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Korschenbroich: Keine Angst vor dem Einkaufszentrum

Korschenbroich : Keine Angst vor dem Einkaufszentrum

Ende März eröffnet in der Mönchengladbacher Innenstadt das "Minto". Christoph Kamper, der Vorsitzende des City-Rings Korschenbroich, spricht über die Entwicklung der Stadt, die Chancen für den Einzelhandel und die Kundenerwartungen.

Jetzt steht der Termin endlich fest: Am 26. März 2015 eröffnet das Minto in Mönchengladbach. Was bedeutet das für den Korschenbroicher Einzelhandel? Herrscht Katastrophenstimmung?

Christoph Kamper Der Korschenbroicher Einzelhandel kann das Minto natürlich nicht ignorieren, aber wir wissen ja nicht erst seit gestern, dass in Mönchengladbach ein großes Einkaufszentrum entsteht. Wir konnten uns darauf einstellen und von Katastrophenstimmung kann nicht die Rede sein. Wir wissen, welche Geschäfte ins Minto gehen werden, das sind in erster Linie die großen Filialisten. Das ist eine ähnliche Situation wie bei der Eröffnung des Rheinpark-Centers in Neuss vor einigen Jahren. Die befürchtete Ausdünnung des Einzelhandels in Neuss blieb aus. In Korschenbroich haben wir fast ausschließlich inhabergeführten Einzelhandel. Für uns ist das Minto sicher Konkurrenz, aber auch eine Chance.

Eine Chance? Das müssen Sie erklären. Immerhin sagt ein Gutachten zehn Prozent Umsatzeinbußen für die umliegenden Städte voraus.

Kamper Der City-Ring hat seine Mitglieder immer darauf hingewiesen, dass während der Bauzeit des Einkaufszentrums in Mönchengladbach die große Chance besteht, neue Kunden zu gewinnen. Nämlich diejenigen, die der Baustelle aus dem Weg gehen wollen. Diese Kunden probieren jetzt die Korschenbroicher Geschäfte aus. Wenn dann Angebot und Service stimmen, bleiben sie auch. Das heißt allerdings auch, dass die Geschäfte sich weiter entwickeln müssen, um die Kundenerwartungen zu erfüllen.

Was erwarten die Kunden denn vom Korschenbroicher Einzelhandel?

Kamper Wir heben uns von den Filialisten ab, weil die Geschäfte individuell und spezialisiert sind. Genauso wichtig ist aber die Personalisierung des Geschäfts, das heißt, dass der Kunde als Person wichtig ist. Er will persönlich bedient werden. Diese persönliche Beratung bindet die Kunden. Sonst könnten sie die Produkte ja auch einfach bestellen. Deshalb spielen gut geschulte und motivierte Mitarbeiter eine wesentliche Rolle. Sie müssen die Geschichte zum Produkt erzählen können, aber auch Zeit für ein persönliches Gespräch haben. Der Korschenbroicher Einzelhandel hatte die Chance, sich neu aufzustellen und hat das im allgemeinen auch genutzt.

Konnten Sie während der Bauzeit des Minto schon neue Kunden für den Korschenbroicher Handel gewinnen?

Kamper Viele Korschenbroicher, die bisher nicht im Ort selbst eingekauft haben, kommen jetzt in die Geschäfte und machen positive Erfahrungen. Aber auch aus Mönchengladbach-City, Rheydt, Giesenkirchen, sogar aus Wickrath kommen Kunden zu uns. Natürlich ist immer das Angebot entscheidend. Die Kunden sind heute sehr gut informiert.

Was macht Korschenbroich sonst als Einkaufsstadt attraktiv?

Kamper Den historischen Ortskern wieder zu entwickeln, war eine richtige Entscheidung, die vor etwa 25 Jahren gefällt wurde. Ein Geschäftszentrum rund um die Pfarrkirche St. Andreas herum ist ein Geschenk, das nicht mehr viele Orte haben. Wie positiv das ist, sieht man beim Vergleich mit Kaarst oder Büttgen. Auch die verkehrsberuhigte Zone hat sich für Korschenbroich als absoluter Erfolg erwiesen. Wichtig ist außerdem das zentrumsnahe, kostenfreie Parken. In 200 Meter Umkreis liegen dann alle Geschäfte.

Muss sich in Korschenbroich nicht auch einiges ändern? Die uneinheitlichen Öffnungszeiten sind doch sehr störend.

Kamper Vor kurzem gab es zu diesem Thema noch eine Untersuchung der IHK Mittlerer Niederrhein. Das Ergebnis war überraschend. Bei den Händlern waren 77 Prozent der Meinung, dass einheitliche Öffnungszeiten wichtig sind, bei den Kunden hingegen waren es nur sieben Prozent. Das ist ein für Kleinstädte typisches Ergebnis und liegt am hohen Stammkundenanteil. Trotzdem bin ich sehr für eine Vereinheitlichung der Öffnungszeiten.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN RUTH WIEDNER UND ANGELA RIETDORF.

(NGZ)