Korschenbroich: Kirche kämpft um Wähler

Korschenbroich : Kirche kämpft um Wähler

Vier Prozent Beteiligung an der Pfarrgemeinderatswahl – das muss besser werden: Eine Wahlzeitung soll die Korschenbroicher Katholiken ermuntern, im November abzustimmen. Kandidaten zu finden, war auch nicht leicht.

Vier Prozent Beteiligung an der Pfarrgemeinderatswahl — das muss besser werden: Eine Wahlzeitung soll die Korschenbroicher Katholiken ermuntern, im November abzustimmen. Kandidaten zu finden, war auch nicht leicht.

In Massen sind die Katholiken nie zu den Wahlurnen geströmt, nachdem in den 70er Jahren die Pfarrgemeinderäte als mitbestimmendes Gremium in den Pfarren installiert worden waren.

Aber die vier Prozent der Kleinenbroicher Katholiken, die bei der bislang letzten Wahl 2005 bei der Besetzung des Rates ihre Stimme abgaben, sind auch in den Augen von Pfarrer Frank Josef van de Rieth eine "miserable" Wahlbeteiligung. Am besten schnitt die Herrenshoffer Gemeinde 2005 ab — mit 13,9 Prozent Beteiligung. Auch das soll in diesem Jahr noch besser werden.

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Idee aus Düren mitgebracht

Eine Wahlzeitung, die am 24. und 25. Oktober in den fünf Pfarren im Korschenbroicher Stadtgebiet verteilt wird, soll die Katholiken zur Wahl ermuntern und ihnen sämtliche Kandidaten und den Ablauf der Wahl vorstellen. "Diese Idee habe ich aus Düren mitgebracht. Dort ist es vor Jahren gelungen, unter anderem durch die Wahlzeitung die Wahlbeteiligung in einigen Pfarren um bis zu 50 Prozent zu steigern", sagt Gemeindereferent Dieter Praas.

Ob das ein frommer Wunsch bleibt, erweist sich am 7. und 8. November, wenn die Gläubigen über die Besetzung der Pfarrgemeinderäte und der Kirchenvorstände abstimmen dürfen. Von solchen Wahlen hängt viel ab: nicht nur die Inhalte Gemeindearbeit, sondern — wenn das Desinteresse noch größer wird — schlimmstenfalls sogar die Existenz einer Pfarre.

"In der Vergangenheit sind vielerorts Pfarrgemeinderäte eher als Organisationskomitee fürs Pfarrfest angesehen worden — eine völlige Verkennung ihrer Aufgaben", sagt van de Rieth. Die Räte sind auch und vor allem dazu da, mitzubestimmen, ob und wie zum Beispiel die Jugend und Seniorenarbeit, die Liturgie oder die ökumenische Arbeit gestaltet werden soll.

Schwerer noch als Pfarrgemeinderäte zu besetzen, ist es nach van de Rieths Erfahrung, geeignete Kandidaten für die Kirchenvorstände zu finden. Auf deren Schultern ruht unter anderem die Verantwortung für die Finanzen der Gemeinde. Gläubige, die sich mit Buchführung auskennen, eine Bilanz erstellen und lesen können oder in juristischen Fragen bewandert sind, gibt es nicht wie Sand am Meer.

"Und sie sind häufig in Berufen, die wenig Zeit für ein solche Amt lassen", so van de Rieth. Fände eine Gemeinde keinen Kirchenvorstand, müsste der Bischof einen Vermögensverwalter einsetzen. Sollte es gar so weit kommen, dass eine Pfarre auf Dauer keine funktionierenden Gremien mehr bilden kann, müsste die Pfarre schließlich aufgelöst werden.

Davon sind die Korschenbroicher Pfarren zwar noch weit entfernt. Aber van de Rieth sagt auch: "In diesem Jahr ist das mit Kandidaten für die Kirchenvorstände gerade noch mal gutgegangen. Ob das beim nächsten Mal noch gutgeht, weiß ich nicht."

(RP)