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Korschenbroich: Das ist die Steinstraße

Straßen in Korschenbroich : Eine kleine Einkaufsmeile im Zentrum

In der oberen Hälfte der Steinstraße reiht sich Geschäft an Geschäft. Richtung Regentenstraße stehen mehrere Baudenkmäler und der letzte Bauernhof im Ort. Josef Kamper erinnert sich an Überschwemmungen nach Gewittern.

Die Steinstraße zieht sich im sanften Schwung vom Alten Rathaus in den Ortskern. „Ich mag das Kopfsteinpflaster und die alten Laternen. Die Steinstraße ist einfach schön so mitten im Herzen der Stadt und mit ihren schönen Geschäften. Sie ist ein Entree in den Ortskern“, sagt Ulrike Freier, Inhaberin der Schreibmanufaktur „Feder und Tinte“ im zur Straße hin hell verputzten Haus mit dem Türmchen. Von hier aus reiht sich zu beiden Straßenseiten Geschäft an Geschäft.

„Hier waren immer Geschäfte“, sagt Josef Kamper, der von seinem Geburtsjahr 1932 bis 1972 an der Steinstraße wohnte. Sein Großvater mütterlicherseits, Joseph Kempen, hatte 1878 das Haus gekauft, in dem sich bis heute das Schuhgeschäft Kamper befindet. Kempen hatte als Vollwaise früh das Schuhmacherhandwerk erlernt und sich der damaligen Zeit entsprechend auf Gesellenwanderung begeben. Als er nach seiner Rückkehr vom anstehenden Verkauf des Hauses erfuhr, sei er in Schusterschürze zum Notar gegangen. Statt eines Bürgen habe der damals 24-Jährige den Kaufpreis in bar mitgebracht, erzählt Kamper. Der 86-Jährige übergab das Schuhgeschäft vor Jahren an Sohn Christoph und damit an die vierte Generation. „Das war hier früher schon eine enge Straße ohne Baulücken. Bei Gewitterregen gab es Überschwemmungen, weil hier die tiefst gelegene Stelle von Korschenbroich ist. Erst Stadtdirektor Esser ließ den Kanal ausbauen,“ erzählt der Senior. Er ist, wie auch seine Eltern, in der Steinstraße zur Schule gegangen. Der zweigeschossige Backsteinbau in der Kurve war ursprünglich ein Bauernhaus. Inzwischen ist er in der Liste der Baudenkmäler aufgeführt. Heute wird das Gebäude als „Alte Schule“ von verschiedenen Einrichtungen und als Veranstaltungsort genutzt.

Wenige Meter weiter führt Johannes Hennen in der Hofanlage an der Ecke zur Pescher Straße den letzten Bauernhof im Ortskern. Der Landwirt ist spezialisiert auf Milchwirtschaft, Rinderhaltung, Kälberhaltung und Bullenaufzucht. Ein Hofladen bietet eine wohnortnahe Versorgung. Unter einem Krüppelwalmdach vereint sind schräg gegenüber die Hausnummern 23 und 25. Sie erinnern daran, dass das freistehende Fachwerkhaus 1830 in zwei Hälften unterteilt wurde. Heute wird das Gebäude von der griechischen Taverne „Nefeli“ genutzt. Am schwarzen Balken oberhalb der zur Straße gerichteten Tür steht geschrieben „Anno Domini 1583 – Renovatum 1999“. Der frühere Sparkassendirektor Herbert Hoffmann kaufte 1993 den Gebäudeteil mit der Nummer 25 und ein Jahr später die andere Hälfte des Fachwerkdoppelhauses.

„Der Kern des Hauses ist von 1583. Das haben Bohrungen in den Eichenbalken ergeben,“ sagt Hoffman. Während der Restaurierungsarbeiten erlebte er einige Überraschungen, wie etwa die Freilegung eines längst vergessenen Brunnens und Funde von Scherben. „Wenn man hier den Spaten in den Boden steckt, stößt man auf Geschichte“, sagt Hoffmann. Mit Dokumenten, wie dem Ergebnis der Bauuntersuchung von 1996, einem Notarvertrag von 1892 und historischen Fotos kann er die Stationen des Hauses belegen und damit auch ein Stück Geschichte von Korschenbroich.