1. NRW
  2. Städte
  3. Korschenbroich

Korschenbroich: Diana Wierich ist Integrationshelferin an der Gutenberg-Grundschule

Gutenberg-Grundschule in Kleinenbroich : Die Integrationshelferin

Diana Wierich unterstützt den Unterricht an der Gutenberg-Schule in Kleinenbroich. 20 Stunden die Woche. Gelernt hat sie ihren Beruf nicht.

Es ist Dienstagvormittag kurz nach 10 Uhr. Und ein wenig chaotisch. So chaotisch, wie es nun mal ist in einem Klassenraum voller Erstklässler. Die Kinder haben gerade noch gefrühstückt und sollen jetzt ihre Malsachen auspacken. Kunstunterricht. Doppelstunde.

Während Lehrerin Alexandra Holzberg vorne jedem Schüler einzeln das Ergebnis eines Mathe-Tests zeigt, geht Diana Wierich durch den Raum. Sie achtet darauf, dass sich die Kinder nicht gegenseitig ablenken. Dass die Brotdosen weggeräumt sind. Dass die Malsachen ausgepackt werden. Dass soviel Ordnung herrscht, wie es eben geht.

20 Stunden die Woche ist Wierich an der Gutenberg-Grundschule in Kleinenbroich im Einsatz. Sie unterstützt dort den Unterricht. „Ich habe früher in einem großen Automobilkonzern gearbeitet“, sagt sie. Irgendwann war sie damit nicht mehr zufrieden. Eine Sinnsuche? „Ja, ja, ja, das ist es“, antwortet Wierich. Was sie seit zwei Jahren tut, hat Wierich nicht gelernt. Sie hat Weiterbildungen absolviert, ja. „Ich bin gut geschult worden“, sagt sie. Aber ein Ausbildungsberuf ist es nicht. Wierich ist Integrationshelferin.

An einem kleinen Tisch in der Ecke ihres Büros sitzt eine Frau, die sehr froh ist, dass es Menschen wie Wierich gibt. „Wir haben derzeit vier Integrationshelfer“, sagt Schulleiterin Jutta Winkler. Sie sind alle bei einem externen Anbieter angestellt. Ihr Einsatz an der Gutenberg-Grundschule ist Teil eines Pilotprojekts des Rhein-Kreis Neuss. „Wir hatten früher auch Integrationshelfer“, sagt Winkler. Aber diese seien immer für ein bestimmtes Kind zuständig gewesen. Mussten im Einzelfall beantragt werden. Wierich ist für alle Schüler zuständig und kann somit flexibel in den Klassen eingesetzt werden. „Es gibt Kinder, auf die ich den Schwerpunkt lege“, sagt Wierich. Der könne sich je nach Fach allerdings auch verschieben.

Die erste Klasse, in der Wierich an diesem Tag den Kunstunterricht begleitet, kennt sie sehr gut. Wierich steht während der Schulstunde die meiste Zeit vom Lehrerpult aus gesehen ganz rechts im Raum. Gleich an der Fensterfront. Von dort aus hat sie ihre „Schwerpunkt“-Kinder am besten im Blick. In der Klasse gibt es vergleichsweise viele Kinder mit Auffälligkeiten. Auffälligkeiten, die dem fremden Beobachter mal mehr und mal weniger auffallen. Ein Kind hat ADHS, ein anderes eine Lernschwäche, ein weiteres eine körperliche Beinträchtigung. „Mehrere Schüler haben außerdem Wahrnehmungsstörungen“, sagt Wierich. Sie können sich schlecht konzentrieren. Im ersten Schulhalbjahr war Wierich viel in dieser Klasse unterwegs. Nach dem neuen Plan ist sie mehr zwischen verschiedenen Klassen aufgeteilt. „Beides hat Vorteile“, sagt sie. Eingespieltheit helfe manchmal. Manchmal brauche es aber auch neue Impulse.

Die Doppelstunde läuft an diesem Morgen gut. Hier und da leistet Wierich Hilfestellungen, mahnt ein Kind an sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Es ist immerhin Kunst. Die Kinder sind automatisch in Bewegung, müssen ihre Malsachen einpacken, auspacken. Dafür bleibt es erstaunlich gesittet. „Ich bin positiv überrascht“, sagt Wierich. Diesmal ist zusätzlich noch ein fremder Beobachter im Raum, der ablenken könnte.

In der ersten Stunde arbeiten die Erstklässler an einem Puzzlebild, das sie bereits zuvor begonnen haben. Die Schüler sollen den Umgang mit dem Farbkasten lernen. In der zweiten Stunde sind dann alle bei venezianischen Masken angekommen, die sie ausmalen. Karnevals-Vorbereitungen.

In den letzten 15 Minuten wird es dann merkbar unruhig. Die Kinder sind mit Kunst für heute fertig. Nach der Stunde endet zudem der Unterricht. Während die letzten noch malen, haben zwei bereits ihre Schulranzen angezogen. „Ihr seid viel zu früh, wir machen noch was“, ruft Holzberg vom Lehrerpult aus. Ein letztes Spiel, dann ist der Schultag beendet.

„Im Kunstunterricht geht es viel darum, für Ordnung zu sorgen“, sagt Wierich. Das sei in anderen Stunden anders. Bei lösungsorientierten Fächern wie Mathe helfe sie Schülern mehr bei ihren Aufgaben. Ihren Wechsel vom Büro in den Klassenraum hat Wierich so oder so bis heute nicht bereut. „Es ist schön, dass ich akzeptiert werde“, sagt sie. „Von Schülern und Lehrern.“