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Korschenbroich: Autor Jürgen Wiebicke liest​ zum Sprechen vor dem Sterben

Veranstaltung „Korschenbroich liest“ : Autor Jürgen Wiebicke liest zum „Sprechen vor dem Sterben“

Jürgen Wiebicke bereicherte die Autorenlesung bei „Korschenbroich liest“ im Kulturbahnhof mit sehr persönlichen Bekenntnissen. Vor dem Tod seiner Mutter hatte er mit ihr Gespräche von einer bis dahin nicht gekannten Intensität über das Leben geführt.

Es ist ein sehr persönliches Buch – die „Sieben Heringe. Meine Mutter, das Schweigen der Kriegskinder und das Sprechen vor dem Sterben“ von Jürgen Wiebicke. Zugleich erzählt es exemplarisch von Erfahrungen, die Kindern der Kriegsgeneration vielfach vertraut sind. Auf Einladung des Vereins „Korschenbroich liest“ stellte der Autor im Kulturbahnhof zwei Buchpassagen vor. Im Vordergrund aber standen persönliche Bekenntnisse und das Gespräch mit den Zuhörern.

Vor dem Tod seiner Mutter hatte Wiebicke mit ihr Gespräche von einer bis dahin nicht gekannten Intensität über das Leben und damit verbundene Erlebnisse während des Krieges geführt. Der Sohn schrieb mit Einverständnis der Mutter mit. Er habe lange überlegt, ob eine Veröffentlichung angebracht sei, doch gerade das Persönliche sei ihm wichtig gewesen, erklärte er.

Der Moderator ist überzeugt, dass die meisten der betroffenen Familien zum Thema Nationalsozialismus und Krieg Erzählrituale in Art von „Abenteuerromanen“ entwickelt hätten. Dabei seien eigene Empfindungen weitgehend ausgespart worden. Mit Blick auf die dominierende Altersstruktur der Zuhörenden reflektierte Wiebicke die Auseinandersetzung der „Baby-Boomer“-Generation mit dem Nationalsozialismus: „Im jugendlichen Alter nahmen wir diese Zeit mit dem subjektiven Gefühl wahr, dass sie nichts mit uns zu tun hat. In moralischer Arroganz dachten wir, im Zweifelsfall alles anders gemacht zu haben“, sagte Wiebicke und erntete bestätigenes Nicken etlicher Besucherinnen.

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Später sei ihm bewusst geworden, dass politische Diktaturen binnen eines Tages enden können, aber nicht das seelische Nachbeben. Er habe die Eltern geliebt und wisse zugleich, dass deren Erziehung geprägt war von den Schatten des Krieges. Wiebicke betonte den Wert der intensiven Gespräche für beide Seiten. „Während meine Mutter erzählte, ging sie in die Vergangenheit. Sie hat sich freigesprochen. Das Buch handelt auch davon, was wir verändern, wenn wir sprechen, statt zu schweigen. Was wir wegschieben, verschwindet nicht, sondern bleibt vorhanden“, so Wiebicke. Beim anschließenden Gespräch teilten Besucher auch sehr persönliche Erfahrungen im Umgang mit Vergänglichkeit, Tod und Trauer mit.