Korschenbroich: Anneliese Fränzen (94) ist im Verein SÄG 50 plus noch aktiv

Sportverein aus Korschenbroich : Mit 94 Jahren eine Expertin für Wassergymnastik

Jeden Samstag absolviert Anneliese Fränzen ihre Wassergymnastik im Kurs des Vereins „SÄG 50 plus“. Während der Ferien kommt kein Übungsleiter. Dann turnt die 94-Jährige vor.

Denkt Rita Detzner an Anneliese Fränzen, gerät sie ins Schwärmen. „Im Wasser ist Anneliese für mich die Esther Williams. Das muss man sehen, wie sie ihre Übungen macht. Dabei ist sie ein Jahr älter als die Queen“, erzählt die temperamentvolle 82-Jährige. Sie gehört zum festen Stamm der Senioren, die sich samstags im Schwimmbad zur Wassergymnastik treffen und damit ein Angebot des Vereins „SÄG 50plus“ (Sport Ältere Generation) nutzen. Eine Übungsleiterin gibt vom Beckenrand das Kommando.

Der ganze Körper soll vom Nacken bis zu den Fußspitzen bewegt, Koordination und geistige Fitness trainiert werden, und dabei soll der Spaß nicht zu kurz kommen. Zwischen etwa 20 Frauen und vier Männern drückt Anneliese Fränzen mit schwungvollen Stößen einen imaginären Volleyball unter Wasser. Im Wasser ist die 94-Jährige so fit wie viele andere, die zehn bis 20 Jahre jünger sind als sie. Fränzen ist Mitbegründerin des Vereins „SÄG 50plus Korschenbroich“. 22 Jahre wirkte sie im Vorstand mit und erlebte alle Höhen und Tiefen des Vereins. 18 Jahre lang leitete die Seniorin eine Fahrradgruppe, die es nicht mehr gibt. „Wir alle werden älter“, sagt sie dazu.

Anneliese Fränzen auf dem Balkon ihrer Wohnung. Die 94-Jährige genießt die regelmäßigen Sportstunden. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Auf den Weg zum Beckenrand braucht Fränzen eine vierfüßige Gehhilfe, da der Rollator an der Tür stehen bleiben muss. Ihre Tochter besucht den Kurs ebenso und gibt der Mutter bis ins Wasser Unterstützung. „Ich kann ohne Hilfe kaum noch laufen, aber im Wasser geht das, was sonst nicht mehr klappt. Im Wasser ist man so leicht“, sagt Fränzen. Dann ist sie so leicht, dass sie anderen noch etwas vormachen kann, wenn in der Ferienzeit kein Übungsleiter da ist, um das Training zu begleiten. „Wir begrüßen alle, dass man bis ins hohe Alter Wassergymnastik machen kann. Wenn während der Ferien keine Übungsleiterin kommt, machen wir das Ganze gemeinsam“, sagt Fränzen, der es fernliegt, ihren Einsatz hervorzuheben. Sie ist eine gesellige Frau und pflegt daher auch eine Geburtstagsliste, damit alle zum Ehrentag ein Ständchen bekommen.

„Es ist ein Problem, während der Schulferien einen Übungsleiter zu finden“, erklärt Rita Büttinghaus, Geschäftsführerin des Vereins SÄG 50plus. Der Verein bietet die Wassergymnastik für Mitglieder kostenfrei an. „Wir haben natürlich auch Angebote, die extra bezahlt werden müssen. Schließlich müssen wir uns finanzieren“, sagt Büttinghaus beim Hinweis auf ein breit angelegtes Sportprogramm, Tages- und Mehrtagesreisen sowie gemeinsame Theaterbesuche. Die Wassergymnastik wurde in den 1980er Jahren eingeführt. „Es ist unser Bestreben, älteren Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich gemeinsam zu bewegen und zu treffen. Heute steigt das Bewusstsein, wie wichtig Bewegung gerade im Alter ist, um sich fit zu halten. Und hier hat keiner das Gefühl, sich mit 30- bis 40-Jährigen messen zu müssen“, betont Büttinghaus. Sie weiß, dass Frauen das Angebot generell stärker nutzen als Männer. Rita Detzner ist überzeugt, es kommen nur die Männer, die von ihren Frauen geschickt werden.

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