die Nerven gegangen sei. Wie Häusler hofft er aber: „Es wäre schön, wenn Solidarität weiterhin hier gelebt wird.“