Korschenbroich: Der Umweltausschuss diskutiert über Klimaschutz

Korschenbroicher Umweltausschuss : Alle wollen das Klima schützen, nur anders

Der Korschenbroicher Umweltausschuss diskutierte vor allem über ein Thema. Und das, obwohl sich die Mitglieder meist einig waren.

Elf Anträge hatten am Donnerstag zumindest eins gemeinsam. Sie trugen das Wort „Klima“ im Namen. Grüne (fünf), SPD (vier) und Grüne Realos hatten sie eingereicht. Eigentlich für die Haushaltsberatungen. Hinzu kam ein neues Förderprogramm der Verwaltung, das auch einen Beitrag zum „Arten- und Klimaschutz“ liefern sollte. Der Umweltausschuss beriet also um zahlreiche Anträge, in denen die gleichen Ziele angestrebt werden. Aber immer irgendwie anders.

Dabei blieben die Positionen schon bei der Symbolik unversöhnlich. Die Grünen wollten den Klimanotstand für die Stadt Korschenbroich ausrufen. So wie es die Europäische Union und zahlreiche anderen Kommunen bereits getan hatten. Tut nicht weh. Bringt nicht viel. Einigkeit herrschte trotzdem nicht.

„Wir lehnen das negative Bild des Notstands ab“, sagte Wolfgang Lieser für die CDU. Und erhielt Unterstützung von SPD, Die Aktive und FDP. „Sie können das ablehnen, aber sie stellen sich dabei gegen eine ganze Generation“, antwortete Jochen Andretzky (Grüne). Dabei waren die Positionen eigentlich nur: „Klimanotstand ausrufen und konkrete Maßnahmen umsetzen“ gegen „Klimanotstand nicht ausrufen und konkrete Maßnahmen umsetzen“. Bernd Mackowiak fasste das für Ulli so zusammen: „Kindisch“ finde er die Diskussion an dieser Stelle. Am Ende stimmten Grüne und Grüne Realos dem Antrag zu, der Rest dagegen.

Beispiel zwei: Die SPD wollte feststellen lassen, dass Klimaschutz und Klimaanpassung auch Aufgaben der Stadt Korschenbroich seien. Genereller Widerspruch kommt wieder von keinem Ausschussmitglied. Gerd Sack vom BUND merkte allerdings an, dass Dinge beschlossen werden sollten, die bereits seit 2009 im Klimakonzept der Stadt stünden. „Ich bin überrascht, dass man hier das eigene Klimakonzept nicht gelesen hat“, sagte er. Ulrich Afflerbach (SPD) verteidigte sich: „Ich war die ganze Zeit dabei“. Er habe sogar eine „Photovoltaik auf dem Dach“.

Sogar der Beigeordnete Georg Onkelbach schritt ein. Es gehe um eine Grundsatzerklärung, stellte er fest. Darum, eine Aufbruchsstimmung zu verbreiten. „Wenn man die Diskussion zusammenfasst: So weit sind sie gar nicht auseinander“, sagte er. Andretzky fehlte allerdings die kritische Analyse, das bisher zu wenig getan wurde. Das wiederum rief Bürgermeister Marc Venten (CDU) auf den Plan. „Ich muss mal dem Eindruck widersprechen, dass wir hier als Stadt Korschenbroich in der Vergangenheit viel zu wenig getan haben“, sagte er. Im interkommunalen Vergleich müsse sich die Stadt nicht verstecken. Am Ende stimmten Grüne und Grüne Realos dagegen, der Rest zu.

Was mit den anderen Anträgen geschah? Viele wurden zur Prüfung an die Verwaltung verwiesen. Und landen dann wohl im Mai auf dem Schreibtisch des noch einzustellenden Klimaschutzmanagers. Der sich dann mit Ideen wie dem Klimaneutralen Haushalt und der jährlichen Bilanzierung von Klimaschutzmaßnahmen auseinandersetzen soll. Angesichts dieser einstimmigen Entscheidungen versuchte sich der Ausschussvorsitzende Wolfgang Houben (Grüne Realos) immer wieder darin, die Diskussion kurz zu halten. Was mal besser und mal schlechter funktionierte.

Konkretes wurde dennoch beschlossen. Das „Hausbaum“-Förderprogramm, das private Hausbesitzer beim Baumpflanzen finanziell unterstützen soll (wir berichteten) stieß auf breite Zustimmung der Ausschussmitglieder. Ganz ohne Diskussionen ging es dennoch nicht. Sack fand das Konzept grundsätzlich sinnvoll, wies jedoch auf den Widerspruch zu den zahlreichen Waldrodungen in Korschenbroich hin. Mackowiak bezweifelte, dass viele Menschen die Förderung beantragen werden. Und Andretzky hätte sich eine größere Betonung des Klimaschutz-Aspekts gewünscht. Am Ende stimmte der Ausschuss dennoch zu. Einstimmig.

Einen Kommentar zum Thema von Redakteur Marc Latsch lesen Sie hier.