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Kleinenbroich: Erinnerungen an den Landgasthof Schnaggebaas

Ehemalige Gaststätte in Kleinenbroich : Erinnerungen an das Schnaggebaas

Das Traditionslokal an der Bahnhofstraße in Kleinenbroich schloss im Jahr 2017, nun wird das Haus abgerissen. Karin und Max Aubert haben die Gaststätte über Jahrzehnte geführt. Sie mussten ausziehen – werden aber zurückkehren.

Karin und Max Aubert können nicht anders. Jeden Tag, wenn sie zum Einkaufen fahren, schauen sie auch auf der Bahnhofstraße vorbei. Dort wird derzeit der traditionsreiche Landgasthof Schnaggebaas abgerissen. An seiner Stelle sollen altengerechte Wohnungen entstehen. „Anfangs wollte ich mir das gar nicht mehr ansehen“, sagt Max Aubert (84) – er führte den Gasthof über Jahrzehnte, zudem ist es sein Geburtshaus, in dem er bis vergangenes Jahr lebte.

Schon als kleiner Junge erlebte Aubert, wie die Großeltern und Mutter Berti den 1911 erbauten Gasthof mit eigener Metzgerei führten. Sein Großvater Karl Baumeister wurde damals „Schnaggebaas“ gerufen – der Chef (Baas), der mit Ferkeln (Schnagge) handelt. Im Krieg musste der Gasthof aber schließen, letztlich wurde die Familie gar von den Amerikanern aus dem Haus vertrieben. Nach dem Krieg machte die Mutter den Gasthof wieder auf, und der junge Max half fleißig mit. „Als Zwölfjähriger musste ich den Schnaps im Nachbarort holen, denn Kinder auf dem Fahrrad wurden nicht angehalten“, sagt Aubert.

Nachdem er eine Lehre zum Koch gemacht und ein Jahr auf der Hotelfachschule in Heidelberg verbracht hatte, zog es ihn jedoch zunächst in die weite Welt hinaus: Für sieben Jahre arbeitete er auf hoher See, zunächst auf einem Schwergut-Frachter, dann auf großen Passagierschiffen. New York, Bombay, Hongkong – angesichts solcher Ziele war Kleinenbroich weit weg. „Doch ich wusste immer, dass ich zurückkommen werde“, sagt Aubert.

 Die langjährigen Besitzer Max und Karin Aubert .   Foto: Detlef Ilgner
Die langjährigen Besitzer Max und Karin Aubert . Foto: Detlef Ilgner Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Zum Jahreswechsel 1963/64 übernahm er mit seiner Frau Karin den Gasthof. Zwar wurde die Metzgerei geschlossen, doch zu Ehren seines Großvaters nannte er die Gaststätte „Zum Schnaggebaas“. Über Jahrzehnte war sie eine Institution im Ort. Parteien, Vereine, Schützenzüge – sie alle machten das Schnaggebaas zu ihrem Stammlokal. Während sich Karin Aubert um die Organisation und die Küche kümmerte, war Max Aubert ein Wirt, der stets mit Krawatte hinter dem Tresen stand und der mit seinen Gästen umzugehen wusste. „Wir waren die einzigen Gastwirte im Ort, die keinen Nebenjob hatten. Wir machten morgens um 9 Uhr auf und nachts um 1.30 Uhr zu. Es war ein Leben für den Gasthof“, erinnert sich Karin Aubert (78). Nur mittwochs ruhte der Betrieb, dann war Zeit für die Familie.

Doch im Jahr 2000 war Schluss für das Ehepaar Aubert. Nach einem Trauerfall im engsten Familienkreis übernahm in Achim Kehren ein guter Freund der Familie den Betrieb. Doch die Zeiten für traditionelle Gaststätten wurden härter. Und als Kehren 2017 plötzlich verstarb, war dies zugleich das Aus für das Schnaggebaas. Noch dazu konnten die Auberts das Haus nicht halten, sie verkauften und zogen aus.

Nun sind die Bagger angerollt, um Platz zu schaffen für altengerechte Wohnungen. Doch dieser Anblick weckt bei den Auberts nicht nur Wehmut, sondern vor allem Vorfreude – denn sie werden an die Bahnhofsstraße zurückkehren und im Neubau die Penthouse-Wohnung beziehen. „Dann kann ich so wie früher den Sonnenuntergang von meinem Fenster aus beobachten“, sagt Max Aubert.