Korschenbroich: Auftritt der Talking Horns im Jazz-Café

Konzert : Hirten klären über Weihnachtslieder auf

Die „Talking Horns“ zweifelten Klassiker der Weihnachtszeit an. Mit Musik und Witz geben sie Antworten auf bisher unbekannte Fragen.

Vier Hirten traten am vergangenen Freitagabend im Sandbauernhof auf die Bühne und teilten ihren Zuhörern die eigene Verwirrung mit. Wo wurde Jesus genau geboren? Hirten auf dem Feld, und das mitten im Winter? Und dann all die Jubellieder, die regelmäßig in den letzten Wochen des Jahres gespielt werden.

Die Hirten namens Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Stephan Schulze und Bernd Winterschladen konnten die Probleme an diesem Abend zwar nicht lösen, sie aber mit unterhaltsamen Anekdoten und mit ganz viel Musik auf hohem Niveau präsentieren. Die vier Musiker der Talking Horns waren mit Posaune, Saxophon, Klarinette, einem Sousafon und einer Tuba ins Jazzcafé gereist. Gemeinsam mit dem Germanisten und Theologen Martin Stankowski sind stiegen sie in die Tiefen der (vermeintlichen) Weihnachtslieder.

Unter dem Titel ihres Programms „Why?nachten – vier verwirrte Hirten packen aus“ präsentieren sie ihre Ergebnisse: viele Weihnachtlieder sind keine. Oder nur so halb. O Tannenbaum zum Beispiel – Symbollied deutscher Weihnacht – geht auf ein schlesisches Volkslied zurück. Die Melodie ist 600 Jahre alt und zugleich die Nationalhymne des Staates Maryland und für die Chelsea-Fussballfans ein laut gegrölter Fansong.

Die Talking Horns spielten gekonnt drei Versionen in drei Stimmungen von Dixie bis zur „elegischen Hymne für die abgeholzte Tanne. Auch ein westfälisches Pilgerlied hat es über die Jahre zum Weihnachtslied gebracht: „Maria durch ein Dornwald ging“. Immer wieder hören die Gäste des Sandbauernhofes, wie die Talking Horns von der bekannten Melodie ausgehend in die Improvisation einsteigen, einen akustischen Spaziergang unternehmen, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen.

Variationen gab es auch zum simultanübersetzen „In Dulce Jubilo“, an dem sich in der Musikgeschichte Praetorius und Bach abgearbeitet haben. Mit einem Potpourri aus 21 Weihnachtsliedern bewiesen die Jazzmusiker ihre These, dass sich viele Weihnachtslieder ähnlich anhören: die Liedanfänge ließen sich mühelos und ohne Kanten zu einem einzigen großen Weihnachtslied verbinden.

Wie es 2020 mit dem Jazzcafé weitergeht, lesen Sie hier.