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Korschenbroich: Christel Binninger ist mit der Busanbindung unzufrieden

Nahverkehr in Korschenbroich : Schweres Fortkommen ohne Auto

Christel und Helmut Binninger aus Lüttenglehn besitzen beide keinen Führerschein und sind daher auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. Doch so richtig gut funktioniert das nicht.

Christel und Helmut Binninger leben seit 41 Jahren in Lüttenglehn. Beide haben nie den Führerschein gemacht und darum auch noch nie ein Auto besessen. Der 86-Jährige nutzt das E-Bike, um von A nach B zu kommen. Seine sechs Jahre jüngere Frau muss sich auf den Öffentlichen Personennahverkehr verlassen – und verzweifelt mitunter fast daran. Und sie fürchtet, dass der Busverkehr noch weiter ausgedünnt werden könnte.

In Zeiten des Klimawandels machen die Binningers eigentlich alles richtig. Was sie beklagt: „Menschen, die ein Auto besitzen, können sich nicht in unsere Situation hineinversetzen.“ So könne, wenn der Bürgerbus nicht fährt, eine Fahrt nach Korschenbroich schon mal anderthalb bis zwei Stunden dauern. „Mit der Buslinie 864 geht es zunächst bis Neuss, und von da aus mit der S-Bahn nach Korschenbroich“, sagt die Frau, die früher in einem Reisebüro gearbeitet hat und die mit Fahrplänen sehr gut zurechtkommt. Früher, als sie noch jung war, habe sie so manchen Weg eher zu Fuß gemacht, als sich auf Busse und Bahnen zu verlassen. Jetzt, mit 80 Jahren, sei der Fußmarsch jedoch keine Alternative mehr.

Was sie ebenfalls ärgert ist, dass das Busnetz im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgedünnt wurde. Und sie beklagt, dass eine Fahrt innerhalb des Stadtgebiets oft so teuer ist, als ob sie nach Düsseldorf oder Mönchengladbach fahren würde. Ein weiterer Kritikpunkt der Seniorin: „In Glehn können keine Fahrkarten mehr gekauft werden. Beim Kundenzentrum an der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf hat sich Christel Binninger zuletzt darüber beschwert, dass an den Haltestellen der Buslinie 864 vereinzelt die falschen Pläne hängen. „Wer sich hier nicht so gut auskennt wie ich, ist durch diese Fehlinformationen total aufgeschmissen“, sagt die 80-Jährige. Im Kundencenter erfuhr sie, dass mit einer Korrektur aus Personalmangel so schnell nicht zu rechnen sei.

Eine andere Tücke, die vor allem den unerfahrenen Busnutzer vor Probleme stellen dürfte: Die Linie 864 fährt hält normalerweise an der Rückseite des Romaneums. An Samstagen und Sonntagen wird jedoch die Haltestelle vor dem Aldi-Markt im Kreishaus angefahren. „Darauf müsste auf dem Fahrplan deutlich hingewiesen werden“, fordert Christel Binninger. Was ihr ebenfalls ein Dorn im Auge ist: Wenn verschiedene Fahrpläne lieblos aufgehängt werden und sich zum Teil überdecken mit der Folge, dass wichtige Informationen nicht lesbar sind. „Sie sollten froh sein, dass der Bus überhaupt fährt“, hat Christel Binninger mehr als einmal gehört. Und tatsächlich fürchtet sie, dass die Linie 864 noch seltener oder gar nicht mehr fährt.

Mit diesem Rheinland- und früheren Bahnbus kann sie nämlich bis Heerdt fahren, um dann schnell und bequem mit der Bahn nach Düsseldorf-Zentrum zu gelangen. Manchmal vermutet sie eine Taktik dahinter, dass Fahrpläne ausgedünnt werden: „So nutzen weniger Menschen den Öffentlichen Personennahverkehr, was später als Argument herhalten muss, die Linie ganz einzustellen.“