Korschenbroich: Baustelle für neue Hephata-Appartments an Brauereistraße eröffnet

Projekt in Korschenbroich : Erster Spatenstich für „Haus Lara“

In Korschenbroich entstehen sieben Apartments für junge Menschen mit geistiger Behinderung. Zur Baustellen-Eröffnung kamen neben Bauherr Joachim Hamacher und Vertretern von Hephata auch künftige Bewohner.

„Es wurde auch mal Zeit“, sagt die 32-jährige Sophie D.. Sie wird ab Mitte des kommenden Jahres eine der ersten sieben Mieter des „Hauses Lara“ sein. Noch ist lediglich eine große Baugrube an der Brauereistraße in Korschenbroich zu sehen. Aber die Pläne stehen fest. Das „Haus Lara“ wird in Einzelwohnungen Platz für sieben junge Menschen mit geistiger Behinderung bieten. Gemeinsame Räume und eine Küche bieten die Möglichkeit, die Wohngemeinschaft zu pflegen. Das ambulant betreute Haus wird von der Evangelischen Stiftung Hephata unterstützt. Nun war offizielle Baustelleneröffnung.

„Es wurde auch mal Zeit“ – damit meinte Sophie D., dass sie dann endlich von zu Hause ausziehen würde. Dass es mal an der Zeit ist, mit dem Bau des Hauses loszulegen, der Meinung sind auch Bauherr Joachim Hamacher und Hans-Willi Pastors, Fachberater für regionale Entwicklung bei Hephata. Er bereitet die Wohnprojekte mit den Investoren oder Wohnungsbaugesellschaften und den Bewohnern vor. Schließlich hat es mit drei Jahren Vorbereitungszeit lange genug gedauert von der Idee zu einem Haus für junge Menschen mit einer geistigen Behinderung bis zum ersten Spatenstich.

Das Projekt basiert auf einem sehr persönlichen Engagement. Lara, die 1990 geborene Tochter des Korschenbroichers Achim Thyssen, ist eine nicht-sprechende und blinde Autistin. Sie arbeitet tagsüber in einer Werkstatt und lebt zu Hause. Wie bei vielen Familien mit Kindern, die eine schwerwiegende Behinderung haben, stellte sich den Thyssens die Frage, wie Lara als Erwachsene würde leben können. Eine gute Freundin der Familie, Ulla Hamacher, beschloss kurzer Hand den Bau eines Hauses für Lara und andere junge Menschen mit Behinderung, die dort so lange betreut würden wohnen können, wie sie es wollten.

Nach dem unerwarteten Tod von Ulla Hamacher gründete ihr Mann die „Ulla und Stefan Hamacher Stiftung“, deren Zweck die Förderung der Hilfe für behinderte Menschen und die Förderung der Jugendhilfe ist. Zum Vorstand gehört Joachim Hamacher. Thyssen gelang es schließlich, ein Baugrundstück zu finden und zu erwerben. Mit dem Architekten Achim Burgmann von Otten-Architekten wurde ein Mitstreiter gefunden, der Erfahrung mit den Anforderungen hat, die ein solches Haus stellt. Die Stiftung Hephata ist für die inhaltliche Betreuung zuständig.

Die sieben Mieter stehen seit einiger Zeit fest. Lara B. ist mit 19 Jahren die Jüngste. Sie freut sich sichtlich auf die eigene Bleibe. Domenic P. ist 25 Jahre alt. Er traf die Entscheidung, auszuziehen, von sich aus. Doch auch seine Eltern finden: „Der Abnabelungsprozess muss stattfinden.“ Die zukünftigen Mieter treffen sich bereits regelmäßig unter der Organisation von Pastors. „Ausziehen will vorbereitet sein“, sagt er.

Einmal monatlich treffen sich die jungen Leute, für die Angehörigen gibt es Abendveranstaltungen, auf denen Pastors sie „durch den Dschungel der Sozialgesetzgebung“ führt, wie er es ausdrückt. Auch später, wenn alle eingezogen sind, wird es vom Betreuungsteam moderierte „Mieterversammlungen“ geben, auf denen alle wichtigen Themen des Zusammenlebens diskutiert werden. Wichtig sei, dass die Gruppe gemischt ist, sowohl was Alter und Geschlecht als auch die Art der Behinderung betrifft.

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