Korschenbroich: Am Rittergut Birkhof müssen Kastanien gefällt werden

Kastanienallee in Lüttenglehn : An der Kastanienallee müssen Bäume fallen

Die Kastanienallee am Rittergut Birkhof in Lüttenglehn ist ein wichtiges Naturdenkmal. Dennoch werden in diesen Wochen einige der Bäume gefällt. Das hat Gründe, die nicht in der Hand des Besitzers liegen.

Kein allzu schönes Bild bietet sich derzeit in Lüttenglehn. Dort, auf dem Weg zum Rittergut Birkhof, steht eigentlich eine prächtige Kastanienallee. Dieser Tage wirkt sie reichlich mitgenommen. Einige Bäume wurden bereits gefällt, weitere sollen folgen. Das ist nicht etwa das Ergebnis einer fragwürdigen Landschaftsplanung der Eigentümer. Es ist eine schlichte Notwendigkeit.

„Wir sind selbst traurig darüber, aber uns bleibt keine andere Wahl“, sagt Ulrike Kimmeskamp von der Stiftung Rittergut Birkhof. Zum Rittergut gehört nicht nur ein Golfpark, auch die Allee ist Teil des Geländes. Die Kastanien gelten als Naturdenkmal, dürfen daher nicht einfach so gefällt werden. Außer sie sind krank und gefährden die Verkehrssicherheit. Genau das ist in Lüttenglehn der Fall.

„Die betroffenen Bäume leiden unter einer Komplexkrankheit“, sagt Volker Große, der beim Rhein-Kreis Neuss für Landschaftsplanung zuständig ist. Bakterien, Bazillen, Miniermotten – einige der Rosskastanien sind vor allem betroffen. „Wir haben daher eine Fällempfehlung gegeben“, sagt Große. Die Verkehrssicherheit sei nicht mehr gewährleistet. Mehrere jüngere Bäume sind bereits gefällt worden, fünf alte Kastanien werden in den nächsten Wochen folgen.

Dass die Bäume überhaupt erst jetzt entfernt werden, liegt am Widerstand der Stiftung. Nicht der Eigentümer, sondern der Kreis ist für die Pflege des Naturdenkmals zuständig. Darunter fällt auch, den Baumbestand regelmäßig zu überprüfen. Auf seinen Zustand. Auf die Sicherheit für Passanten. Einige der Kastanien sind dabei negativ aufgefallen. Ein Teil von ihnen schon vor einigen Jahren. Ginge es nach dem Kreis, stünden sie schon längst nicht mehr. Dass die Stiftung erst jetzt diesem Drängen nachgibt, liegt daran, dass auch für sie die Gefährdungslage zu groß wurde. Und an einer neuen Vereinbarung.

„Die gefällten Bäume werden ersetzt“, sagt Kimmeskamp. Finanziert wird das mit einer Förderung des Landes. In den nächsten Monaten werden dann Ess- statt Rosskastanien aufgeforstet. Diese seien widerstandsfähiger und kämen besser mit den Gegebenheiten vor Ort zurecht, so die Hoffnung. Da ein Großteil des Bestands von den Arbeiten nicht betroffen ist, wird die Straße somit zur Mischallee aus Ess- und Rosskastanien. Der gesamte mittlere Teil wird laut Ulrike Kimmeskamp in seiner derzeitigen Form erhalten bleiben.

Vorerst. Denn so wirklich gesund sind auch die verbliebenen Bäume nicht. „Den Rosskastanien geht es allgemein sehr schlecht“, sagt Große. Ein generelles Problem sei die Miniermotte. Die Blätter der Allee-Anrainer seien generell von dem Insekt befallen. Kommen weitere Schädlinge hinzu, geraten auch die nächsten Kastanien in einen kritischen Zustand. Der Bestand steht weiterhin unter Beobachtung. Und im schlimmsten Fall muss in den nächsten Jahren erneut gefällt werden. Auch wenn sich das niemand der Beteiligten wünscht.

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