Korschenbroich: Der Rukes-Hof bietet Tierpädagogik an

Angebot für Kinder in Korschenbroich : Der Bauernhof als Kinder-Erlebniswelt

In aktiver Landwirtschaft vermittelt Alexandra Rukes Einblicke in Natur und Tierwelt. In Projekten lernen die kleinen Besucher des Hofes auch eine Menge über den Jahreskreislauf. Vor allem aber wird das Bewusstsein geschärft.

Orpington-Henne Gerda ist eine Schönheit, und das scheint sie zu wissen. Das Huhn mit den braun umränderten weißen Federn schaut, was es auf der Wiese beim Rukes-Hof zu picken gibt. „Die ist eine ganz Liebe“, sagt der sechsjährige Johannes über das freundliche Huhn, während er es streichelt. Er weiß, dass die schöne Gerda und neun weitere Hühner zu den Stars zählen, wenn andere Kinder zu Besuch sind. Für manche ist es die erste Begegnung mit einem lebenden Huhn. Andere wiederum wissen erstaunlich viel über Natur und Landwirtschaft. Johannes´ Mutter Alexandra Rukes ließ sich zur Erlebnis-Bauernhof-Pädagogin ausbilden, um Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren in das Abenteuer Natur und Landwirtschaft einzuführen. „Es ist unsere Intention, Kindern den Bauernhof zu eröffnen und mit allen Sinnen erfahrbar zu machen“, sagt die dreifache Mutter.

Mit ihrem Mann Jürgen führt sie den Hof, der sich auf die Zucht der weizenfarbigen französischen Rinderrasse „Blonde d´Aquitaine“ spezialisierte. Die großrahmigen Tiere mit dem glatten kurzen Haarkleid haben ein freundliches Naturell. Sie sehen so anders als die typische Niederrhein-Kuh mit ihrem Schwarz/ Weiß, und ein solcher Unterschied entzündet natürlich Neugierde. Bei der Erlebnispädagogik geht es nicht nur um das Augenfällige, sondern auch um kleine Dinge und Besonderheiten. Daher greifen Johannes und seine Freunde Lutz und Moritz zu Lupen, um Löwenzahn und Hirtentäschel eingehend zu betrachten „Die Schötchen der Pflanze sind geformt wie früher die Taschen der Hirten“, sagt Rukes zum Namen. Im Wiesenprojekt stehen auch die vielfach als Unkraut geschmähten Pflanzen im Fokus. Dabei zählt der Löwenzahn ohnehin zu den Klassikern, wenn er sein strahlendes Gelb abgelebt und sich in eine Pusteblume verwandelt hat. Bei der Beschäftigung mit Wiesenblumen werden natürlich auch Blütenkränzchen gebunden. „Das finden die Kinder super“, erzählt Rukes.

Ihr ist es wichtig, die Neugierde mit einer Mischung von spielerischem Lernen und tatkräftigem Einsatz zu wecken. Die Tiere auf dem Hof sind dabei freundliche Unterstützer der Erlebnispädagogik. Zu den Lieblingen zählen zehn Hühner, die einen Namen haben und sich gerne streicheln lassen, ein paar Schafe und natürlich die Esel Minos und Carolin. „Manche Kinder haben erst große Berührungsängste. Am Ende aber sind alle best friends mit den Tieren. Diese Erfahrung macht etwas mit dem Selbstbewusstsein“, sagt Rukes. Sie beobachtet immer wieder, dass die Möglichkeit, Tiere zu versorgen, auch einmal einen Hühnerstall zu misten und ein Ei zu finden „Wahnsinnserlebnisse“ sein können. Beim Projekt Huhn und Ei erkennen kindliche Teilnehmer mitunter erstmals Zusammenhänge und verstehen, dass ein Ei kein Eigenleben im Karton hat.

„Hier haben Kinder die Möglichkeit zu entschleunigen“, sagt Rukes in Abgrenzung zur vielfach verbreiteten Event-Mentalität, die Kinder oft überfordert. Zum Thema Getreide lässt sie Korn in alten Kaffeemühlen mahlen, um aus dem Mehl Pfannkuchen zu backen. Das macht Spaß und ist zugleich eine Lektion zur Wertschätzung von Lebensmitteln. Und Pfannkuchen aus eigenem Mehl schmecken noch besser.