Korschenbroich: Herzsport in Gefahr

Korschenbroich: Herzsport in Gefahr

Die Herzsportgruppe Korschenbroich hat großen Zulauf. Aber es fehlen Ärzte zur Betreuung während der Trainingsstunden.

Die Turnhalle der Korschenbroicher Grundschule ist an diesem Abend gut gefüllt. In drei Gruppen mit je etwa zwanzig Teilnehmern wird unter der fachkundigen Anleitung von Übungsleitern trainiert - die Herzsportgruppe des Vereins SÄG 50plus Korschenbroich erfreut sich großer Beliebtheit. Einerseits bei neu Hinzukommenden, denen ihr Arzt aufgrund von Herzproblemen Herzsport verordnet hat. Andererseits bei Vereinsmitgliedern, die schon lange dabei sind und neben dem Sport auch die Gemeinschaft schätzen. Doch die Herzsportgruppe ist in Gefahr: es gibt zu wenig Ärzte, die bereit sind, wenigstens einmal im Monat bei einer Sporteinheit anwesend zu sein.

Herzsportgruppen dienen der ambulanten Reha. Ärzte empfehlen sie ihren Patienten nicht nur, sie verordnen sie auch. Und zwar in wachsendem Maße. "Es kommen immer mehr Menschen mit Verordnungen zu uns", stellt Gerhard Golbs, Obmann der Herzsportgruppe, fest. Das ist gut, die ambulante Dauer-Reha gehört zum therapeutischen Konzept bei vielen Herzerkrankungen. Und die Korschenbroicher Herzsportgruppe ist eine stabile Gruppe mit aktuell 120 Teilnehmern, die seit mehr als 35 Jahren existiert. Nach körperlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten gestaffelt, wird in drei Gruppen trainiert - von der rhythmischen Bewegung bis hin zum Volleyballspielen. Zweimal in der Woche - montags und freitags - gibt es das Sportangebot. Verpflichtend immer mit dabei: ein Arzt. "Ein Arzt muss zwingend anwesend sein, sonst dürfen wir das Training gar nicht durchführen", erklärt Gerhard Golbs.

Der Mediziner nimmt die erste Einstufung von neuen Teilnehmern vor, er überwacht den Blutdruck und steht als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn sich jemand unsicher fühlt. "Ich werde oft von Teilnehmern gefragt, ob sie mit bestimmten Beschwerden mitmachen können", sagt Bernd Zettner, seit 35 Jahren regelmäßig als betreuender Arzt bei der Herzsportgruppe. Meistens geht das, aber der Arzt hat im Laufe der Jahre auch schon den einen oder anderen statt in die Trainingsgruppe ins Krankenhaus geschickt. Der Allgemeinmediziner ist von der Sinnhaftigkeit des Gruppenangebots überzeugt. "Allein zu Hause macht das niemand", meint er. "Die Herzsportgruppe halte ich für äußerst wichtig und sinnvoll." Deshalb nimmt er sich einmal im Monat Zeit, als medizinischer Betreuer dabei zu sein. Bisher besteht der Pool von Medizinern, die bereit sind, die Herzsportgruppe zu unterstützen, aus acht Ärzten, die sich abwechseln und so auf durchschnittlich einen Einsatz im Monat kommen. Aber: "Zwei Ärzte hören auf und wir bekommen keinen Ersatz", klagt Horst Ripphahn, Vorsitzender der SÄG 50plus. "Wir haben dreißig Praxen in Korschenbroich und der Region angeschrieben und überhaupt keine Reaktion bekommen, gar nichts." Diese Haltung kann er nicht verstehen, wo doch alle Mediziner die Bedeutung des Herzsports betonen.

Wenn sich keine Ärzte finden, die bereit sind, die Betreuung der Gruppe wenigstens ein Mal im Monat zu übernehmen, ist das Reha-Angebot gefährdet. "Spätestens im zweiten Halbjahr 2018 wird es kritisch", sagt Obmann Golbs und zieht einen Terminplan hervor. Rot markiert sind dabei die Termine, die noch nicht ärztlich besetzt sind. Ab Juli 2018 weist der Plan einiges an Rot auf. "Wenn sich nichts ändert, müssen wir die Herzsportgruppe dann ausfallen lassen", sagt er. Aber der Erfolg des Herzsports liegt auch in der Regelmäßigkeit, Unterbrechungen sind kontraproduktiv. Noch aber haben die Verantwortlichen die Hoffnung, dass sich genügend Mediziner finden, die die Betreuung der Gruppe gegen eine kleine Aufwandsentschädigung übernehmen. Damit der Herzsport in Korschenbroich weitergehen kann.

(NGZ)