Hanne Wolf-Kluthausen über ihren Rückzug aus der FDP-Stadtverbandsspitze in Korschenbroich

Interview mit Hanne Wolf-Kluthausen: Korschenbroicher FDP will 2020 wieder mindestens sechs Mandate im Stadtrat

Die Fraktionsvorsitzende der FDP Korschenbroich spricht über ihren Rückzug aus der Stadtverbandsspitze, ihren Nachfolger und die Ziele der Partei.

Frau Wolf-Kluthausen, nach elf Jahren sind Sie nicht mehr Stadtverbandschefin der FDP, gewählt waren Sie noch bis 2020. Was hat Sie bewogen, nun beim Ortsparteitag zurückzutreten?

Hanne Wolf-Kluthausen Ich habe mir das gut überlegt und hatte im internen Kreis meinen Rückzug schon länger angekündigt. Bald steht die Europawahl an, 2020 die Kommunalwahl, beide sind sehr wichtig für uns. Besonders aber bei der Kommunalwahl wollen wir wieder unsere alte Stärke erreichen, mit mindestens sechs Mitgliedern in den Rat einziehen. Mit meinem Nachfolger Thomas Betz und seinem Stellvertreter Dirk Schiffers sind wir personell dafür gut aufgestellt. Sie haben jetzt die Chance, sich zu profilieren.

War das bei den vergangenen Vorstandswahlen im Vorjahr noch nicht der Fall?

Wolf-Kluthausen Es war auf jeden Fall noch nicht so klar, ob sie es wirklich machen wollen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Und da ich Fraktionsvorsitzende bleibe, haben wir jetzt auch eine Aufteilung, die ja durchaus gängig ist. Ich war im Kreis eine der wenigen, die alles in einer Hand hielt.

Damit gelten Sie auch als das Gesicht des FDP-Stadtverbandes Korschenbroich. Ist das nun mehr Bürde oder mehr Chance für Ihre Nachfolger?

Wolf-Kluthausen Ich denke, dass es mehr eine Chance ist. Natürlich ist die Zeit knapp bis zur Europawahl, beide werden schnell ihr eigenes Profil aufbauen müssen. Aber sie können eben auch neue Ideen einbringen und sich anders positionieren.

Was erhoffen Sie sich von Thomas Betz und Dirk Schiffers?

Wolf-Kluthausen Thomas Betz kommt aus der IT-Branche und wird sich nicht zuletzt um die Digitalisierung kümmern. Das ist ein Bereich, der uns als FDP sehr am Herzen liegt. Dirk Schiffers kommt aus Korschenbroich, ist Mitglied im Schützenverein und generell in der Stadt sehr gut vernetzt. Das ist für uns als kleine Partei ganz wichtig. Zudem kennt er sich als Wirtschaftsprüfer in einem Bereich sehr gut aus, der für uns von hoher Bedeutung ist.

Welche Rolle spielt die FDP insgesamt in Korschenbroich?

Wolf-Kluthausen Ich finde, dass wir uns in den vergangenen 15 Jahren stabilisiert haben. Das war ja nicht immer so, wir hatten immer Höhen und Tiefen. Doch wir haben eine gute Basis und besonders 2017 tolle Wahlergebnisse erzielt.

Sie haben jedoch auch schon beklagt, dass die Opposition im Stadtrat kaum zur Geltung komme. Wie lässt sich das ändern?

Wolf-Kluthausen Das ist nicht einfach. Die CDU hat eine Hausmacht in Korschenbroich, und bereits seit 2009 kooperiert sie mit der SPD – eine Konstellation, die der Bürger ja eigentlich gar nicht will. Es liegt am Wähler, das zu ändern. Doch wir reißen uns auch nicht um Ämter, unsere Positionen müssen erkennbar sein. Oppositionsarbeit ist seit 2009 durch diese Mehrheitsverhältnisse sehr schwierig geworden. Wir haben es in der Opposition mit den Grünen und den Aktiven immerhin geschafft, uns beim Haushalt zusammenzusetzen und etwas auf die Beine zu stellen – obwohl wir sehr unterschiedliche Ansätze haben.

Welche Ziele haben Sie als Fraktionsvorsitzende noch?

Wolf-Kluthausen Ich werde mich weiter stark um das Thema Haushalt und Wirtschaftsförderung kümmern. Der Haushalt ist in Korschenbroich bereits seit den 2000er Jahren ein Notfall, und ich habe dort stets Sanierungsvorschläge eingebracht.

Sie sind 2018 aus ihrem Beruf ausgeschieden, auch ihr Mann hat sein politisches Engagement im Kreis verringert. Hoffen Sie nun auch auf etwas mehr Freizeit?

Wolf-Kluthausen Ich hoffe, dass mehr Zeit übrigbleibt. Ich habe es immer als meine Hauptaufgabe als Stadtverbandsvorsitzende angesehen, mich um den Nachwuchs in der Partei zu kümmern, ich hänge nicht an den Jobs. Jetzt möchte ich mit meinem Mann Dinge tun, die lange zu kurz gekommen sind – etwa spontan zu verreisen, aber auch mehr Ruhe einkehren zu lassen.

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