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Korschenbroich: Der Bienenzuchtverein hilft auch bei Bienenschwärmen

Hilfe bei Bienenschwärmen in Korschenbroich : Schwarmfänger sacken Bienentrauben ein

Der Bienenzuchtverein hat 79 Mitglieder, darunter 66 aktive Imker. Einige von ihnen kommen raus, wenn Bienenschwärme entdeckt werden. Dieses Naturphänomen sollten Laien besser aus der Ferne beobachten.

Wenn die alte Bienenkönigin Platz für ihre jüngere, noch unbegattete Nachfolgerin macht, schwärmt sie mit einem Teil ihres Volkes aus. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe können sich meistens über 10.000 Einzelexemplare zur großen Traube in einem Baum oder an einem anderen Ort versammeln, um Scouts auszusenden, die das Revier sondieren. Das Naturschauspiel mag auf Laien furchterregend wirken, erfahrene Imker aber erkennen darin einen normalen Vermehrungstrieb. „Das ist ein Wahnsinnsphänomen, das wild aussieht, aber harmlos ist“, beruhigt Jenny Bettin, die mit Ehemann Hajo Vorstandsmitglied im Bienenzuchtverein Korschenbroich ist.

Beide empfehlen dennoch, das Naturphänomen aus der Ferne zu beobachten und Schwärmfänger des Bienenzuchtvereins zu informieren. Wenn alles gut läuft, stülpen die Schwarmfänger einen Sack über die Bienentraube und „schlagen“ diese in eine Kiste ein. „Die Bienen denken dann, dass sie erfolgreich waren, da sie ja eine neue Unterkunft suchten“, erzählt Jenny Bettin. Die Zeit der Bienenschwärme reicht etwa von Mitte Mai bis Mitte Juni. Im August und September seien keine Bienenschwärme unterwegs, sondern allenfalls Wespenschwärme, erklärt Vereinsvorsitzender Hajo Bettin.

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Der naturnahe Garten der Bettins ist eine paradiesische Idylle für Mensch und Tier. Die Bienen leisten als Bestäuber einen unverzichtbaren Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht, nicht nur im Garten, sondern auch in dessen Nachbarschaft.

 Bienenschwärme wie dieser an einem Kirschbaum in einem Kleingarten sind „ein Wahnsinnsphänomen, aber harmlos“, weiß Jenny Bettin vom Bienenzuchtverein Korschenbroich.
Bienenschwärme wie dieser an einem Kirschbaum in einem Kleingarten sind „ein Wahnsinnsphänomen, aber harmlos“, weiß Jenny Bettin vom Bienenzuchtverein Korschenbroich. Foto: dpa/Robert Michael

Der Bienenzuchtverein Korschenbroich zählt 79 Mitglieder, darunter 66 aktive Imker. Ein Imker hat im Schnitt vier bis fünf Völker. Über das Stadtgebiet verteilt addiert sich der Bestand auf etwa 350 Bienenvölker. „Ein gutes Wirtschaftsvolk hat 40.000 bis 50.000 Bienen“, rechnet Hajo Bettin vor. Er  freut sich über eine gute Altersmischung der Mitglieder, die zwischen 1932 und 2005 geboren wurden.

Die Imkerei sei inzwischen bei Frauen und Männern gleichermaßen beliebt.  „Wir haben hier die Vielfalt für ein entspanntes Miteinander und große Hilfsbereitschaft“, schwärmt Bettin.  „Jedes Jahr ist anders. Mich fasziniert die Arbeitsteilung bei den Bienenvölkern“, erklärt Arnold Stein. Der zweite Vorsitzende fand vor der Frühpensionierung zur Imkerei und bildete sich über Lektüre und Bienenlehrgänge weiter.

Im Verein sind Anfänger ebenso willkommen wie erfahrene Imker. Auf der Tagesordnung üblicher Vereinstreffen stehen immer auch Informationen zu jahreszeitgebundenen Aufgaben des Imkers. Corona-bedingt war der Austausch in den vergangenen Monaten allerdings im Wesentlichen auf Online-Treffen beschränkt.

Bienenfreude beobachten Auswirkungen der durch den Klimawandel veränderten Jahreszeiten. „Bei zehn Grad fängt die Königin an, Eier zu legen. Wenn das Frühjahr dann aber kalt und nass ist, finden die Bienen nichts. Der Imker kann zufüttern, doch was passiert mit den wilden Bienen und Hummeln?“, fragt Hajo Bettin eher rhetorisch. Mit Sorge nimmt er Schottergärten zur Kenntnis, da Insekten hier kein Futter finden.

Verantwortungsbewusste Imker achten auf die Gesundheit ihrer Schützlinge. Sie behandeln sie gegen die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe, die anfälliger für Krankheiten macht und der Brut schadet. „Für die Biene ist der Parasit so groß, als wenn wir von einem Kaninchen ausgesaugt würden“, erklärt Jenny Bettin anschaulich die Gefahr. Schriftführerin Steffi Dinger ließ sich zur Bienensachverständigen ausbilden. Damit ist sie in der Lage, Bienenvölker auf Krankheiten zu untersuchen. Mit Futterkranzproben prüft sie zum Beispiel, dass keine Sporen der bösartigen Faulbrut vorhanden sind.

Jenny Bettin gefällt der Gedanke, dass bei der Imkerei vom Honig bis zum Wachs alles verwertet werden kann. Wachs wird nicht nur für Kerzen aufbereitet, sondern auch für Mittelwände mit vorgeprägten Zellen wiederverwertet. Es steht den Vereinsmitgliedern frei, Honig zu verkaufen. Die Einnahmen decken in etwa die Kosten für das Hobby, erzählt Jenny. Für Stein stellt sich diese Frage nicht, denn bei ihm gehe ohnehin vom Honig „das meiste in der Familie drauf“.