Junge Imkerinnen mit dem „Königinnenblick“ in Lüttenglehn

Zwei Generationen Imker in Lüttenglehn : Junge Imkerinnen mit dem „Königinnenblick“

Eine Familie imkert: Felicitas (11) und Felina (9) Vetter aus Lüttenglehn sind begeisterte Hobby-Imkerinnen und erstaunen durch ihr Wissen. Mit Vater Mark Vetter halten sie 14 Bienenvölker.

  Dagmar und Mark Vetter haben sich in Lüttenglehn gemeinsam mit ihren Töchtern Felicitas (11) und Felina (9) ein kleines Paradies geschaffen. Mit dazu gehören drei Grünleger-Hennen, zwei Meerschweinchen „und natürlich unsere vierzehn Bienenvölker, “ betonen die Mädels,. Und sie berichten, dass derzeit zu jedem Volk 60.000 Bienen zählen. Ihr Vater erklärt: „Im vorigen Jahr waren es zehn Völker – und jetzt ist Schluss.“ Dazu erläutert er, dass das Trachtangebot rund um Lüttenglehn nicht üppig sei und noch mehr Völker lediglich mehr Arbeit bedeuten würden – nicht mehr Honig.

Die Bienenvölker der Familie Vetter stehen optimal im wildromantischen Kräuter- und Gemüsegarten des örtlichen Heimatvereins, gleich nebenan gibt es einen großen Garten mit Obstbäumen. „Wir dürfen bei der Blühwiese im Dorf sogar mit aussuchen, welches Saatgut verwendet wird, und der ortsansässige Landwirt betreibt ökologischen Anbau. Er spritzt kein Gift. Das kommt natürlich auch unseren Bienen und somit unserem Honig zugute“, sagt Mark Vetter. Von Beruf ist er Industriekundenberater und Dozent. Vor sieben Jahren hat er seine Leidenschaft für Bienenzucht entdeckt und zwei Völker angeschafft – aber die Völker gingen ein. Vetter erklärt: „Ich war unerfahren und weiß heute, dass ich den Bienen sehr viel Ruhe geben muss und nicht öfter als einmal pro Woche im Bienenstock nachsehen sollte.“ Einmal war er trotz Schutzbekleidung mit mindestens 40 Bienenstichen im Bereich von Hals und Gesicht in die Notaufnahme des Lukaskrankenhauses gekommen.

Felicitas und Felina Vetter mit einem Schaurahmen, der bei Vorträgen in Schulen zum Einsatz kommt. Foto: Karin Verhoeven

Die Töchter Felicitas und Felina können inzwischen ganz leicht anhand der warmen Temperatur auf dem Bienenstock erfühlen, ob drinnen beim Volk alles in Ordnung ist. „Aggressive Königinnen haben aggressive Völker. Und die bringen besonders viel Honig. Aber wir mögen eher liebe Bienen und weniger Honig“, sagen sie. Familie Vetter hat die angriffslustige Königin ausgetauscht, das Volk wurde sanftmütig.

Nach zwei Jahren Pause nahm Mark Vetter den nächsten Anlauf in Sachen Bienenzucht und trat sofort dem Bienenzuchtverein Grevenbroich bei, wo er einen erfahrenen Imkerpaten hat.

Eine gute Entscheidung, denn seitdem klappt es prima mit dem Imkern. Schon bald signalisierte erst die ältere und später auch die jüngere Tochter Interesse an Vaters Hobby, der seitdem immer wechselnd eines seiner Mädels zu den Bienen mitnimmt. Felicitas (11) erläutert, dass eine Bienenkönigin kein leichtes Leben hat. Sie sagt: „Als Dienerin ihres Volkes muss sie für Nachwuchs sorgen. Das bedeutet, dass sie täglich 2000 Eier legt und zuvor auch noch kontrolliert, ob die Wabe in Ordnung ist.“ Anderenfalls muss die Königin sterben.

Nachgezüchtete Königinnen werden bei Familie Vetter zur besseren Unterscheidung jedes Jahr mit einem andersfarbigen Punkt auf dem Rücken gekennzeichnet – Felicitas und Felina erkennen Königinnen verblüffend schnell, und Mutter Dagmar freut sich: „Meine Töchter haben den Königinnenblick.“ Beide wissen, dass die vielen toten Drohnen (männliche Bienen)  rund um die Bienenstöcke zum jetzigen Zeitpunkt ganz normal sind, weil die Bienenvölker jetzt keine Drohnen mehr zur Befruchtung brauchen und diese aus dem Volk eliminieren.

Die beiden Mädels können sogar schon auf Anhieb erkennen, was aus den unterschiedlich gestalteten Eizellen wird – Königinnen sind in 16 Tagen fertig entwickelt, Arbeiterinnen schlüpfen nach 21 Tagen, Drohnen nach 24 Tagen.

Mark Vetter hat vor einigen Wochen bereits einen Vortrag mit entsprechendem Schaumaterial und vielen interessanten Geschichten rund um seine Bienen im Gymnasium „Marienberg“ in Neuss gehalten. Diesen Vortrag wird er im kommenden Frühjahr auch in der Schule seiner jüngeren Tochter halten, nämlich in der Gemeinschaftsgrundschule Glehn.

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