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In Alt-Korschenbroich trifft modernes Leben auf Tradition und Geschichte

Serie „Mein Korschenbroich“ : Die City kennt auch stille Orte

Alt-Korschenbroich hat jahrhundertealte Wohnhäuser wie den Kuhlenhof, aber auch beliebte Geschäfte und Gastronomie.

Der über 500 Jahre alte Turm von St. Andreas ist zurzeit wegen Sanierungsarbeiten eingerüstet. Das einst zum Turm gehörige Gotteshaus wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen und später vergrößert neu aufgebaut. Die Kirche markiert das Zentrum. Wenn die Sonne scheint, sind die Außentische des benachbarten Eiscafés dicht besetzt. Beim „Brauhaus zum goldenen Handwerk im Anker“ ist historische Bausubstanz um einen gläsernen Neubau erweitert. In den Straßen gibt es noch vielfach inhabergeführte Geschäfte – mit Familientradition ebenso wie neuere. „Viele Auswärtige kommen eigens zum Einkaufen“, erzählt Ulrike Freier von der Schreibmanufaktur „Feder und Tinte“. In Alt-Korschenbroich steckt viel Leben, der Stadtteil kennt aber auch stille Orte.

13 Steinkreuze am Chor von St. Andreas bezeugen die Existenz eines Friedhofs bei der Kirche. Dort fand 1823 die letzte Beerdigung statt. Im selben Jahr wurde die Ruhestätte an der Pescher Straße eingeweiht, die mit Einrichtung des Waldfriedhofs zum Alten Friedhof wurde. Rita Mielke bezeichnet diesen als „Herzensplatz“, den sie als Kind oft mit der Großmutter aufsuchte. Bei der Grabpflege erzählte die Oma von vergangenen Zeiten und auf dem Ehrenfriedhof auch vom Krieg. „Wenn ich heute über den Alten Friedhof gehe, sind mir diese weit zurückreichenden Familiengeschichten und die besondere Atmosphäre unter den Bäumen, die für mich als Kind etwas Geheimnisvolles, fast Magisches hatten, noch ganz präsent“, sagt Mielke. Einst lag der Friedhof am Ortsrand, heute grenzt er an die Grundschule, ist Oase im Wohngebiet.

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Auf der städtischen Homepage dokumentiert eine umfangreiche Liste an Vereinen bürgerliches Engagement – von Sport bis Kunst. So rettete der Heimatverein in Eigenarbeit und mit Fördermitteln den Bahnhof vor dem Abriss. Der vereint jetzt als Kulturbahnhof Heimatmuseum, Wechselausstellungen und weitere Veranstaltungen. Feste Größe im sozialen Miteinander sind die Bruderschaften St. Katharina Junggesellen und St. Sebastinaus, die zum Schützenfest „Unges Pengste“ tausende Besucher anlocken.

1716 vernichtete ein großer Brand viele Häuser im Ortskern, beim Luftangriff 1943 wurde der Ort abermals stark zerstört. Doch bis heute ist alte Bausubstanz erhalten und liebevoll restauriert. Dazu zählt der 1566 erbaute Kuhlenhof mit Merkmalen eines Stadthauses. Noch älter soll die Vikarie in der Regentenstraße sein. Laut Inschrift wurde das Fachwerkhaus, in dem sich die Taverne „Nefeli“ befindet, 1583 erbaut und 1999 renoviert. Seit der kommunalen Neugliederung 1975 hat sich viel verändert. Die Hannen-Brauerei, einst prägend für das Ortsbild, wurde abgerissen und durch das Hannen-Center ersetzt. Geblieben ist das Hannenhaus, das nach dem Brand 1716 errichtet wurde und wie der Vorgängerbau zunächst ein Weinhaus war. Vor etwa 40 Jahren setzten sich Bürger für den Erhalt des Elisabeth-Krankenhauses ein, das am Ende doch abgerissen wurde. Heute steht an gleicher Stelle die Niederrheinklinik.