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Korschenbroich: Bei UngesPengste ukrainische Gäste im Ehrengeleit der Majestäten mit Damen

In rasanter Zeit Expertinnen des Brauchtums geworden : Ukrainische Gäste im Ehrengeleit der Majestäten mit Damen

Innerhalb kurzer Zeit sind die beiden Kriegsflüchtlinge Julia und Marina zu Expertinnen des Korschenbroicher Brauchtums geworden. Sie werden Pfingsten im Gefolge mit aufziehen.

Vor nicht allzu langer Zeit wussten Marina und Julia nichts vom Schützenfest am Niederrhein. In der Heimat gebe es nichts Vergleichbares, erzählen die beiden Ukrainerinnen. Nun aber entwickeln sie sich in rasantem Tempo zu Expertinnen des Brauchtums nach Korschenbroicher Art.

Im Hause der Familie Buschhüter haben sie beim Aufbau der Residenz an der Pescher Straße von Jens Büschhüter, Schützenkönig der St. Katharina-Junggesellenbruderschaft, beim Kränzen und Grünstecken sowie beim Röschen-Drehen geholfen.

Auf Pfingstmontag und Mittwoch ziehen sie sogar im Ehrengeleit der Majestäten mit Damen mit auf. Marina hat ihrer Gastgeberin Verena Buschhüter gestanden, sie fühle sich fast wie eine Königin in der Königsresidenz von Jens Buschhüter. In der näheren Nachbarschaft wohnt derzeit ihre Cousine Julia mit ihrer Schwester Anna und der Nichte Mascha. „Wir wollten eigentlich nur etwas spenden, dann aber hat Julia von Marina erzählt, die nicht wisse, wo sie unterkommen könne. Nun ist sie seit drei Monaten hier“, sagt Verena Buschhüter.

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Ihr Sohn habe zunächst befürchtet, dass der Trubel von Unges Pengste ihren Gast traumatisieren könnte. Stattdessen habe Marina aber – begeistert von den Vorbereitungen – irgendwann gefragt, wo denn ihr langes Kleid für die Festtage wäre. Mit Hilfe von Buschhüters Freundinnen war eine festliche Ausstattung einschließlich dazu passender Schuhe rasch zusammengestellt. Zwei blaue Kleider, dazu gibt es für den großen Auftritt passend in den Farben der ukrainischen Flagge Sträuße mit gelben Blumen. Schließlich wurden noch zwei Kavaliere für die Begleitung gefunden. Marina und Julia frischen derzeit ihre Tanzkenntnisse für die Königsbälle auf.

Verena Buschhüter ist überzeugt, dass das Schützenfest für die aus der Ukraine geflüchteten Frauen eine gute Ablenkung ist. Sie würden nicht viel von dem erzählen, was sie erlebt haben, doch es gebe Momente, in denen sie weinten und Heimweh hätten. „Da ist es manchmal besser, sie einfach nur in den Arm zu nehmen und nichts zu sagen. Wir mussten ihnen auch erst klarmachen, dass sie nicht rennen müssen, wenn samstags die Sirene geht“, so Buschhüter.

Die Verständigung klappe inzwischen mit „Händen und Füßen“ recht passabel, auch ohne Übersetzungsfunktion des Smartphones. Julia und Marina freuten sich aber besonders, dass der Brief vom Sozialamt mit der Einladung zum Frühschoppen im Zelt auf Ukrainisch geschrieben ist.