Korschenbroich: Das ZWAR-Netzwerk feiert sein zehnjähriges Bestehen

Korschenbroicher Netzwerk wird zehn Jahre alt : Zwischen Arbeit und Ruhestand

Mitglieder des ZWAR-Netzwerkes schätzen die freie Struktur ohne Vorsitzenden und Gebühren. Zum Zehnjährigen gibt die Montagsgruppe eine Zeitung heraus. Gefeiert wird am 16. November. Mit Selbstgekochtem.

Das Prinzip ist altbewährt. Alle vierzehn Tage trifft sich die ZWAR-Montagsgruppe. Immer bringt jeder etwas zu essen und zu trinken mit. Das klappt so gut, dass die Gruppe auch für den 16. November zur Feier ihres zehnjährigen Bestehens in der Alten Schule auf ein Catering verzichtet und stattdessen auf Selbstverpflegung setzt.

„ZWAR“ das steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Die in Nordrhein-Westfalen landesweit agierende Organisation widmet sich der Selbsthilfe im Alter. Als Sozialreferentin Petra Köhnen im November 2009 in die Aula des Gymnasiums bat, um das Modell vorzustellen, stieß sie auf große Resonanz. Auf Initiative der Stadt formierten sich gleich zwei Gruppen, die sich pragmatisch Montags- und Dienstagsgruppe nannten.

„Die meisten kommen, wenn sie in der Verrentung sind“, sagt Bernhard Teuerle. Er sei vereinsmäßig gut verdrahtet gewesen, vor allem im Sport, habe aber für sich neue Möglichkeiten gesucht, erzählt der 62-Jährige. Peter Schoenemann fand mit dem Ende der Berufstätigkeit zur Montagsgruppe und ist heute begeisterter ZWAR-ler. Beide Männer zählen zum Redaktionsteam der Zeitung, die zum zehnjährigen Bestehen die Jahre Revue passieren lässt. Die Beiträge geben Einblick in vielfältige Aktivitäten, wie Tagesausflüge, Theaterbesuche, Diskussionsrunden, Reisen sowie in die Arbeit der Fotogruppe, die vor Monaten im Kulturbahnhof mit der Ausstellung „Unsere Welt im Spiegel“ begeisterte.

Im Gründungsjahr moderierte Köhnen die Basistreffen, doch schon bald war die Gruppe so autark, dass sich die Sozialreferentin der Errichtung von neuen ZWAR-Gruppen in Kleinenbroich widmete. „In der Gesellschaft steigt die Individualisierung. Wir sind der soziale Kitt. Das ist ein Geben und Nehmen mit der Stadt“, sagt Schoenemann. Die Stadt kommt dabei dir Rolle zu, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Für die ganz unterschiedlichen Aktivitäten der Gruppe.

Stefan Schneider, seit der Gründung vor zehn Jahren dabei, weiß, dass seine bayerischen Freunde Nordrhein-Westfalen um das Modell beneiden. Die Gruppe sehe sich nicht als Konkurrenz zu Vereinen, sondern als Ergänzung. „Hier kann sich jeder etwas nach seinem Geschmack aussuchen“, sagt Gabriele Schoenemann. Denn die Vorlieben und Aktionsvorschläge sind so heterogen wie die Lebensläufe innerhalb des Netzwerkes. „Hier haben alle einen anderen Hintergrund. Es gibt keine Vorsortierung, wer mitmacht“, hebt Schoenemann hervor.

Das informelle Netzwerk verzichtet bewusst auf einen Vorsitzenden, Statuten und Beiträge. Die Basistreffen werden nicht geleitet, sondern moderiert. „Hier kommt alles zur Sprache, werden Hinweise zu Veranstaltungen bekannt gegeben. Das Protokoll wird auf die Homepage, unsere Nachrichtenbörse, gesetzt“, so Schoenemann. Für Annelie Linkenheil ist gerade die freie Struktur ein Faszinosum. Die pensionierte Lehrerin fand vor drei Jahren nach dem Tod ihres Mannes zur Gruppe. „Ich musste unter Menschen, die meiner Altersstruktur entsprechen. Ich habe hier eine Heimstatt gefunden“, sagt die lebhafte 74-Jährige.

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