Korschenbroich: "Kein Seniorenhaus ohne Kritik"

Korschenbroich: "Kein Seniorenhaus ohne Kritik"

Heim-Vertreter versprechen Verbesserungen. Politiker verfolgen Thema weiter.

Die vielfach kritisierten Zustände im Seniorenhaus an der Freiheitsstraße in Korschenbroich waren jetzt Thema im Kreisausschuss. Auf eine Gemeinschaftsanfrage der Kreistagsfraktionen von CDU und FDP hin kamen dort Themen wie "Probleme im Zuge der Baumaßnahmen" und "Qualität des Essens" auf den Tisch. Außerdem ging es um die Personalsituation. Auf Fragen der Kreistagsmitglieder gingen als Vertreter des Heims Patricia Mebes und Sigurd Rüsken ein. Beide stehen als Geschäftsführer mit an der Spitze der Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH - eine Gesellschaft, die das Seniorenhaus Korschenbroich bald vom Kreis übernehmen soll.

Bereits Anfang des Monats hatten sich Rüsken und weitere Vertreter der Chef-Riege Fragen im Sozialausschuss der Stadt Korschenbroich gestellt, aus denen teils hitzige Debatten entfachten. Das lag auch an vielen Angehörigen, die im Zuschauerraum ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten. Im Kreisausschuss ging es jetzt deutlich ruhiger zu. Sigurd Rüsken bestätigt, dass Verbesserungen zeitnah realisiert würden. Er berichtete auch von den personellen Konsequenzen, die er nach Bekanntwerden zahlreicher Mängel rasch gezogen hatte. Beispielsweise engagierte er einen neuen Küchenchef. Inzwischen soll sich die Qualität verbessert haben, es soll bereits erste positive Rückmeldungen der Bewohner geben.

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In Bezug auf die Anfrage erläutert CDU-Kreistagsfraktionschef Dieter Welsink, dass die Kritik der Bewohner und deren Angehöriger auch bei den Kreisausschussmitgliedern ernstgenommen würde. "Wir gucken genau hin", betont Welsink, schließlich sei das Seniorenhaus eine Einrichtung, in der ältere Menschen lange wohnten und eben kein Haus, das sie nach wenigen Tagen wieder verlassen würden. Er wirbt aber auch um etwas Geduld und Verständnis für die schwierige Lage. Auf das Problem des Pflegefachkräftemangels, den der Kreis noch durch Austausch-Kräfte kompensieren kann, kommt Landrat und Kreisausschuss-Vorsitzender Hans-Jürgen Petrauschke zu sprechen: Die Ressourcen seien begrenzt, die Erwartungen der Bewohner und Angehörigen oft sehr hoch. Als Beispiel nennt er die Erwartung, dass Bewohner stets von derselben Pflegekraft gewaschen werden sollen. "Das lässt sich so oft nicht umsetzen", sagte er. "Wir nehmen die Beschwerden ernst, ich halte aber nicht alles für berechtigt." Ohne Kritik werde der Betrieb in einem Seniorenheim nie laufen.

(cka)