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Korschenbroich: Boxtraining für Kinder an der Maternus-Grundschule

Serie Schule mal anders : Deeskalation durch Boxtraining

Die Maternus-Grundschule hat einen Sportschwerpunkt. Und bietet dabei auch ungewöhnliche Trainingsstunden an.

Nick steht in Schrittstellung mit Fokus nach vorne. Mit Handpolstern fängt er die Schläge seines Gegenübers auf. Dann holt er zum Schwinger aus, und der andere bückt sich unter Nicks Arm weg. Wieder und wieder üben der Neunjährige und seine Mitschüler in Zweiergruppen den Ablauf, kontrolliert und noch recht vorsichtig.

Die Schüler wissen, dass Boxsport viel mit Disziplin und Wertschätzung zu tun hat. Ihr Trainer Bernd Liffers unterstützt als Externer die Gewaltprävention an der Maternus-Grundschule und damit die Förderung emotionaler und kommunikativer Kompetenzen für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten. Alle Drittklässler erhalten ein Gewaltpräventionstraining. In der vierten Klasse werden die Inhalte um die Themen Mobbing und Cyber-Mobbing ergänzt.

Die Box-AG ist ein Zusatzangebot, das dem Sportschwerpunkt der Schule entspricht und zugleich die Präventionsarbeit unterstützt. „Beim Sport gibt es Überschneidungen, die helfen, Inhalte zum respektvollen Umgang im Miteinander auf dem Schulhof und in anderen Bereichen des Lebens zu vermitteln. Pädagogisch funktioniert die AG nach dem Konzept Konfrontation und Wertschätzung“, sagt Liffers.

Liffers ist ausgebildeter Anti-Gewalt-Trainer und damit geschult in präventiven und interventiven Konzepten, die im besten Fall vorbeugend wirken, aber eben auch vermittelnd, wenn die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft überschritten ist. In der wöchentlich stattfindenden AG kombiniert Liffers sportliche und spielerische Einheiten mit den Aspekten Selbstbehauptung, Problemlösung, Deeskalation. Bei den Jungs kommt das gut an. „Mir macht es Spaß, eins zu eins zu kämpfen, aber auch Aufwärmen und Training“, sagt Nick. Der gleichaltrige Niclas war im vergangenen Jahr AG-Kapitän. Er habe zum Beispiel bei Streitereien vermitteln müssen, erzählt er. Es sei toll gewesen, den Coolnesstest zu machen und Regeln für den Konfliktfall zu üben, schwärmen die Freunde.

„Disziplin spielt in der AG eine große Rolle. Beim Training geht es auch um Situationen, wie sie jeden Tag in einer Schule passieren können. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die erlernten Regeln auch positiv auf die jüngeren Schüler auswirken, weil sie diese durch die älteren mitbekommen“, sagt Konrektorin Miriam Kamps. Sie schätzt ebenso den sportlichen Aspekt, der zum Bewegungskonzept der Schule passt. „Kinder sitzen heute oft zu viel, und da öffnet Sport einen Baustein ins Lernen. Auch im normalen Sportunterricht erkennt man unseren Schwerpunkt“, hebt sie hervor.

Statt der wöchentlich drei Regelstunden Sport bietet die Schule vier an. Mit Hilfe des Fördervereins wurde zum Beispiel ein Wave Board für das Projekt „Rollen und Gleiten“ angeschafft. Seit drei Jahren beteiligt sich  die Schule zudem am Leistungsstützpunkt für Modernen Fünfkampf. Trainer unterstützten die Lehrer zum Beispiel beim Fecht-Unterricht sowie beim Laser-Run mit Armbrustschießen und damit in sportlichen Facetten, die nicht überall angeboten werden. Eine Evaluation zum Sportschwerpunkt fiel sehr positiv aus. „Ich glaube, dass die Eltern durch ihre Kinder die Rückmeldung erhalten, wie gut sich der Sport auch auf die geisteswissenschaftlichen Fächer auswirkt“, sagt Kamps.