1. NRW
  2. Städte
  3. Korschenbroich

Korschenbroich: Junger Jazz mit lokalen Beats an den Drums

Korschenbroich : Junger Jazz mit lokalen Beats an den Drums

Funktioniert Jazz ohne gängiges Bass- und Akkordinstrument? Von dieser ungewöhnlichen Variante zeigte sich Leonard Gincberg überzeugt, als er die Formation "Three Fall & Melane" im Sandbauernhof ankündigte. Am Konzertende gaben die Zuhörer dem Organisator der Jazz-Konzerte und natürlich den Musikern recht. Ja, die Formation hat es drauf. Das Instrumentaltrio "Three Fall" zählt zu den innovativen Bands des jungen deutschen Jazz, ist weltweit unterwegs und trat zum Beispiel mehrfach im Hauptprogramm der Leverkusener Jazztage auf. Gincberg verriet , dass Schlagzeuger Sebastian Winne zwölf Jahre lang sein Schüler war. Im Sandbauernhof hatte Winne einst sein erstes Jazzkonzert gehört.

Ihm zur Seite standen der Berliner Lutz Streun mit Tenor-Saxophon und Bass-Klarinette sowie Posaunist Til Schneider. Im Zuspielen akkordischer und rhythmischer Übergänge entfalteten die Drei ein ungewöhnliches Klangspektrum mit souligen, lyrischen und groovigen Soundelementen. Dabei bereicherten Streun und Schneider die Klangereignisse mit speziellen Effekten. Zu den Loops verschmolzen In Echtzeit aufgenommene Sequenzen mit dem virtuosen Spiel des Augenblicks. Mit dem Harmonizer entfalteten sie Einzeltöne zu vielschichtigen Klängen. Schlagzeuger Sebastian Winne war im virtuosen Auftritt durchgängig präsent. Zum Entree war das Spiel sogleich atmosphärisch aufgeladen, der Sound ungewöhnlich und packend.

Seit einiger Zeit hat die Band Zuwachs bekommen mit der kongolesisch-deutschen Sängerin Melane Nkounkolo, die das musikalische Spektrum erweiterte. Sie singt in ihrer Muttersprache Lingala. So stimmte sie etwa ein klassisches afrikanisches Lied an, in das sich die Band einklinkte. Melane ließ ihre Stimme schwingen, variierte in rhythmischen Koloraturen und mit rauchiger Nuance. Das Trio begleitete sie nicht im eigentlichen Sinne, der Zusammenklang war in der Vernetzung von Vokal- und Instrumentalpart eher konzertanter Wettstreit. Die Darbietung eines Liedes verlegten die Drei über Stimme und Blasinstrument mobilen Akteure mitten hinein ins Publikum - in diesem Fall ausnahmsweise puristisch ohne jede Technik. Dadurch entstand eine besondere Intimität, ein schwebendes Klanggewebe sachter Nuancen. Das Publikum geizte nicht mit Zwischenapplaus und erbat sich schließlich mit herzlichem Beifall zwei Zugaben.

(NGZ)