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Korschenbroich: Babysitter-Kurs im Familienzentrum Josef-Thory-Straße

Nur Mädchen nehmen teil : Mit Babypuppen Sicherheit gewinnen

Zwölf Mädchen absolvierten einen Babysitter-Kurs im Familienzentrum Josef-Thory-Straße. Sie erhielten Grundkenntnisse zur Betreuung von größeren Säuglingen und Kleinkindern – und am Ende den Eintrag in eine Babysitter-Kartei.

 Mit sicherem Griff löst Gina Schünemann die Windel und macht eine Handbewegung, als wolle sie damit das Gröbste von einem Kinderpopo abwischen. Behutsam beendet die 15-Jährige die Reinigung, dann legt sie eine frische Windel an. Gina übt an einer Babypuppe, macht aber den Eindruck, als wenn ihr die Prozedur beim echten Säugling ebenso gelingen würde. Sie ist eine von zwölf Jugendlichen, die sich von Ricarda Polnik im städtischen Familienzentrum Josef-Thory-Straße die Grundkenntnisse zur Betreuung von größeren Säuglingen und Kleinkindern zeigen lässt. Die Einrichtung bietet den Kurs in Kooperation mit dem Katholischen Forum an. Gekommen sind ausschließlich Mädchen. Die Tatsache entspricht offensichtlich immer noch gängigen Erfahrungen.

„Wir hatten nur ab und an einen Jungen dabei. Ein solches Verhältnis spiegelt sich in der Arbeit wider. Wir haben nur einen Erzieher im Team“, sagt Einrichtungsleiterin Barbara Antony-Wildschütz. „Das wichtigste Anliegen ist, den Jugendlichen Sicherheit zu geben, damit sie die Sorge verlieren, einem Kind Schaden zufügen zu können. Vieles läuft intuitiv. Hier bekommen sie Anregungen“, beschreibt Kursleiterin Polnik ihre Intention. Sie vermittelt die Themen Aufsichtspflicht, Pflege und Betreuung weitgehend an Hand von Fragen im Gespräch.

„Was mache ich, wenn das Kind nicht einschlafen will, wenn es sich verletzt hat, wie halte ich einen Säugling richtig, wo sind besondere Gefahrenquellen?“, fragt Polnik. „Es ist nicht eure Aufgabe, das Kind zu erziehen. Lasst es niemals alleine auf der Wickelauflage liegen. Es könne sich drehen und fallen“, betont sie. Zugleich beruhigt sie, dass es sicherlich kein Drama wäre, wenn beim ersten Babysitter-Auftritt ein Kind nicht gleich einschlafen wolle. Falsch sei es in solchen Fällen, das Kind im Zimmer alleine zu lassen und das Licht zu löschen. An Babypuppen wird geübt, wie das Milchfläschchen optimal gehalten wird, damit das Kind keine Luft einsaugt, die Blähungen verursachen könnte. Sollte es doch einmal zu Koliken kommen, hilft oft schon ein sanftes Bauchstreicheln im Uhrzeigersinn.

„Für mich ist es wichtig, Sicherheit zu bekommen,“ sagt Kursteilnehmerin Anna Bolten (16). Sie habe zum Thema zwar vieles von der Mutter gelernt, sei aber froh, ihr Wissen vertiefen zu können. Shanice Franken hat bisher Kinder von Arbeitskollegen der Mutter betreut. Da waren deren Eltern aber in der Nähe. Offensichtlich hat die 13-Jährige einen Blick für Gefahrensituationen und Einfühlungsvermögen entwickelt. „Man sollte die Eltern nach Einschlafritualen fragen“, schlägt sie zum Thema Einschlafen vor. Zudem bekommen die Mädchen Spielideen und Lieder an die Hand gereicht.

„Ich finde es cool, hier Erfahrungen zu sammeln, weil ich oft nicht weiß, wie ein Kind unterhalten werden will“, sagt Eva Heitland. Die 16-Jährige freut sich, dass ihr Name nach dem Kurs in die Babysitter-Kartei des Familienzentrums aufgenommen wird. „Die Kartei wird nicht nur von den 100 Familien eingesehen, die hier ein Kind haben, sondern auch von Auswärtigen“, berichtet Barbara Antony-Wildschütz. Sie hebt außerdem hervor, dass die Betreuung hauptsächlich für die Abend- oder Nachmittagsstunden gedacht ist, und nicht mit den Aufgaben einer Tagesmutter zu vergleichen ist.