Kleinenbroich: Blumenhörner für das Brauchtum retten

Korschenbroich: Blumenhörner fürs Brauchtum retten

In Kleinenbroich sinkt die Zahl der Hornträger. Die Bruderschaft will dem Problem entgegenwirken und sucht nach Lösungen - insbesondere finanzieller Art. Zur Diskussion steht daher zum Beispiel der Einsatz von Kunstblumen.

Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Kleinenbroich sieht sich geradewegs in eine Art "Blumenhorn-Krise" zusteuern: Immer weniger Schützen tragen beim Fest die mit prächtigem Blumenschmuck dekorierten Hörner. Dabei sind sie ein elementarer Bestandteil des Festgeschehens: Bei Paraden sind sie nicht wegzudenken - und auch beim Aufmarsch zur Krönung oder bei der Festmesse sind sie Traditions-Deko. Schützen-Präsident Hans-Bert Heimanns betrachtet die Entwicklung daher mit großer Sorge: "Wir hatten mal 25 und mehr Blumenhörner, beim letzten Fest waren es unter 20. Das fällt natürlich auf." Der 65-Jährige sieht eine Ursache in den Kosten. Allein der Blumenschmuck koste 250 bis 300 Euro, was für viele Züge ein stolzer Betrag ist.

Um den Ursachen für die sinkende Zahl der Blumenhörner genauer auf den Grund zu gehen, lädt die Generalität der Kleinenbroicher Schützenbruderschaft für Dienstag, 10. April, zu einer Versammlung ein. Das Ziel der Bruderschaftler: Sie wollen das Amt des Blumenhornträgers, des "Hönes", wie sie ihn nennen, wieder zu dem machen, was es einmal war - und sicherstellen, dass die Besucher des Schützenfestes weiterhin über prächtigen Blumenschmuck staunen können. Eingeladen sind Offiziere, Blumenhornträger und alle interessierten Schützen. Ideen sind ebenfalls willkommen.

Bisher waren in erster Linie Jäger als Blumenhornträger in Frage gekommen. "Wir haben uns dazu entschieden, auch die Hubertusschützen mit einzubeziehen", sagt Hans-Bert Heimanns, der hofft, dass die Schützen zum nächsten Fest mindestens 20 Hörner zeigen. Am 10. April wollen sich die Schützen beraten, wie sie dieses Ziel erreichen und die Zahl der Blumenhörner stabilisieren können.

Im Raum stehen einige Vorschläge: So stehe die Bruderschaft laut Heimanns in Kontakt mit Floristen, die mit Kunstblumen versehende Hörner ausleihen. "Bestands-Hörner" könnten auch innerhalb des Regiments weitergegeben werden. "Das macht Sinn, zumal ein Horn in der Anschaffung etwa 250 Euro kostet", sagt der Präsident. Zudem gibt es Überlegungen, die Finanzierung der Blumenhörner aus dem Topf der Bruderschaft zu unterstützen und damit einzelne Züge zu entlasten.

In der Vergangenheit hatten sich bereits einige Träger aus gesundheitlichen Gründen dazu entschieden, das Horn abzulegen. Denn ein gefülltes Blumenhorn wiegt auch etwas. Sie gaben es weiter an jüngere Züge und entsprechend jüngere Hornträger, die die bis zu 25 Kilogramm schweren Gefäße samt Schmuck heute weitertragen.

Ein Beispiel: der Jägerzug "Jonge Boschte", dem auch Oberst Dirk Juntermanns angehört. Er sagt: "Einen Schützenzug kann man nicht schöner präsentieren, als mit einem Blumenhorn." Regelmäßig ernte sein Schützenzug bei den Paraden Applaus, wenn er den Zuschauern beim Fest das Blumenhorn präsentiert. "Wir haben es 1992 vom Zug ,Schützenlust' übernommen", berichtet der Kleinenbroicher. Seit dem hegt und pflegt die Gemeinschaft das Horn und schmückt es jedes Jahr zum Fest mit roten und weißen Nelken.

(cka)