Gymnasium Korschenbroich: Väter bringen Schülern Informatik bei

Gymnasium Korschenbroich : Väter bringen Schülern Informatik bei

Da es am Korschenbroicher Gymnasium keinen einzigen Informatik-Lehrer gab, nahmen Michael Reyer, Frank Weckauf, Thorsten Fischer und Jörg Walter die Sache selbst in die Hand. Sie gründeten eine AG – mit großem Erfolg.

Informatik ist ein wichtiges Fach. Leider gibt es am Korschenbroicher Gymnasium derzeit keinen einzigen Informatiklehrer. Zum Glück haben vier Väter interessierten Schülern im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft immer samstags entsprechende Kenntnisse vermittelt. Nach einem Jahr ziehen sie eine positive Bilanz und auch die Kids sind zufrieden. Etliche von ihnen sind hoch talentiert und freuen sich, entsprechend von Ehrenamtlern gefördert zu werden.

Michael Reyer ist Akademischer Oberrat an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Der 45-Jährige hat zwei Söhne am Korschenbroicher Gymnasium. „Mein Jüngerer hat kein Interesse an der Informatik-AG“, sagt Reyer. Wohl aber die rund zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler, die mehr oder weniger regelmäßig von dem Angebot Gebrauch machen. Neben Michael Reyer werden sie von Frank Weckauf, Thorsten Fischer und Jörg Walter betreut – alle haben berufsbedingt einen engen Bezug zu dem Stoff, den sie rein ehrenamtlich vermitteln. Noten mussten sie keine geben, aber die Schüler bekamen einen Vermerk ins Zeugnis. Da gab es die drei Kategorien „hat teilgenommen“, „hat mit Erfolg teilgenommen“ und „hat mit besonderem Erfolg teilgenommen“. „Zunächst war dieses Angebot nur für die siebten und achten Klassen vorgesehen, aber wir haben jetzt auch einige ältere Schüler dabei gehabt“, erklärt Michael Reyer. Aus dem zurückliegenden Schuljahr haben sie mitgenommen, dass ihr Stoff für Schüler der siebten Klasse schon sehr anspruchsvoll ist und die Achtklässler sich deutlich leichter getan haben mit der Materie. Die Konsequenz: Im kommenden Schuljahr wird die Teilnahme in der Informatik-Arbeitsgemeinschaft erst ab der achten Klasse möglich sein.

„Wir haben ein breites Spektrum angeboten“, erklärt Reyer. Wie gehe ich mit dem PC allgemein um? Wie sieht ein Rechner von innen aus? Das hört sich so schwer nicht an und ist es auch nicht. Aber es wurde auch schon programmiert. Eine der Aufgaben bestand darin, eine Ampelschaltung so zu programmieren, dass es möglichst keine Unfälle gibt. Diese Herausforderung sei im Wesentlichen gut gemeistert worden. Mit der technischen Ausstattung sind die vier Hobby-Lehrkräfte zufrieden: „Für das, was wir machen, ist sie ausreichend“, lautet das Urteil unisono.

Den Teilnehmern lassen die ehrenamtlichen Dozenten sehr viel Freiraum. Das ist gut so, weil die Fähigkeiten und Erwartungen sehr unterschiedlich sind. „Programmieren ist nicht so mein Ding“, hat Max Radke herausgefunden. Für den 14-Jährigen ging es vorrangig darum, den allgemeinen Umgang mit dem PC zu optimieren. Jano (13) dagegen erzählt, dass er sehr gerne programmiere. Das wäre auch beruflich eine mögliche Perspektive. In der Arbeitsgemeinschaft hält er die Lehrer ganz schön auf Trab, er hat Talent. „Aber wir können ihm trotzdem noch was beibringen“, sagt Michael Reyer und lacht. Eva (12) gehört zu den wenigen Mädchen, die samstags freiwillig in die Schule kommen. Sie kommt mit dem Stoff sehr gut klar – und Spaß macht es auch noch. Den ehrenamtlichen Lehrern bescheinigt sie, sehr gut erklären zu können. Schulleiter Uwe Roscheck, der jetzt in Pension gegangen ist, spricht von einer „großartigen Geschichte“: „Wir als Schule sind absolut dankbar, dass vier Väter unseren Schülern aus freien Stücken helfen.“

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