Korschenbroich: Kalligraphin zeigt, wie's geht

Korschenbroich : Kalligraphin zeigt, wie's geht

Wenn Ulrike Freier zu Papier und Stift greift, verstummen ihre Kunden. Die Künstlerin ist Kalligraphin und eine Meisterin der Schönschrift. Wie viele Schriftarten sie beherrscht, weiß sie nicht. "Es sind viele. Manchmal erfinde ich auch selber ganz neue Schriften", sagt sie. Besonders künstlerisch wirken die alte Frakturschrift und die gotische Schrift. Um ihren Kunden einen Eindruck von ihrer Arbeit zu vermitteln und sich über die Schulter schauen zu lassen, beteiligte sich Ulrike Freier nun an der zehnten Aktion "Arbeitsplatz Kunst". Im gesamten Rhein-Kreis öffneten dazu rund 200 Künstler ihre Geschäfte und Ateliers.

Im Laden von Ulrike Freier an der Steinstraße, den sie erst im Oktober eröffnet hat, konnten Interessierte selber ausprobieren, wie man mit ganz besonderen Schreibutensilien arbeitet. "Man kann mit viel mehr Dingen schreiben als nur mit Füller oder Kugelschreiber", erzählt die Künstlerin. Typisch für historische Schriften sind zum Beispiel Fasanenfedern oder Gänsekiele, wie sie in historischen Filmen zu sehen sind. Aber auch Borsten von Stachelschweinen, Wäscheklammern und komplett aus Glas gefertigte Schreibfedern eignen sich als Stifte. Auch die Farbe muss nicht immer schwarz oder blau sein. Ulrike Freier arbeitet gerne mit Tinten, die riechen. Einige Highlights ihrer Palette sind Tinten mit Veilchen-, Rosen- und Whiskyduft.

Um die Kunst der historischen und schönen Schrift zu perfektionieren, bevorzugt die Korschenbroicherin handgeschöpftes Papier. Um einen Brief zu verschicken, kann man ihn in einen Umschlag stecken. Doch es geht auch kunstvoller: "Ich falte Briefe, wie man es früher gemacht hat. So ist der Brief gleichzeitig der Umschlag." Um ihn zu verschließen, hat Freier zahlreiche Siegellacke und die dazu passenden Stempel im Angebot. Die Farbpalette reicht von Reichsgold über Blutgold bis hin zu Sahara-Sand. Bei der Aktion "Arbeitsplatz Kunst" hatten die Besucher aber nicht nur Fragen zu Schreibutensilien. Sie informierten sich auch über die Geschichte der Schrift. Zu diesem Thema konnte Ulrike Freier jede Menge erzählen. Wenn sie mit ihren kurzen Vorträgen fertig war, begriffen viele, dass heute kaum noch mit der Hand geschrieben wird. "Vieles geht nur mit dem Computer. Die Handschrift geht verloren", bedauert sie. Darum hat sie sich auch deren Erhalt zur Aufgabe gemacht.

(RP)